Durch die Beschäftigung mit dem Thema Kirche in den Bekenntnissen bin ich herausgefordert, das Verständnis der Kirche in den verschiedenen Bekenntnissen zu vergleichen.
Bei einem Vergleich der beiden grossen reformierten Bekenntnissen, dem Westminster Bekenntnis (1647) und dem 2. Londoner Bekenntnis (Baptisitisches Bekenntnis) von 1689 machte ich eine Entdeckung, die mir - obwohl mir dies vorher faktisch schon bekannt war - zu denken gab.
Die Autoren des 1689er Bekenntnisses haben im Grossen und Ganzen das Westminster Bekenntnis übernommen und lediglich einige Passagen geändert, die sich mit ihrem Taufverständnis nicht deckten.
Dabei ist nun etwas passiert, worüber man wirklich eingehender nachdenken sollte. Die Baptisten haben offensichtlich festgestellt, dass man nicht einfach die Stelle mit der Kindertaufe im Westminster Bekenntnis herausnehmen oder abändern kann und dann ein Baptistisches Bekenntnis hat. Man muss dann auch über die Bedeutung des Bundes nachdenken - was sie getanund deshalb auch das Kapitel über den Bund abgeändert haben - was wiederum dazu führt, dass man sich erklären muss, wie man die Kirche versteht.
Auch hier haben sie dann kräftig umgestellt. Das Resultat ist nicht eigentlich falsch. Die Theologen, die das Westminster Bekenntnis verfasst haben und diejenigen, die es bekennen, würden den Aussagen grundsätzlich auch zustimmen können.
Nur - etwas ganz Entscheidendes ist meines Erachtens fatal herausgekommen: In der Kirche nach dem baptistischen Verständnis fehlen die Kinder!
Die Verfasser beider Bekenntnisse sehen die sichtbare Kirche als die Versammlung derer, die Christus bekennen und ihn anbeten. Aber im Westminster Bekenntnis heisst es "und ihre Kinder" und im Baptistischen: "ohne ihre Kinder". Das steht nicht ausdrücklich so da, sondern die Kinder fehlen einfach.
Viele Baptisten, vielleicht die meisten, würden das nicht ausdrücklich sagen: "meine Kinder gehören nicht zu meiner Gemeinde" - aber implizit sagen sie das.
Zum Glück handeln die meisten Baptisten ebenso inkonsequent. Sie behandeln ihre Kinder nicht als Heiden. Sie behandeln sie ebenso als Mitglieder der sichtbaren Kirche. Aber weil sie dem nicht mit dem Siegel des Neuen Bundes, der Taufe, Ausdruck geben wollen, können sie in ihrem Bekenntnis die Kinder nicht mit in die Kirche einschliessen.
Meine Kinder sind keine Heiden. Ich habe sie von Anfang an im Glauben erzogen und sie angehalten, mit uns Gott anzubeten. Sogar als (damals noch) bekennender Baptist. Darin war ich inkonsequent - mein Bekenntnis und meine Praxis widersprachen sich. Zum Glück!
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Mittwoch, 4. Februar 2009
Dienstag, 19. August 2008
Kindertaufe
Weil das Thema und damit zusammenhängende Fragen kürzlich so interessiert und auch kontrovers aufgenommen/beantwortet wurde, weise ich hier noch einmal auf etwas hin.
Die folgenden Vorträge von Edward Donnelly zum Themenkreis Kindertaufe und ihre bundestheologische Begründung sind erstens sehr allgemein verständlich und zweitens sehr einfühlsam gehalten.
Ted Donnelly erklärt in einer verstehbaren Weise die Zusammenhänge des Alten und Neuen Testaments, geht auch auf 'gegnerische' Positionen ein, ohne polemisch zu werden.
Ich könnte mir vorstellen, dass ich - würde ich nicht schon seine Sicht teilen - nach dem Anhören dieser Vorträge von ihm überzeugt worden wäre.
Die Vorträge sind je etwa 30 Min lang und sollten in der Reihenfolge wie unten aufgeführt gehört werden:
Introduction to Baptism
The Beginnings of Covenant Blessing
Who should receive Baptism?
Children are still included in the Covenant of Grace
Answers to Questions on Infant Babtism
The Promise: ‘For all whom the Lord will call’
.
Die folgenden Vorträge von Edward Donnelly zum Themenkreis Kindertaufe und ihre bundestheologische Begründung sind erstens sehr allgemein verständlich und zweitens sehr einfühlsam gehalten.
Ted Donnelly erklärt in einer verstehbaren Weise die Zusammenhänge des Alten und Neuen Testaments, geht auch auf 'gegnerische' Positionen ein, ohne polemisch zu werden.
Ich könnte mir vorstellen, dass ich - würde ich nicht schon seine Sicht teilen - nach dem Anhören dieser Vorträge von ihm überzeugt worden wäre.
Die Vorträge sind je etwa 30 Min lang und sollten in der Reihenfolge wie unten aufgeführt gehört werden:
Introduction to Baptism
The Beginnings of Covenant Blessing
Who should receive Baptism?
Children are still included in the Covenant of Grace
Answers to Questions on Infant Babtism
The Promise: ‘For all whom the Lord will call’
.
Dienstag, 29. Juli 2008
Bundeszugehörigkeit der Kinder
Im Kommentarteil des letzten Beitrags hat jemand sich zu der Frage der Zugehörigkeit der Kinder gläubiger Eltern zum Bund geäussert. Der Beitrag hatte aber nur indirekt mit diesem Thema zu tun. Deshalb möchte ich nicht im Kommentarteil antworten, sondern einen eigenen Beitrag zu diesem Thema schreiben.
Dies auch deshalb, weil das Thema Bundeszugehörigkeit der Kinder gläubiger Eltern einen grossen Wandel in meiner eigenen Sicht der Kindertaufe bewirkt hat.
Ich hatte viele Jahre dieselbe Position wie der Kommentator ("lelu") eingenommen, dass die Kinder gläubiger Eltern nicht wirklich zum Gnadenbund Gottes mit ihren Eltern dazugehören würden (und dass man sie deshalb auch nicht taufen soll/darf). Ich dachte ebenso, dass sie nicht Bundesglieder seien, weil sie nicht von Geburt an wiedergeborene Christen seien .
Ich teilte auch das Argument, dass jemand, der 'im Bund' sei, nicht daraus herausfallen kann - das heisst, kein 'Bundesbrecher' sein kann.
Ich bin natürlich weiterhin überzeugt, dass jemand, der 'in Christus' ist, nicht 'aus Christus herausfallen' wird, das würde der biblischen Lehre der Perseveranz der Heiligen widersprechen. Wer erwählt und berufen und somit gerettet ist, der ist definitiv gerettet und wird bis zum Ende beharren, weil er von Gott bewahrt wird.
Ich sehe aber, dass die Bibel in Bezug auf die Kinder gläubiger Eltern noch etwas anderes beschreibt. Diese Kinder sind in einer besonderen Beziehung zu Gott. Sie erfahren die Gnade, in den Bund mit eingeschlossen zu sein, sowie die Kinder der Israeliten das auch schon waren. Das heisst nicht, dass sie damit auch definitiv gerettet sind - sowie Paulus auch über die Israeliten von Geburt sagt: "nicht alle, die aus Israel sind, die sind Israel" (Rö 9,6) oder: "Denn nicht der ist ein Jude, der es äußerlich ist, noch ist die äußerliche Beschneidung im Fleisch Beschneidung; sondern der ist ein Jude, der es innerlich ist, und Beschneidung ist die des Herzens" (Rö 2,28f).
Dennoch sind diese Juden oder Israeliten, die nicht am Herzen beschnitten sind - also nicht wirkliche Juden oder Israeliten sind (die wiedergeboren sind), Glieder des Bundes gewesen von Kindheit an. Sie wurden zu Bundesbrechern, indem sie die Bedingungen des Bundes nicht hielten und die Verheissungen des Bundes nicht in Anspruch nahmen.
Genau so ist es mit den neutestamentlichen Bundeskindern. Der Bund der Gnade ist im neuen Testament immer noch derselbe Bund der Gnade. Er ist nicht plötzlich eingeschränkt. Er wird vielmehr erweitert. Die Bundesverheissungen gelten immer noch für "euch und eure Kinder".
Und die Kinder, die in diesem Bund aufgewachsen sind, können tatsächlich den Bund brechen. Davon zeugt besonders eine Stelle im Hebräerbrief, die ich auf andere Weise nie wirklich befriedigend verstehen konnte:
Heb 10:28-29 Hat jemand das Gesetz Moses verworfen, stirbt er ohne Barmherzigkeit auf zwei oder drei Zeugen hin. Wieviel schlimmere Strafe, meint ihr, wird der verdienen, der den Sohn Gottes mit Füßen getreten und das Blut des Bundes, durch das er geheiligt wurde, für gemein erachtet und den Geist der Gnade geschmäht hat ?
Diejenigen, die durch das Blut des Bundes geheiligt wurden, sind solche, die im neuen Bund aufgewachsen sind. Das wird im Text eindeutig in Kontrast zu dem alten Bund gestellt.
Es sind solche, die den Bund verlassen, in den sie durch Zugehörigkeit zu mindestens einem gläubigen Elternteil gestellt waren.
Von eben solchen Kindern schreibt Paulus, dass sie heilig seien (1Kor 7,14).
Dieses "heilig" meint nicht eine moralische Qualität, sondern das abgesondert sein und die Legitimität bezüglich der Bundeszugehörigkeit.
Wer sagt, dass die Kinder seit Christi Tod und Auferstehung plötzlich nicht mehr zum Bund Gottes mit ihren Eltern dazugehören, macht nicht nur eine - biblisch unzulässige - Trennung zwischen alt- und neutestamentlicher Offenbarung des Gnadenbundes, sondern er wird auch viele Probleme mit dem Verständnis der speziellen Verheissungen für die Familien (i.e. Häuser, Eltern und Kinder) haben.
Dies auch deshalb, weil das Thema Bundeszugehörigkeit der Kinder gläubiger Eltern einen grossen Wandel in meiner eigenen Sicht der Kindertaufe bewirkt hat.
Ich hatte viele Jahre dieselbe Position wie der Kommentator ("lelu") eingenommen, dass die Kinder gläubiger Eltern nicht wirklich zum Gnadenbund Gottes mit ihren Eltern dazugehören würden (und dass man sie deshalb auch nicht taufen soll/darf). Ich dachte ebenso, dass sie nicht Bundesglieder seien, weil sie nicht von Geburt an wiedergeborene Christen seien .
Ich teilte auch das Argument, dass jemand, der 'im Bund' sei, nicht daraus herausfallen kann - das heisst, kein 'Bundesbrecher' sein kann.
Ich bin natürlich weiterhin überzeugt, dass jemand, der 'in Christus' ist, nicht 'aus Christus herausfallen' wird, das würde der biblischen Lehre der Perseveranz der Heiligen widersprechen. Wer erwählt und berufen und somit gerettet ist, der ist definitiv gerettet und wird bis zum Ende beharren, weil er von Gott bewahrt wird.
Ich sehe aber, dass die Bibel in Bezug auf die Kinder gläubiger Eltern noch etwas anderes beschreibt. Diese Kinder sind in einer besonderen Beziehung zu Gott. Sie erfahren die Gnade, in den Bund mit eingeschlossen zu sein, sowie die Kinder der Israeliten das auch schon waren. Das heisst nicht, dass sie damit auch definitiv gerettet sind - sowie Paulus auch über die Israeliten von Geburt sagt: "nicht alle, die aus Israel sind, die sind Israel" (Rö 9,6) oder: "Denn nicht der ist ein Jude, der es äußerlich ist, noch ist die äußerliche Beschneidung im Fleisch Beschneidung; sondern der ist ein Jude, der es innerlich ist, und Beschneidung ist die des Herzens" (Rö 2,28f).
Dennoch sind diese Juden oder Israeliten, die nicht am Herzen beschnitten sind - also nicht wirkliche Juden oder Israeliten sind (die wiedergeboren sind), Glieder des Bundes gewesen von Kindheit an. Sie wurden zu Bundesbrechern, indem sie die Bedingungen des Bundes nicht hielten und die Verheissungen des Bundes nicht in Anspruch nahmen.
Genau so ist es mit den neutestamentlichen Bundeskindern. Der Bund der Gnade ist im neuen Testament immer noch derselbe Bund der Gnade. Er ist nicht plötzlich eingeschränkt. Er wird vielmehr erweitert. Die Bundesverheissungen gelten immer noch für "euch und eure Kinder".
Und die Kinder, die in diesem Bund aufgewachsen sind, können tatsächlich den Bund brechen. Davon zeugt besonders eine Stelle im Hebräerbrief, die ich auf andere Weise nie wirklich befriedigend verstehen konnte:
Heb 10:28-29 Hat jemand das Gesetz Moses verworfen, stirbt er ohne Barmherzigkeit auf zwei oder drei Zeugen hin. Wieviel schlimmere Strafe, meint ihr, wird der verdienen, der den Sohn Gottes mit Füßen getreten und das Blut des Bundes, durch das er geheiligt wurde, für gemein erachtet und den Geist der Gnade geschmäht hat ?
Diejenigen, die durch das Blut des Bundes geheiligt wurden, sind solche, die im neuen Bund aufgewachsen sind. Das wird im Text eindeutig in Kontrast zu dem alten Bund gestellt.
Es sind solche, die den Bund verlassen, in den sie durch Zugehörigkeit zu mindestens einem gläubigen Elternteil gestellt waren.
Von eben solchen Kindern schreibt Paulus, dass sie heilig seien (1Kor 7,14).
Dieses "heilig" meint nicht eine moralische Qualität, sondern das abgesondert sein und die Legitimität bezüglich der Bundeszugehörigkeit.
Wer sagt, dass die Kinder seit Christi Tod und Auferstehung plötzlich nicht mehr zum Bund Gottes mit ihren Eltern dazugehören, macht nicht nur eine - biblisch unzulässige - Trennung zwischen alt- und neutestamentlicher Offenbarung des Gnadenbundes, sondern er wird auch viele Probleme mit dem Verständnis der speziellen Verheissungen für die Familien (i.e. Häuser, Eltern und Kinder) haben.
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