Kürzlich empfahl mir ein befreundeter Pastor, den Film 'Bruce Allmighty' zu sehen. Dieser Film zeige gut, dass Gott alles könne - ausser: jemanden dazu bringen, Ihn zu lieben.
Diese Aussage war natürlich (mehr oder weniger bewusst) gegen die reformierte Lehre der 'unwiderstehbaren Gnade' gerichtet. Die Meinung - von der semipelagianischen Sicht geprägt - Gott könne zwar um den Menschen werben, aber dessen Liebe zu Ihm könne Er nicht wecken, das liege allein in der Entscheidung des Menschen.
Abgesehen davon, dass diese Sicht gleich mehreren biblischen Lehren gleichzeitig widerspricht (Allmacht Gottes: Gott wirkt alles, was Er will Jes 46,10, Eph 1,11; Erweckung allein durch Gottes Initiative: Hes 11,19; 36,26f, Jer 31; Erwählung ohne Vorbedingung: Deut 9,5; Tit 3,5; Eph 2, 2Tim 1,9, usw.) wirft sie konkret die Frage auf: Wenn nicht Gott die Liebe zu Ihm in einem Menschen hervorbringen kann, wer kann es dann?
Es gibt nicht viele Alternativen.
Es sollte wohl geglaubt werden, dass es der Mensch selber ist.
Damit er das aber tun kann, muss der Mensch gewissermassen in einer neutralen Position stehen.
Er muss - von Gott darum gebeten, Ihn doch zu lieben - in der Lage sein, auf diese Bitte in freier Wahl zu antworten. Er muss diese Liebe also bereits in sich haben, die er dann auf Gott ausrichten kann.
Das bedeutet, dass trotz Sündenfall und vererbter Sündhaftigkeit ein bestimmter Teil des Menschen unversehrt geblieben sein müsste.
Der Apostel Paulus hätte nicht Recht, wenn er sagt, dass in ihm nichts Gutes wohnt. Es gäbe mindestens doch etwas Gutes, nämlich die Liebe. Die ist irgendwie intakt geblieben. Wow!
Paulus hätte an dieser und an vielen anderen Stellen nur seine Demut mit einer Hyperbel zum Ausdruck gebracht. Er hätte es nicht wirklich so gemeint, wie er es gesagt hat.
Ich könnte lange so weiterfahren. An der Ablehnung der Lehren der Gnade hängt ein fast endloser Rattenschwanz an Verleugnungen und Abschwächungen biblischer Aussagen, so dass wir uns am Ende fragen müssen, ob wir überhaupt ernsthafte Bibelleser sein und gleichzeitig das reformatorische Verständnis des Heils ablehnen können.
Ich denke, wie können es nicht.
Für C. Van Til war es klar, dass 'Verteidigung des Christlichen Glaubens' die Verteidigung des reformierten Glaubens bedeutet. Dazu kann ich nur 'Amen' sagen.
R.C. Sproul brachte es noch etwas stärker auf den Punkt, als er kürzlich eine Gruppe von ca. 100 Zuhörern (Studenten und Gäste) befragte, ob sie glauben, dass Gott alles, was in der Welt passiert, vorher angeordnet hat (Zitat aus dem Westminster Bekenntnis). 70 antworteten mit Ja, 30 mit Nein.
Anschliessend fragte R.C., wie viele unter ihnen Atheisten seien. Keiner meldete sich. Daraufhin meinte er, das sei aber sehr erstaunlich, dass unter denen, die nicht an Gottes Vorsehung glaubten, keiner sich als Atheist bezeichnet.
Ich kann mir die langen Gesichter vorstellen. Aber ich gebe ihm Recht. Niemand, der behauptet, dass er der Bibel glaubt bezüglich ihrer Offenbarung Gottes, kann die Lehren der Allmacht Gottes und die Lehren, die mit Seinem erwählenden Handeln zusammenhängen, einfach verleugnen.