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Freitag, 13. Februar 2009

Reformatorisches Erbe?

"Hat der Evangelikalismus sein reformatorisches Erbe verlassen?" dieser Frage war die gestrige IRON SHARPENS IRON-Sendung mit dem Interview mit Kim Riddlebarger gewidmet.

Riddlebarger beantwortet die Frage ohne Umschweife: "Nein, der Evangelikalismus hat kein reformatorisches Erbe verlassen, weil er ein solches Erbe nie hatte."

Das Interview geht dann bald in die Richtung, dass das reformierte mit dem modernen evangelikalen Verständnis von Kirche und Gottesdienst verglichen und diskutiert wird.
Eine Stunde, die du dir gönnen solltest.
Um die Sendung zu hören, klicke hier!
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Mittwoch, 4. Februar 2009

Kirche ohne Kinder?

Durch die Beschäftigung mit dem Thema Kirche in den Bekenntnissen bin ich herausgefordert, das Verständnis der Kirche in den verschiedenen Bekenntnissen zu vergleichen.
Bei einem Vergleich der beiden grossen reformierten Bekenntnissen, dem Westminster Bekenntnis (1647) und dem 2. Londoner Bekenntnis (Baptisitisches Bekenntnis) von 1689 machte ich eine Entdeckung, die mir - obwohl mir dies vorher faktisch schon bekannt war - zu denken gab.

Die Autoren des 1689er Bekenntnisses haben im Grossen und Ganzen das Westminster Bekenntnis übernommen und lediglich einige Passagen geändert, die sich mit ihrem Taufverständnis nicht deckten.
Dabei ist nun etwas passiert, worüber man wirklich eingehender nachdenken sollte. Die Baptisten haben offensichtlich festgestellt, dass man nicht einfach die Stelle mit der Kindertaufe im Westminster Bekenntnis herausnehmen oder abändern kann und dann ein Baptistisches Bekenntnis hat. Man muss dann auch über die Bedeutung des Bundes nachdenken - was sie getanund deshalb auch das Kapitel über den Bund abgeändert haben - was wiederum dazu führt, dass man sich erklären muss, wie man die Kirche versteht.

Auch hier haben sie dann kräftig umgestellt. Das Resultat ist nicht eigentlich falsch. Die Theologen, die das Westminster Bekenntnis verfasst haben und diejenigen, die es bekennen, würden den Aussagen grundsätzlich auch zustimmen können.
Nur - etwas ganz Entscheidendes ist meines Erachtens fatal herausgekommen: In der Kirche nach dem baptistischen Verständnis fehlen die Kinder!

Die Verfasser beider Bekenntnisse sehen die sichtbare Kirche als die Versammlung derer, die Christus bekennen und ihn anbeten. Aber im Westminster Bekenntnis heisst es "und ihre Kinder" und im Baptistischen: "ohne ihre Kinder". Das steht nicht ausdrücklich so da, sondern die Kinder fehlen einfach.
Viele Baptisten, vielleicht die meisten, würden das nicht ausdrücklich sagen: "meine Kinder gehören nicht zu meiner Gemeinde" - aber implizit sagen sie das.

Zum Glück handeln die meisten Baptisten ebenso inkonsequent. Sie behandeln ihre Kinder nicht als Heiden. Sie behandeln sie ebenso als Mitglieder der sichtbaren Kirche. Aber weil sie dem nicht mit dem Siegel des Neuen Bundes, der Taufe, Ausdruck geben wollen, können sie in ihrem Bekenntnis die Kinder nicht mit in die Kirche einschliessen.

Meine Kinder sind keine Heiden. Ich habe sie von Anfang an im Glauben erzogen und sie angehalten, mit uns Gott anzubeten. Sogar als (damals noch) bekennender Baptist. Darin war ich inkonsequent - mein Bekenntnis und meine Praxis widersprachen sich. Zum Glück!

Freitag, 11. Juli 2008

Kein Heil ausserhalb der Kirche

Wenn man heute sagt, dass es ausserhalb der Kirche kein Heil gibt, muss man wohl damit rechnen, als römisch-katholisch verschrien zu werden.
Die römische Kirche hat tatsächlich in dieser Frage 'den Bogen überspannt', das ist unbestritten. Vor allem haben sie den Begriff der Kirche eben auf die Angehörigen und Getreuen des römischen Klerus begrenzt.

Die Kirche ist natürlich nicht auf diese Gruppe begrenzt - im Gegenteil, sie ist vielmehr ausserhalb dieser Kreise zu finden. Die Kirche ist die Gemeinschaft all derer, die Gott im Geist und in der Wahrheit anbeten. Das sind die, die allein durch die Schrift Gott erkennen, allein aus Gnade und allein durch den Glauben an Christus zu Gott kommen und allein Gott die Ehre geben.

Ausserhalb dieser Kirche gibt es kein Heil. Warum? Weil Christus allein das Heil gibt und weil die Kirche der Leib Christi ist.
Weil Christus der Tempel ist, ist die Kirche als sein Leib der Tempel. Gott wohnt in seinem Tempel - der Kirche. Hier teilt Er sich den Seinen mit.
Der Tempel ist der Aufenthaltsort des Heiligen Geistes. Dort wohnt Er und dort wirkt Er.
Zwar können einzelne Aussagen im NT auch so aufgefasst werden, dass der einzelne Gläubige Tempel des Geistes ist. Er hat als einzelner aber nur in begrenztem Mass Anteil an den Äusserungen des Geistes.
Wenn er nicht in der Gemeinschaft der Heiligen das Wort und die Sakramente ausgeteilt bekommt, fehlt ihm das Entscheidende für sein geistliches Wachstum.
Und als einzelner, der nicht in der Kirche eingegliedert ist, kann er nicht als lebendiger Stein in den Tempel eingefügt werden (1Pet 2,5) und somit nicht Teil haben an der Auferbauung des Leibes (Eph 4,11-16).
Der einzelne Gläubige ist in seinem geistlichen Leben abhängig vom Leben, das Gott seiner Kirche gibt. Gott hat seine Kirche als den Ort bestimmt, wo Er sich mitteilt und wird nicht den Individualismus einzelner stützen, die denken, sie könnten auch auf ihrer einsamen Insel die Bibel für sich allein lesen und bräuchten somit niemand...



Dienstag, 4. Dezember 2007

Sinneswandel bei Willow Creek?

Schön wärs!!
Als ich zuerst hörte, dass es bei Bill Hybels und Willow Creek einen Sinneswandel gegeben haben soll, dachte ich: "Super!"
Ich hatte ein paar kurze Meldungen gelesen, wonach den Willow Creekern bewusst geworden sein soll, dass sie mit ihrem consumer-oriented service doch nicht das erreicht hätten, was sie sich eigentlich gedacht hätten.
Hybels selbst sagte, dass sie diverse Prioritäten falsch gesetzt hätten. Zum Teil nicht da, wo sie Gott setzt (hab ich im Originalton selber gehört).

So ein 'Bekenntnis' weckt Hoffnungen bei denen, die dem Programm von Willow Creek kritisch gegenüber standen. Doch die Hoffnung, dass es eine wirklich Einsicht und darauf folgend eine Umkehr gibt, müssen wir uns wohl abschminken.

In seinen Erklärungen äusserte sich Bill Hybels folgendermassen:
"Viele unserer langjährigen Mitglieder sagten uns, dass immer zu kurz gekommen seien, dass sie sich mehr geistliche Nahrung und mehr Tiefgang gewünscht hätten. Da habe ich mir gedacht, ob ich ihnen einen alten Seminar-Dozenten besorgen soll, der sie durchfüttert, bis sie kotzen."
(Er hat wirklich das umgangssprachliche Wort 'barf' gebraucht!)
Seiner wohl humorvoll gedachten Äusserung folgte ein Riesen Gelächter.

Ich bin tatsächlich erschrocken. Der "Erkenntnis", dass es den Schafen an guter Nahrung mangelt, folgt eine solch arrogante Bemerkung und die Feststellung, dass sie sich eben ihre Nahrung irgendwie besorgen müssen.
Nur: die Hirten ihrer eigenen Gemeinde sind nicht bereit, ihre Schafe zu füttern.
Sie möchten lieber die Böcke gut unterhalten!

Mich erinnert diese Haltung an die vielen falschen Propheten, die - als ihre Prophezeiungen nicht eingetroffen sind - einfach mit einem Schulterzucken eine neue Vorhersage rauslassen und zur Tagesordnung übergehen.
Ich finde das zum...[siehe oben im Hybels-Zitat]

Samstag, 16. Juni 2007

Ein Atheist im Gottesdienst

Matt Slick ist ein cleverer Bursche. Er unterhält ein apologetisches Radio-Programm. Die Sendungen beinhalten Gespräche und Debatten mit Atheisten, Mormonen, Zeugen Jehovas, aber auch Diskussionen und Frage-Runden mit Christen.
In einem Interview befragte er den Atheisten Hemant Mehta, der durch sein Buch "I sold my soul on e-bay" bekannt wurde, über seine Eindrücke, die er über Christen und Gemeinden gesammelt hat.

Hemant Mehta ist auch ein cleverer Bursche. Nicht so clever wie Matt Slick, sonst wäre er ja auch kein Atheist, sondern ein Calvinist wie Matt.
Er nennt sich "Friendly Atheist" (=freundlicher Gottloser), was meines Erachtens ein Oxymoron ist. Er widerspricht damit seiner eigenen Weltanschauung. Sobald er das erkennt, wird er kein Atheist mehr sein.
Dies weiter auszuführen und zu begründen, betrachte ich aber hier nicht als meine Aufgabe. Dafür gibt es andere Instanzen wie das Verax Institut oder eben Matt Slicks CARM, die ich beide wärmstens empfehle.

Worum es mir jetzt geht, sind einige Eindrücke, die Mehta in dem Interview wiedergibt. Er hat eine Reihe von Gottesdiensten christlicher Gemeinden besucht - kleine, konservativere, liberalere, grössere, Megachurches, usw. - um sich ein Bild zu machen von den Christen (er selbst hat keinerlei christlichen Hintergrund, sondern ist im Jainismus aufgewachsen und hat sich mit 14 Jahren davon gelöst und ein materialistisches Weltbild angenommen).

Einige der Dinge, die ihm aufgefallen sind bei diesen Besuchen, haben mir zu denken gegeben.
Z.B. hat es ihn verwirrt, dass viele der Christen während den Predigten oft so umherschauten oder auf die Uhr guckten oder sich sonst so verhielten, als ob sie gezwungen wären, da zu sein und zuzuhören. Dabei würde es doch in den Predigten darum gehen, weswegen sie hergekommen waren...
Weiter kam es ihm eigenartig vor, dass die Leute, die ja hier mit Gleichgesinnten zusammen seien, sozusagen als Einzelne und Familien in ihrer Gross-Familie, sich so plazierten, als wollten sie überhaupt nicht nahe zusammen sein, sondern eher Abstand voneinander haben.
Ein Weiteres, das er nannte, kann ich nur mit Vorsicht wiedergeben, weil ich dadurch sicher einem gewissen Klischee-Denken Vorschub leiste und ein Stück weit meine eigenen Vorurteile bestätige: Er war auch in Bill Hybels Willow Creek Community Church. Da seien ihm die Predigten so angenehm gewesen, es sei ihm richtig wohl gewesen (als Atheist).

Seine grundsätzliche Kritik an den christlichen Gottesdiensten und Predigten ist, dass die Leute nicht richtig denken würden. Dass sie sich nicht qualifiziert mit ihrem Glauben und den Gegenpositionen auseinandersetzen würden.
Es ginge in den Gottesdiensten und Predigten immer nur darum, dass es behaglich sei, dass es den Leuten wohl ist oder dass sie herausfänden, wie sie dieses oder jenes Problem lösen könnten.

Der Mann sagt, er hätte erwartet, dass mal jemand gegen seinen Atheismus predigen würde, dass ihm jemand sagen würde, warum seine Sicht falsch sei.
Das betrifft offenbar auch die Kommentare von Christen auf seiner Website oder per e-mail. Er bekomme gesagt: "Jesus liebt dich" oder "wir beten für dich". Aber niemand würde sich wirklich mit seiner Weltanschauung auseinandersetzen.

Das alles gibt mir ziemlich zu denken.
Da sitzt ein Atheist im Gottesdienst und es kommt ihm vor, als würden sich die Christen dort langweilen. Und als würden sie sich nicht besonders lieben. Und als würden sie nur um ihre Wellness besorgt sein.
UND: Er wird nicht durch das Evangelium herausgefordert! Obwohl der Mann ja eigentlich darauf wartet!

Das wirft Fragen auf, denen wir uns stellen müssen - auch wenn wir nicht auf Atheisten hören und nicht sie fragen sollen, wie wir unser Christenleben gestalten sollen.
Dennoch bleiben die folgenden Fragen stehen und sollten uns herausfordern:

- Haben wir selbst noch Hunger nach Gottes Wort?
- Warum besuchen wir sonst den Gottesdienst?
- Haben wir ein Klima der Liebe in unserer Gemeinde?
- Ist Christus das Zentrum unseres Gottesdienstes und ist das erkennbar?
- Können wir unseren Glauben einem Aussenstehenden verstehbar bezeugen?
- Sind wir in der Lage, unseren Glauben gegen falsche Weltanschauungen zu verteidigen? Oder verstecken wir uns nur in unserer "christlichen" Tradition?

Mittwoch, 10. Januar 2007

Gemeinde nach dem Herzen Gottes?

Das Gemeindeverständnis vieler Evangelikaler lässt meines Erachtens sehr zu wünschen übrig. Ich möchte darüber aber nicht klagen (was mir als betroffener Pastor nicht leicht fällt), sondern, ohne den Anspruch auf Vollkommenheit, mein Verständnis vom biblischen Bild der Gemeinde in einigen Punkten skizzieren:

I. Was ist die Gemeinde?

Die Bibel hat eine ganze Menge darüber zu sagen, was die Gemeinde ist. Sie braucht in den meisten Fällen Bilder, um sie zu beschreiben. Wir kennen diese Bilder und brauchen sie immer wieder: Die Gemeinde wird bezeichnet als die Herde eines Hirten, als Braut, als Tempel, Haus Gottes, Leib Christi, und vieles mehr…

Ich möchte hier nicht alle Bilder besprechen, sondern nur einige Kernwahrheiten herausstreichen, die das Wichtigste über die Identität der Gemeinde zeigen.

Warum fragen wir nach der Identität der Gemeinde? Es ist wie bei der Identität einer Person. Die Identität sagt nicht nur, wie jemand beschaffen ist, sondern sie sagt gleichzeitig auch etwas darüber, wozu jemand da ist. Die Natur einer Sache sagt auch etwas über ihre Bestimmung aus.

Auf die Gemeinde bezogen können wir deshalb ebenso sagen, dass wenn wir wissen, was die Gemeinde ist, dass wir daran auch erkennen können, wozu sie da ist; was ihre Bestimmung ist. Ich will im Folgenden auf drei Beschreibungen der Gemeinde eingehen, die mir sehr wichtig erscheinen, um die Identität der Gemeinde zu skizzieren: Die Gemeinde ist Gottes Volk, Gottes (Christi) Leib, Gottes Zeuge.

Gottes Volk
Die Gemeinde ist Gottes Volk. Die Bibel betont dabei besonders einen Aspekt, wenn sie die Gemeinde 'Volk' nennt. Es geht nicht nur darum, eine bestimmte Gruppe Menschen von den anderen abzuheben, sondern die Schrift hebt vielmehr die Aspekte einer Mannschaft hervor.

Es sind vor Allem zwei Aspekte, die das betonen. Wir können erkennen, dass dieses Volk zweierlei hat; einen Herrn und einen Auftrag. Schauen wir uns zwei herausragende Stellen an:

1Pet 2,9
Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, ein königliches Priestertum, eine heilige Nation, ein Volk zum Besitztum, damit ihr die Tugenden dessen verkündigt, der euch aus der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht berufen hat.

Tit 2,14
Er hat sich selbst für uns gegeben, damit er uns loskaufte von aller Gesetzlosigkeit und sich selbst ein Eigentumsvolk reinigte, das eifrig sei in guten Werken.

Als Gottes Volk haben wir einen Herrn, der uns aus der Sklaverei der Sünde losgekauft und auch gereinigt hat. Er war schon davor unser Herr und Besitzer, weil Er uns geschaffen hat. Jetzt aber hat Er sich uns in besonderer Weise zugewandt, um uns zu erlösen.

Als unser Herr und Besitzer hat Er das Recht, mit uns zu tun, was Ihm gefällt. Und Er kann uns befehlen, was Er will. Das tut Er auch. Damit kommen wir zu dem Zweiten, das in den Versen enthalten ist: Es ist die Bestimmung dieses Volkes, nämlich die Tugenden Gottes zu verkünden und eifrig zu guten Werken zu sein.

Diese beiden Aspekte – dass das Volk einen Herrn und eine Bestimmung hat – kommen übrigens schon in den Begriffen zum Ausdruck, die für die Gemeinde gebraucht werden. Im Alten und Neuen Testament wird für Gottes Volk der Begriff 'Ekklesia' verwendet. Wörtlich bedeutet das: 'die Herausgerufene' oder 'die Auserwählte'. Freier übersetzt kann es auch mit Versammlung wiedergegeben werden. In der Antike wurde der Begriff gebraucht, um eine ausgewählte Ratsversammlung zu bezeichnen. Jedenfalls ist bei dem Begriff 'die Erwählte' oder 'die Herausgerufene' immer an jemand gedacht, der erwählt oder herausruft. Das ist der Herr.

Auch der Begriff 'Kirche' sagt eigentlich dasselbe. Das Wort stammt auch aus dem Griechischen. Es heisst ursprünglich 'kyriake' und bedeutet 'die dem Herrn Gehörende'.

Gottes (Christi) Leib
Die Gemeinde ist nicht nur Gottes Volk, sondern auch Gottes Leib. Natürlich hören wir das normalerweise nicht so, sondern wir sagen 'Christi Leib'. Aber Jesus ist Gott, also dürfen wir das so ausdrücken.

Gott ist Geist und deshalb nicht sichtbar. Gott hat sich entschlossen, durch diesen Leib, der die Gemeinde ist, in der Welt sichtbar zu werden. Was Gott in der Welt tut, das tut Er vorwiegend durch die Gemeinde.

Wir können das als Menschen gut verstehen, denn wir Menschen sind nach dem Bild Gottes erschaffen. Wenn wir uns in unserem Geist etwas zu tun vornehmen, wird es nicht sichtbar, bis unser Leib sich in Bewegung setzt. So hat Gott sich einen Leib geschaffen, der ausführt, wofür sein Geist sich entschliesst.

Er möchte sich – seine Herrlichkeit, seine Liebe, seine Gnade, alle seine Eigenschaften – zu erkennen geben. Eben das tut Er durch seine Gemeinde. Damit kommen wir zur dritten Beschreibung der Gemeinde:

Gottes Zeuge
Die Gemeinde ist Gottes Zeuge. Gott gibt sich der Gemeinde und in der Gemeinde zu erkennen. Das ist der grosse Unterschied zur Welt. Der Welt gibt sich Gott nur zu einem kleinen Teil zu erkennen, nämlich in der Schöpfung. Davon berichten uns z.B. Psalm 19 und Römer 1. Diese Erkenntnis geht jedoch nicht sehr weit, sie hilft lediglich, zu erkennen, dass ein Gott da ist, der alles geschaffen hat. Das soll anspornen, weiter zu suchen.
Die persönliche Erkenntnis seiner selbst, die mit einer engen Gemeinschaft zusammenhängt, gibt Gott allein seiner Gemeinde. Dadurch wird sie zum Zeugen Gottes. Allein die Gemeinde kann erzählen, wer und wie Gott ist.

1Tim 3,15
Die Gemeinde ist das Haus des lebendigen Gottes, die Säule und das Fundament der Wahrheit.

In der Gemeinde wohnt die Wahrheit und von der Gemeinde geht sie aus. Gott hat sich entschlossen, seine Wahrheit da zu platzieren. Ausserhalb der Gemeinde findet man die Wahrheit nicht.
Wer Gottes Wahrheit erfahren will, muss sich deshalb zur Gemeinde wenden. Und diese Wahrheit ist nicht nur Information über Gott. Gottes Wahrheit ist auch Nahrung für unseren Geist und Mittel zur Veränderung. Jesus hat das betont, als Er den Vater für uns bat:
Heilige sie durch Wahrheit, dein Wort ist die Wahrheit.

Dieses Heiligen, das ist Gottes Wirken an uns, so dass wir Ihm ähnlicher werden. Das geschieht durch die Wahrheit, die durch das Wort Gottes der Gemeinde vermittelt wird. Das Wort Gottes kann zwar auch zu Hause gelesen werden. Das soll es auch. Aber wenn es nur dabei bleibt, ist das ziemlich unvollkommen und ungenügend. Im vollen Ausmass, wie Gott das bestimmt hat, wird das Wort Gottes nur in der Gemeinde aufgenommen und verstanden. Richtige Erkenntnis Gottes und geistliches Wachstum ist darum ausserhalb oder getrennt von der Gemeinde nicht möglich.

Die Gemeinde ist Gottes Zeuge. Sie zeugt von Gottes Wahrheit und von seinem Wirken. Sie tut das gegen innen und gegen aussen. Gegen innen heisst; die Glieder der Gemeinde helfen einander gegenseitig, Gott zu erkennen. Gegen aussen heisst; die Gemeinde gibt das Wort der Wahrheit an die Welt weiter und versucht so, die Menschen zur Erkenntnis Gottes zu führen.

Gott im Zentrum
Was allen Beschreibungen für die Gemeinde, die ich bisher genannt habe – Gottes Volk, Gottes Leib und Gottes Zeuge – gemeinsam ist, das ist die Ausrichtung auf Gott. Die Gemeinde existiert nicht für sich selbst. Sie ist von Gott für Gott geschaffen. Sie betet Gott an, sie repräsentiert Gott in der Welt, sie widerspiegelt und verkündet Gottes Herrlichkeit, sie handelt in seinem Auftrag.

Gott ist im Zentrum bei allem, was die Gemeinde ausmacht. Gott hat sie ins Leben gerufen und Er bestimmt ihr Wesen und ihr Ziel. Vielleicht ist das die Tatsache, die im vergangenen Jahrhundert am sträflichsten vernachlässigt wurde.

Viele Christen und Gemeinden haben den Eindruck bekommen und auch vermittelt, dass die Gemeinde eine von Menschen gemachte Sache ist und dass sie vorwiegend für die Menschen da sein muss. Durch diesen Irrtum ist sehr viel Schaden für Gottes Reich entstanden.

Wenn wir uns also fragen: Was ist die Gemeinde; was ist ihr Wesen, ihr Auftrag; wie soll sie leben, wie soll sie organisiert sein? usw., dann müssen wir unbedingt danach fragen, wie Gott sie gewollt hat. Die Antwort finden wir in seinem Wort. Die Bibel gibt uns die Anweisungen und auch das Muster dafür, wie wir die Gemeinde verstehen und auch organisieren müssen.

II. Wer gehört zur Gemeinde?

Wir gehen einen Schritt weiter und fragen: für wen gelten denn jetzt die gemachten Aussagen über die Gemeinde? Mit anderen Worten: Wer gehört zur Gemeinde? In diesem Abschnitt möchte ich über zwei Themen einige Aussagen machen, nämlich über Mitgliedschaft und Verbindlichkeit.

Mitgliedschaft
Wer gehört zur Gemeinde?
Die Frage muss in zwei Teilen beantwortet werden. Was ich bisher über die Gemeinde gesagt habe, gilt für die weltweite Gemeinde, die nicht örtlich begrenzt ist. Die Bibel macht aber auch Aussagen über die Gemeinde als örtliche Versammlung.

Die erste Antwort ist deshalb: Wer an Jesus Christus gläubig geworden ist und vom Heiligen Geist wiedergeboren ist, der gehört zur Gemeinde – zum Volk Gottes, zum Leib Christi:

1Kor 12,13
Denn in einem Geist sind wir alle zu einem Leib getauft worden.

Durch die Neugeburt durch den Heiligen Geist werden wir Glieder am Leib Christi. Das ist etwas, das mit uns geschieht, ohne dass wir etwas dazutun. Hingegen werden wir nicht so automatisch Mitglieder einer örtlichen Gemeinde oder Versammlung.

Dazu müssen wir uns selber bewegen und einer Gemeinde beitreten. Das ist jetzt ein Punkt, an dem sich manche Geister scheiden. Wann gehört jemand wirklich zu einer örtlichen Gemeinde dazu? Können wir wirklich einfach sagen, dass alle, die öfter einen Gottesdienst besuchen, zu der betreffenden Gemeinde gehören? Wie oft muss jemand gekommen sein, dass man sagen kann: "Jetzt gehört er dazu."

Die Beantwortung dieser Frage ist sehr wichtig und hier wird oft viel zu oberflächlich gearbeitet. Gerade in einer Zeit, wo man alles tut, nur um möglichst grosse Besucherzahlen aufzuweisen. Ich bin überzeugt, dass die Bibel uns zeigt, dass wir wissen müssen, wer unserer örtlichen Versammlung angehört. Das wird zuerst sichtbar im Zusammenhang mit der Gemeindezucht. Z.B. lesen wir im 5. Kapitel des 1. Korintherbriefs darüber:

1Kor 5,9ff
Ich habe euch in dem Brief geschrieben, nicht mit Unzüchtigen Umgang zu haben. Nicht überhaupt mit den Unzüchtigen dieser Welt oder den Habsüchtigen und Räubern oder Götzendienern, sonst müsstet ihr ja aus der Welt hinausgehen. Nun aber habe ich euch geschrieben, keinen Umgang zu haben, wenn jemand, der Bruder genannt wird, ein Unzüchtiger ist oder ein Habsüchtiger oder ein Götzendiener oder ein Lästerer oder ein Trunkenbold oder ein Räuber, mit einem solchen nicht einmal zu essen. Denn was habe ich zu richten, die draußen sind? Richtet ihr nicht, die drinnen sind? Die aber draußen sind, richtet Gott. Tut den Bösen von euch selbst hinaus!

Wie können wir unterscheiden zwischen denen, die drinnen und denen die draussen sind? Laut diesem Abschnitt müssen sie verschieden behandelt werden. Einen Besucher, der an der christlichen Sicht des Lebens interessiert ist, werden wir nicht gleich behandeln dürfen wie ein Gemeindeglied, das den Namen Christi bekennt. Deshalb müssen wir wissen, wer zu denen drinnen und wer zu denen draussen gehört.

Deshalb werden die Leiter der Gemeinde besorgt sein dafür, dass sie das unterscheiden können. Vor allem weil sie vor Gott Verantwortung abgeben werden, dafür wie sie die Gemeinde geführt haben.

Zu wissen, wer zur Gemeinde gehört, ist auch deshalb wichtig, weil die Glieder der Gemeinde mitverantwortlich sind für das, was in der Gemeinde geschieht. Wenn wir z.B. die Sendschreiben in der Offenbarung lesen, sehen wir deutlich, dass die Gemeinde immer als Körperschaft angesprochen wird. Jede der Gemeinden wird als Ganze verantwortlich gemacht für das, was sie tut und was in ihr geschieht.

Gott setzt zwar Hirten für die Gemeinde ein, die sie leiten sollen. Aber die Gemeinde muss auch mitdenken, mitreden, mitentscheiden, mitdienen. Und deshalb muss es ganz klar sein wer mitentscheidet und mitarbeitet. Die Leiter der Gemeinde müssen, um ihrer Verantwortung gerecht zu werden, die Geschwister kennen.
Die Gemeinde, die sie führen, soll im biblischen Sinn vorangehen. Sie müssen deshalb wissen, wer biblisch denkt und lebt.

Aus diesen Gründen ist es sinnvoll und richtig, wenn wir nicht nur von einer Mitgliedschaft in der weltweiten Gemeinde Jesu sprechen, sondern auch die Wichtigkeit der verbindlichen Mitgliedschaft in einer örtlichen Gemeinde betonen.

Das Neue Testament kennt ganz eindeutig die Unterscheidung zwischen Mitgliedern und Nichtmitgliedern der örtlichen Gemeinde.

Damit kommen wir zu einem weiteren Punkt:

Verbindlichkeit
Wenn wir die neutestamentlichen Texte über das Gemeindeleben studieren, dann sehen wir, dass die Verbindlichkeit in der Gemeinde oberste Priorität hat. Dabei geht es nicht in erster Linie um die Anwesenheit am Sonntag, um die Predigt zu hören. Natürlich – das darf nicht ausgelassen werden. Wir kennen auch alle die Ermahnung aus dem Hebräerbrief (10,25), das Zusammenkommen der Gemeinde nicht zu versäumen.

Aber die Anwesenheit in einem Gottesdienst ist noch nicht unbedingt die Verbindlichkeit, die das Neue Testament meint. Die Verbindlichkeit, die uns im NT gezeigt wird, beinhaltet viel mehr. Da geht es darum, einander am Leben Anteil haben zu lassen. Miteinander Leben zu teilen. Das beinhaltet soviel mehr als gemeinsam eine Predigt zu hören.

Das NT enthält eine Menge Texte, die das bestätigen, z.B. Apg 2, Rö 12, 1Kor 12, Eph 4, 1Pet 4, und viele mehr. Da lernen wir, dass Verbindlichkeit in der Gemeinde gelebt wird, indem man alles gemeinsam tut, was man auch allein oder als Familie tut:

- miteinander essen (ganz hoch im Kurs!)
- Gastfreundschaft üben
- miteinander die Bibel studieren
- gemeinsam beten
- miteinander lachen und weinen
- einander in der Not besuchen
- füreinander Auge, Hand oder Fuss sein
- einander lehren
- einander ermutigen oder ermahnen
- miteinander evangelisieren
- einander dienen mit welcher Gabe auch immer…

Das alles ist im Neuen Testament nicht so aufgeteilt, dass das sonntägliche Predigthören die Pflicht ist und der Rest die 'Kür', die freiwillige Zugabe. Alles zusammen ist Gemeindeleben nach der Bibel. Deshalb haben wir als örtliche Gemeinden auch die verschiedenen Gefässe neben dem Gottesdienst, wie: Bibelstunde, Gebetstreffen, Hauskreise, evangelistische Einsätze, usw.

Und diese Gefässe sind unverzichtbar, weil Gott den Einzelnen Gliedern das Wachstum durch die Gemeinde schenkt. Diese Art von Verbindlichkeit, das einander Anteil geben am ganzen Leben, das ist das, was wir im biblischen Vorbild gezeigt bekommen. Wir dürfen nicht tiefer ansetzen, wenn wir Gemeinde nach biblischem Vorbild sein wollen.

Darum muss auch – wer Glied einer örtlichen Gemeinde sein will – den Willen zu dieser Verbindlichkeit ausdrücken.

Wie gut ist es doch, dass Gott uns die Gemeinde geschenkt hat und dass Er uns der Gemeinde gegeben hat! Wie gut, dass wir unseren Glauben nicht allein leben müssen! Es ist doch ein Privileg, nicht eine leidige Pflicht, dass wir die Gemeinde haben. Leider wird die Gemeinde aber heute so oft falsch als eine leidige Pflicht verstanden. Wie ungesund ist das doch!

Natürlich, es gibt auch den Pflicht-Anteil. Verbindlichkeit hat auch schwierige Seiten. Es ist oft nicht leicht, den Bruder oder die Schwester in Liebe zu ertragen. Aber eben dazu hat Gott die Verbindlichkeit gewollt, die sich verpflichtet. Sie ist ein Schutz. So wie sie in der Ehe ein Schutz ist, so ist sie es auch in der Gemeinde.

Wer heiratet, sagt zu seinem Partner: "Ich verlasse dich nie, auch wenn du eine Last wirst für mich." Darum ist eine christliche Ehe eine solch gute Einrichtung. Wenn ich weiss, dass mein Ehepartner in dieser Weise verpflichtet ist, dann gibt das Halt und Sicherheit.

Zu einem ähnlichen Halt und Sicherheit hat Gott die Gemeinde gemacht. Hier können wir wissen: Wir können aufeinander zählen, miteinander rechnen. Deshalb müssen auch wir für die Gemeinde solche sein, auf die man zählen, mit denen man rechnen kann.

Wer spricht denn da?

Kürzlich wurde ich an Bileams Esel erinnert. Weil der Prophet den Durchblick in Bezug auf seinen eigentlichen Auftrag vollkommen verloren hatte, wurde er von einer Seite angesprochen, von der er es nie erwartet hätte, von seinem Esel.

Ähnlich scheint es der Kirche gehen zu müssen, dachte ich, als ich in der Weltwoche (Nr. 49/06) unter der Rubrik "Namen", wo normalerweise irgendwelche Kuriositäten prominenter Persönlichkeiten abgehandelt werden, einen Namen las, den ich dort noch nie sah: Jesus. "Was hat diese Zeitung, die jeweils nicht sehr freundlich mit Christlichen Inhalten umgeht, nun wieder über unseren Herrn zu mokieren?" dachte ich. Ich war höchst erstaunt. Folgendes ist da zu lesen:

Die Aktion "Kick off" der freikirchlich zentrierten Schweizerischen Evangelischen Allianz (SEA) hat zum Ziel, dass die Fussball-Europameisterschafts-Spiele 2008 auch in den Kirchen auf Grossleinwand zu sehen sind. 500 Gemeinden im Land will sie motivieren, verschiedene Zeitungen berichteten letzte Woche über das Unterfangen, dem einige reformierte Gemeinden bereits stattgegeben haben. Die Kirche dürfe keine Berührungsängste zu solchen Veranstaltungen haben, da auch Jesus den diesseitigen Freuden positiv gegenübergestanden sei, argumentiert ein SEA-Sprecher: "Er hat die Sünder, Zöllner und Huren besucht und war wohl auch einem Glas Wein nicht abgeneigt." Mag sein. Andererseits geben wir zu bedenken, dass Jesus die Kleinviehverkäufer, Taubenzüchter, Geldwechsler samt ihrem Zubehör aus dem Tempel verjagte, den diese mit ihrem weltlichen Tun entwürdigten: "Traget das von hier weg; machet nicht das Haus meines Vaters zu einem Kaufhause!" (Johannes-Evangelium, 2,16) (tow)

Was die Kirche nicht mehr zu merken scheint, wird ihr nun von einem weltlichen Blatt mitgeteilt. Die Welt scheint den Unterschied zwischen Profanem und Gottesdienst nocht besser zu kennen als die Kirche.

Es ist ja nicht so, dass man sich nicht ein Fussballspiel anschauen dürfte. Und: Sicher hat Jesus mit Sündern und Huren gegessen. Wenn Er die Nähe von Sündern nicht wollte, dann könnte niemand von den unterdessen "Frommen" mit Ihm Gemeinschaft haben. Die Frage ist vielmehr - das hat der Esel Bileams meiner Meinung nach richtig erkannt - ob wir, nur um vielleicht ein paar Aussenstehende in unsere Kirchen hineinzubringen, tatsächlich profane Veranstaltungen anbieten dürfen.

Ich denke, dass die Antwort ganz klar 'Nein' heisst. Und: was machen wir, wenn die Aussenstehenden dann da sind, und entsprechend unserem Vorgehen denken, unsere Botschaft habe irgendwie etwas mit Fussball oder zumindest mit Unterhaltung zu tun? Und wenn sie dann nach mehr verlangen? Wie bringen wir ihnen in wahrhaft christlicher Gesinnung bei, dass die Unterhaltung nur der Köder war, und dass jetzt der Haken des Evangeliums noch kommen muss? Viele der Kirchen, die nach diesem Muster 'evangelisieren', haben konsequenterweise den 'Haken' weggelassen. Oder sie haben ihn zumindest stark verkleinert oder abgerundet, die scharfen Kanten abgeschliffen.

Der kurze Weltwoche-Artikel zeigt mir, dass die Welt eigentlich noch weiss, was unsere Botschaft wäre, oder was sie zumindest nicht ist. Warum sagen wir sie nicht einfach? Warum versuchen wir nicht, die Welt mit dem zu gewinnen, wofür wir sie gewinnen wollen? Wer Unterhaltung zum Köder für die Evangelisation macht, hat meines Erachtens das Evangelium gar nicht verstanden. Er hält den Köder für attraktiver als das Evangelium. Dabei gibt es gar nichts auf der Welt, das für Sünder attraktiver ist als das Evangelium von Gottes rettender Gnade in Jesus Christus.