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Donnerstag, 16. April 2009

noch einmal Calvin

Es gibt Zeitgenossen (die Namen sind der Redaktion bekannt), die dem Reformator Johannes Calvin unterstellen, er könne gar kein Christ gewesen sein. Unter Anderem wird als Indiz dafür sein Taufverständnis angeführt.
Wie auch immer... wie schon im letzten Artikel erwähnt, denke ich, dass solche Irrmeinungen nur entstehen können, wenn man keinerlei Kenntnis hat von den Schriften und Aussagen Calvins. Der folgende Auszug aus seinem Testament ist ein grossartiges Zeugnis von Calvins Erkenntnis Gottes:


"Erstlich danke ich Gott, dass er sich nicht nur meiner, seiner armen Kreatur, erbarmt hat, mich aus dem Abgrund der Abgötterei zu ziehen, in dem ich verkommen war, um mich zu der Klarheit seines Evangeliums zu führen und mich der Lehre des Heils teilhaftig zu machen, deren ich ganz unwürdig war, und dass er seine Barmherzigkeit vollendet und mich in allen Vergehungen und Armseligkeiten getragen hat, welche es wohl verdienten, dass ich hundertmal von ihm verworfen würde, sondern auch, was viel mehr ist: Er hat seine Gnade so weit über mich erstreckt, sich von mir und meiner Arbeit dienen zu lassen, um die Wahrheit seines heiligen Evangeliums zu tragen und zu verkünden.

Ich erkläre nun feierlich, dass ich in diesem Glauben, den er mir gegeben hat, leben und sterben will, indem ich keine andere Hoffnung noch Zuversicht habe als zu sei­ner gnädigen Annahme, in der mein ganzes Heil beruht. Ich umfasse die Gnade, die er mir in unserem Herrn Jesus Christus bereitet hat, und nehme das Verdienst seines Todes und Leidens an, damit dadurch alle meine Sünden begraben seien, und ich bit­te ihn demütiglich, mich zu waschen und zu reinigen mit dem Blute dieses großen Erlösers, wie es für alle armen Sünder vergossen worden, damit ich vor seinem An­gesicht erscheinen und sein Bild tragen kann."


Samstag, 4. April 2009

Böser Calvin - Guter Calvin

Johannes Calvin wird oft als der strenge, harte und bittere Despot dargestellt, der in Genf eine tyrannische Herrschaft geführt haben soll. Dieses Bild wird von solchen propagiert, die Calvin kaum kennen, bzw. sich kaum je die Mühe gemacht haben, ihn - z.B. durch Lektüre seiner diversen literarischen Werke - näher kennenzulernen.
Calvin hat sich oft - entweder in Briefen oder bei anderen Gelegenheiten, wo er sich in Bezug auf bestimmte Situationen oder über Drittpersonen äusserte - nicht nur sehr gewählt, sondern auch friedfertig und barmherzig ausgedrückt.

Der folgende Ausschnitt, wo er sich über den Abendmahlsstreit äussert, gibt ein gutes Beispiel davon:

"…Was den Streit angeht, der zu unserer Zeit allzu scharf verhandelt worden ist, so war er eine unglückliche Sache. Denn der Teufel hat ihn zweifellos angestiftet, um den Lauf des Evangeliums zu hindern oder gar ganz zu stoppen. Daher wünschte ich, er möge völlig in Vergessenheit geraten. Auch habe ich keine Lust, lang davon zu reden. Jedoch sehe ich, wie viele zarte Gewissen verwirrt sind, weil sie nicht wissen, auf welche Seite sie sich schlagen sollen. Darum werde ich hier kurz das meines Erachtens Nötige sagen, um ihnen zu zeigen, wie sie sich entscheiden sollen.
Zu allererst bitte ich im Namen Gottes alle Gläubigen, ja nicht allzu sehr Ärgernis daran zu nehmen, dass eine so grosse Meinungsverschiedenheit unter denen entbrannt ist, die doch gleichsam Anführer sein sollten, um die Wahrheit wieder ans Licht zu stellen. Es ist ja nichts Neues, wenn der Herr seinen Dienern eine gewisse Unwissenheit erlaubt, und wenn er es duldet, dass sie miteinander debattieren. Nicht, um sie für immer sich selbst zu überlassen, sondern nur eine Zeit lang, um sie zu demütigen! Und in der Tat, wenn bis jetzt alles nach Wunsch gegangen wäre, ohne jede Misshelligkeit, so hätten sich die Menschen vielleicht verkannt oder es wäre die Gnade Gottes nicht gebührend bekannt geworden. Darum hat der Herr ihnen jeden Grund zum Selbstruhm nehmen wollen, damit ihm allein die Ehre gegeben werde. Ausserdem, wenn wir in Erwägung ziehen, in welch unermesslicher Finsternis sich die Welt befand - damals, als die, die diese Kontroverse ausgelöst haben, uns zur Wahrheit zurückzuführen begannen -, nun, so werden wir uns keineswegs wundern, dass sie nicht gleich von Anfang an alles recht erkannt haben. Vielmehr ist es ein Wunder, dass unser Herr sie in so kurzer Zeit dermassen erleuchtet hat, dass sie aus dem ganzen Kot von Irrtümern, in dem sie so lange gesteckt haben, herauskommen und andere daraus herausziehen konnten. Aber es wird am besten sein, zu erzählen, wie die Dinge gelaufen sind. Denn dann wird uns klar werden, dass man keineswegs so viel Anlass zum Ärgernis an diesem Punkt hat, wie man gemeinhin meint.
Als Luther zu lehren begann, behandelte er den Gegenstand vom Abendmahl in der Weise, dass er hinsichtlich der leiblichen Gegenwart Christi der Meinung zu sein schien, er lasse sie so gelten, wie alle sie damals verstanden. Denn obwohl er die Transsubstantiation verwarf, nannte er doch das Brot den Leib Christi, weil es mit demselben verbunden sei. Mehr noch, er fügte dem Vergleiche zu, die ein bisschen hart und schroff waren. Aber das tat er gezwungenermassen, weil er anders gar nicht seine Absicht erklären konnte. Ist es doch schwierig, eine so erhabene Sache verständlich zu machen, ohne einige unangemessenen Ausdrücke zu verwenden.
Auf der anderen Seite standen Zwingli und Oecolampad auf. Sie sahen den Missbrauch und den Betrug, die der Teufel darüber ausgebreitet hatte mit der Festsetzung einer solchen fleischlichen Gegenwart Christi, wie man sie seit über sechshundert Jahren gelehrt und geglaubt hat. Da meinten sie, man dürfe das nicht mit Stillschweigen übergehen. Umso mehr, weil das zu einer abscheulichen Abgötterei führt, dass Jesus Christus dort angebetet wird als einer, der im Brot eingeschlossen ist. Nun aber war es schwierig, diese seit so langer Zeit in den Herzen der Menschen eingewurzelte Meinung abzulegen. Sie boten darum ihre ganze Intelligenz auf, dagegen anzuschreien und wiesen warnend darauf hin, welch schwerer Fehler es sei, wenn man nicht erkennt, was doch in der Schrift so stark bezeugt ist: die Himmelfahrt Jesu Christi und dies, dass er in seiner Menschheit in den Himmel aufgenommen worden ist und dort bleiben wird bis zu seiner Wiederkunft, um die Welt zu richten. Indes hielten sie sich einfach bei diesem Punkt auf und vergassen zu erklären, welche Art von Gegenwart Jesu Christi wir im Abendmahl glauben und welcher Art von Gemeinschaft seines Leibes und Blutes wir darin teilhaftig werden. Und das in einem Masse, dass Luther meinte, sie wollten nichts als leere Zeichen gelten lassen, ohne deren geistliche >Wirklichkeit<. So begann er, ihnen die Stirn zu bieten, ja, sie als Ketzer zu denunzieren. Nachdem der Streit einmal ausgebrochen war, breitete sich seine Flamme immer mehr aus und tobte so während ungefähr fünfzehn Jahren allzu bitter, ohne dass jemals die Einen die Anderen mit friedfertigem Herzen hätten anhören wollen. Denn wie sehr sie wohl miteinander verhandelt haben, so kam es doch zu einer solchen Entfremdung, dass sie ohne irgendeine Einigung wieder umkehrten. Ja, statt sich einer gewissen Verabredung anzunähern, zogen sie sich mehr und mehr zurück, indem sie nur darauf bedacht waren, ihre eigene Meinung zu verteidigen und die entgegengesetzte zu widerlegen. Wir sehen also, worin Luther auf seiner Seite und worin Oecolampad und Zwingli auf der ihren gefehlt haben. Es wäre von Anfang an die Pflicht Luthers gewesen, in Erinnerung zu bringen, er beabsichtige nicht, eine solche räumliche Gegenwart einzuführen, wie sie die Papisten träumen. Ferner hätte er beteuern sollen, dass er nicht das Sakrament anstelle Gottes angebetet haben wolle. Drittens hätte er sich jener harten und schwer zu fassenden Vergleiche enthalten oder sie doch mit Mässigung gebrauchen sollen, indem er sie so auslegte, dass sie kein Ärgernis erregen konnten. Aber nachdem der Streit erregt war, hat er alles Mass überschritten: sowohl durch die Art, wie er seine Meinung kundtat, als auch dadurch, wie er die Anderen mit der unerbittlichen Schroffheit seiner Ausdrücke tadelte. Denn anstatt sich so zu äussern, dass man seine Meinung annehmen konnte, hat er mit seiner gewohnten Heftigkeit sich zur Bekämpfung seiner Widersacher allerhand übertriebener Ausdrücke bedient. Diese waren für all die sehr schwer erträglich, die ohnehin wenig geneigt waren, seinen Äusserungen zu glauben. Die Anderen haben sich aber Kränkungen geleistet, weil sie sich so eifrig darauf verlegt haben, gegen die abergläubische und eingebildete Ansicht der Papisten zu wettern, die eine räumliche Gegenwart des Leibes Jesu Christi im Abendmahl und folgerichtig dessen verderbliche Anbetung lehren. So dass sie ihre Kraft mehr auf die Zerstörung des Übels verwandten als auf die Erbauung des Guten. Denn wenn sie die Wahrheit auch nicht leugneten, so lehrten sie sie doch nicht so deutlich, wie sie es hätten tun sollen. Ich meine, während sie sich alle grosse Mühe gaben zu behaupten, dass Brot und Wein nur deshalb Leib und Blut Christi genannt werden, weil sie deren Zeichen sind, haben sie nicht darauf geachtet hinzuzufügen, dass sie dergestalt Zeichen sind, dass mit ihnen die >Sache selbst<, die sie bezeugen, verbunden ist. Und so hätten sie beteuern sollen, ihr Anliegen sei keineswegs, die wahre Gemeinschaft zu verdunkeln, die uns der Herr durch dieses Sakrament mit seinem Blut und Leib schenkt. Der gemeinsame Fehler beider Parteien lag darin, dass sie nicht die Geduld hatten, aufeinander zu hören, um dann ohne Leidenschaft der Wahrheit zu folgen, wo sie auch gefunden werde. Trotzdem dürfen wir nicht erlahmen zu bedenken, was unsere Pflicht ist. Wir dürfen nicht vergessen, welche Gnadengaben der Herr ihnen gegeben und welche Wohltaten er uns durch ihre Hand und Vermittlung hat zuteil werden lassen. Denn wenn wir nicht undankbar und blind sind für das, was wir ihnen schulden, werden wir ihnen dies und noch mehr gern verzeihen können, ohne sie zu tadeln und zu verunglimpfen. Kurz, da wir sehen, dass sie sich durch einen heiligen Lebenswandel, durch grosse Gelehrsamkeit und durch besonderen Eifer um die Erbauung der Kirche bemüht haben und, sofern sie noch leben, noch bemühen, dürfen wir darüber stets nur mit Bescheidenheit und Ehrerbietung urteilen und sprechen. Dies umso mehr, als es unserem Gott endlich, nachdem er sie auf diese Weise zur Demut angehalten, gefallen hat, diesem unseligen Streit ein Ziel zu setzen oder ihn doch wenigstens zu beruhigen, bis er völlig entschieden sein wird…."

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Dienstag, 22. April 2008

Together for the Gospel






Zum zweiten Mal fand vom 15.-17. April in Louisville, KY, die "Together for the Gospel" Konferenz statt. Al Mohler, Mark Dever, Lig Duncan und C.J. Mahaney, vier evangelikale Leiter mit einer distinguiert reformiert-theologischen Ausrichtung - zu ihnen gesellten sich R.C. Sproul, John MacArthur, John Piper und Thabiti Anyabwile - sprachen zu über 5'000 Pastoren und Gemeindemitarbeitern über die Kernthemen, die das Evangelium betreffen.

Sämtliche Vorträge waren ein (im Evangeliklalismus ungewohntes) Highlight an geistlichem Gewicht und für alle, die im geistlichen Dienst stehen, eine grosse Ermutigung, dranzubleiben in der unerschütterlichen Betonung des biblischen Evangeliums, der Botschaft vom Kreuz, der stellvertretenden Sühne Christi mit all ihren Implikationen.

Lig Duncan betonte die Wichtigkeit einer Verkündigung, die es nicht scheut, (gesunde) theologische Lehre zu beinhalten.
Al Mohlers Vortrag über die verschiedensten Angriffe auf das Evangelium im Laufe der Geschichte zeigte, wie ernst die Lage tatsächlich ist - wie in jeder Generation das Evangelium neu verteidigt werden musste (und auch heute muss!).
In ähnlicher Weise behandelte Mark Dever diverse aktuelle Abweichungen vom biblischen Evangelium.
C.J. Mahaney verzichtete verdankenswerterweise einmal auf die m.E. überflüssigen Spässe und Zusatzbemerkungen über Football, usw. und glänzte durch geheiligte Ernsthaftigkeit.
Die beiden besten Referate kamen meines Erachtens von zwei der Gastreferenten, nämlich R.C. Sproul und John MacArthur.
R.C. Sproul übertraf sich selbst mit seiner Darbietung über das Thema "The Curse Motive of the Atonement". Obwohl er eigentlich aufgrund gesundheitlicher Beeinträchtigung im Sitzen predigen musste, hatte man den Eindruck, er sei lediglich auf dem Stuhl angebunden worden - sonst wäre er wohl zu sehr abgehoben. 
MacArthur hielt einen der besten und klarsten Vorträge, die ich bisher hörte über die totale Unfähigkeit des Menschen im Bezug auf seine Errettung und die damit zusammenhängende Lehre der Erwählung.
John Piper war feurig wie immer, sein Thema kam jedoch erst in der anschliessenden Diskussion so richtig konkret zum Ausdruck. An diesem Punkt wurde er absolut hilfreich.
Thabiti Anyabwile, ehemaliger eifrig-missionarischer Black Muslim, widmete sein Referat dem Problem des Rassismus und den vereinenden Implikationen des Evangeliums.

Den meisten Referaten folgten Podiums-Diskussionen, die eine unschätzbar hilfreiche Vertiefung und Konkretisierung der Themen brachten. Leider sind diese Diskussionen noch nicht als Audios vorhanden. Aber die Vorträge selbst können hier gehört oder heruntergeladen werden. Sie sind ein "must"!

Ausserdem gibt es eine Art Nachbesprechung der vier Initianten der Konferenz auf Al Mohlers Radio Program

Es wäre wünschenswert, dass Konferenzen solcher Art im deutschsprachigen Raum stattfinden könnten. Erleben wir doch hier einen mindestens so alarmierenden Niedergang und eine Vernachlässigung des biblischen Evangeliums.
Wo sind die deutschsprachigen Mohlers, Devers, Duncans und Mahaneys?

Freitag, 2. November 2007

Gedanken zur Reformation















In diesen Tagen um den Reformationstag taucht oft die Frage auf, was wir denn heute noch der Reformation gedenken sollen, oder warum die Reformation heute wichtig ist.
Ich möchte nicht mehr dazu sagen, als dass ich denke, dass niemand, der Jesus Christus liebt und der die Wahrheit liebt, sagen kann, dass er nicht auch die Reformation liebt.
Denn in diesem grössten der historischen Ereignisse wurde Jesus Christus wieder annähernd die Ehre gegeben, die Er verdient, wurde der Wahrheit der Bibel wieder der Platz gegeben, den sie haben sollte.

Was mich an der Reformation sonst noch begeistert, ist die Stellng und Haltung der Männer, die in dieses Ereignis involviert waren.
Luther, Calvin, Zwingli, Tyndale, Knox und ihre Mitstreiter waren Männer, die bereit waren, nicht nur ihre gute Stellung, ihren Komfort, ihren Besitz, usw., sondern ihr ganzes Leben in den Dienst der Wahrheit zu stellen und es wenn nötig zu verlieren.

In diesen Tagen hiess 'zu seiner Überzeugung stehen' mehr, als wenn wir heute im wohlständigen Westen bestimmte Wahrheiten der Bibel festhalten und dafür nicht das ganze Einverständnis der übrigen Christenheit erhalten.
Wenn Luther schrieb: "Nehmen sie den Leib, Gut, Ehr’, Kind und Weib: Lass fahren dahin...", dann meinte er das wörtlich.

Wenn wir heute das Lied im 'Reformationsgottesdienst' und vielleicht ein weiteres mal im Jahr singen, dann merken wir vielleicht oft nicht einmal, was wir da gerade gesagt haben.

Natürlich meine ich nicht, dass wir heute die Verfolgung suchen sollen, die die Reformatoren erlebt haben.
Was uns aber sicher gut tun wird, ist wenn wir (nicht nur um den Reformationstag) die Geschichten dieser Männer studieren. Wenn wir uns bewusst machen, wie sie gedacht haben, wie und was sie gelehrt haben.
Indem wir neben ihren Leben ihre Werke studieren, werden wir lernen, was es heisst, um die rechte Erkenntnis und die rechte Anbetung Gottes zu ringen.
Wir werden lernen, was es heisst, Erkenntnis Gottes, Christi, des Menschen, der Gemeinde, usw. unabhängig vom Einfluss der Kultur allein in der Schrift zu suchen.

Das würde unserem Christentum, unserem Glaubensleben, unserem Gemeindeleben eine gesunde Erneuerung bescheren. Es würde unserer anthropozentrischen "Spiritualität" einen Stoss versetzen und unsere Liebe zu unserem Herrn und Retter Jesus Christus neu erwecken und stärken.
Damit meine ich nicht das feminisierte, romantische Gesülze, das man heute Liebe zu Jesus nennt und es gegen die Treue zur Biblischen Wahrheit stellt.

(War ich jetzt wieder unfair?)

Donnerstag, 14. Juni 2007

Prophetie und Sola Scriptura

Ich bin kürzlich auf ein Video aufmerksam gemacht worden (keine Ahnung mehr, wo ich das gesehen habe - soviel zur Quellenangabe), das mich an die Relevanz des Prinzips "Sola Scriptura" erinnerte.

Es ging im Zusammenhang um die Frage der Prophetie in der heutigen Zeit.
Was mir beim Zuhören und im weiteren Nachdenken bewusst wurde, ist, dass die Proponenten für prophetisches Reden als neue Offenbarung oder neues Reden Gottes in eine aktuelle Situation durch menschliche Offenbarungsträger das Prinzip "Sola Scriptura" nicht oder mangelhaft beachten.

Sie gehen davon aus (müssen sie, wenn sie mit ihrer Position konsistent sein wollen!), dass Gott auch neben der Schrift spricht.
Sie bekennen damit nicht "Allein die Schrift als Gottes Offenbarungsquelle", sondern "Die Schrift plus menschliche Medien".

Damit sind sie eigentlich in diesem Punkt wieder hinter die Reformation zurück gegangen und haben sich zu den katholischen Mystikern gesellt, die in subjektiven Eindrücken das Reden Gottes sehen.

Wenn wir sagen, dass die Schrift allgenugsam ist für das Reden und Wirken Gottes zu und an den Menschen, dann müssen und dürfen wir keine zusätzlichen Offenbarungen annehmen.
Das einzige prophetische Reden, das noch geduldet werden kann, ist das Reden der Heiligen Schrift des AT und NT und ihre schriftgemässe Auslegung (d.i. Auslegung der Schrift durch die Schrift - also exegetische Verkündigung).

Der einzige Weg, auf dem die Charismatiker diese Position angreifen könnten, wäre der, dass sie plausibel bestreiten, dass das Prinzip "Sola Scriptura" (=Allgenugsamkeit der Schrift) nicht biblisch ist.
Das haben sie meines Wissens bisher noch nicht explizit getan...

Freitag, 20. April 2007

Soli Deo Gloria

Gott allein die Ehre. Einerseits fasst diese Aussage alle andern 'Solas' der Reformation zusammen. Andererseits ist sie der Leitsatz der Reformierten Theologie überhaupt. Das kommt daher, dass sie richtig erkennt, dass alles, was Gott zu tun geplant und auch durchgeführt hat, zu seiner eigenen Ehre geschieht.
z.B. lehrt der Westminster Katechismus, dass der Mensch zu diesem Zweck geschaffen ist (1. Frage: Was ist die höchste Bestimmung des Menschen? Antwort: Gott zu ehren und sich für immer an Ihm zu erfreuen).

Die Heiligen Schriften des Alten und Neuen Testaments sind zu diesem Zweck geschrieben.
Sie sollen Gott und seinen Plan mit der Schöpfung und mit seinem erwählten Volk offenbaren, d.h. zu erkennen geben.
Gott kommt die meiste Ehre zu, wenn Er am meisten der Wirklichkeit entsprechend repräsentiert wird. Die Schrift tut das. Und wer Gott - sein Wesen, sein Wirken - am ehesten der Schrift entsprechend darstellt, macht Ihm die grösste Ehre.

Die Lehre der Rechtfertigung allein aus Gnade, allein durch Christus, allein durch den Glauben stellt Gottes Heilsplan, sein souveränes Wirken am meisten der Wirklichkeit entsprechend dar. Deshalb ist die systematische Darstellung der biblischen Lehre über Gott, den Menschen, die Sünde, die Erlösung, die Gemeinde, wie sie die reformierte Theologie pflegt, diejenige, die Gott am meisten ehrt.

Das mag arrogant klingen. Es enstpricht aber schlicht der Wahrheit.
Die monergistische Sicht von Gottes Wirken repräsentiert den Gott, der "alles nach dem Rat seines Willens wirkt" (Eph 1,11).
Sie macht Gott so gross, wie Er wirklich ist. Man kann Gott - der allmächtig ist - nicht zuviel Macht zuschreiben, nur zu wenig. Auch die anderen systematisch-theologischen Systeme schreiben Gott in der Regel Allmacht zu. Nur die Reformierte ist darin aber so konsequent, dass sie auch ausspricht, in welchen Bereichen diese Allmacht 'greift'.

Die Dordrechter Synode formulierte konkret, wie Gott in seinem ganzen Heilswirken diese Allmacht ausübt. Er erwählt die von der Sünde vollkommen verdorbenen Menschen, die Er will, zum ewigen Heil in Christus. Er rechtfertigt sie durch das stellvertretende Leben und Sterben Christi und beruft sie mit wirksamem Ruf, dem sie nicht widerstehen werden.
Und er bewahrt sie vollkommen in dem Heil, für das Er sie bestimmt hat, obwohl sie von Natur aus alles tun, das sie dieses Heil wieder verlieren liesse, wenn Er es zuliesse.

Geben wir doch Gott soviel wie möglich von der Ehre, die Er verdient, indem wir diese Wahrheiten, die uns die Schrift eindeutig über Ihn offenbart, glauben und lehren.
Und wie gesagt: Wir können Gott gar nicht zuviel Macht zuschreiben. Denk darüber nach, wenn du hörst, wieviel angeblich der Mensch mitzureden haben soll, wie Er sich angeblich gegen Gottes Handeln und Planen stellen können soll...
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Montag, 2. April 2007

Sola Gratia

Das 'Sola Gratia' der Reformation richtet sich zunächst gegen das Gnaden-Verständnis der römischen Kirche. Diese kannte den Begriff der Gnade sehr wohl auch. Auch die Papisten sprachen von der Rechtfertigung aus Gnade. Das tut die römisch-katholische Kirche bis heute.
Der Unterschied liegt in der Betonung auf dem 'Sola', dem allein aus Gnade.

Die Lehre der Reformatoren von der Rechtfertigung allein aus Gnade führte zurück zum biblischen 'Monergismus' gegenüber dem 'Synergismus' der katholischen Sicht.
Monergismus (zusammengesetzt aus 'monos' - allein, einzig - und 'ergon' - Werk) heisst, dass Gott allein das Heil des Menschen bewirkt, und das vom Anfang bis zum Ende. Während Synergismus (syn = mit) meint, dass der Mensch mit Gott zusammenwirkt.

Die römische Theologie spricht dem Menschen die Möglichkeit zu, durch sein frommes Bemühen das Nötige zu der vorlaufenden Gnade Gottes hinzutun zu können. Sie folgen dabei den Lehren des Pelagius, der quasi lehrte, dass der menschliche Wille durch den Sündenfall unversehrt blieb und somit aktiv zur Erlangung des Heils beitragen kann.
Die Reformatorische Rechtfertigungslehre dagegen zeigte, dass der Mensch aufgrund seiner totalen Verdorbenheit eben keinen Rest an 'Gutem' in sich hat, das ihn befähigen könnte, an seiner Rettung oder auch an der Vollendung seines Heils mitzuwirken.

Die Bibel lehrt eindeutig, dass der natürliche Mensch ohne Gottes souverändes Eingreifen weder Einsicht in seinen verlorenen Zustand hat, noch den Wunsch nach Rettung aus demselben, noch die Kraft oder den Willen hat, irgend etwas geistlich Gutes zu vollbringen.
Er ist unter die Sünde versklavt (Joh 8,34), er ist verfinstert am Verstand (Eph 4,18), er ist geistlich tot (Eph 2,1). Er kann nichts wollen und nichts tun, das ihn in Gottes Nähe bringen würde.

Sola Gratia heisst: Es ist Gottes gnädige Initiative von Anfang an, dass ein Mensch zum Glauben an Christus kommen und in diesem Heil bis zum Ende bleiben kann. Gott erwählte die Seinen vor Erschaffung der Welt und beruft sie wirksam in einem bestimmten Moment in ihrem Leben (Eph 1,4; 1,11; Rö 8,28-30). Diejenigen, die Er so gerettet hat, die hat Er vollkommen gerettet. Das heisst, nicht nur so, dass sie wieder aus diesem Status herausfallen könnten.
Wenn das Bleiben im Heil nur zu einem kleinsten Teil am Menschen liegen würde, könnte niemand definitiv gerettet sein und bleiben. Das menschliche Vermögen, die menschliche Kraft reicht niemals dazu. Es ist allein Gottes Gnade, die jeden einzelnen an jedem Tag seines Christenlebens bewahrt (Joh 10,27-29).

Die römisch-katholische Theologie von heute und der evangelikale Arminianismus von heute sind sich darin einig, der Reformatorischen Theologie vor allem in diesem Punkt - Sola Gratia - zu widersprechen.
Leider sind die Evangelikalen hier schon längst wieder vom katholischen Synergismus eingeholt worden, ohne es so richtig zu merken. Deshalb scheint zum Einen heute auch vielerorts eine Zusammenarbeit vielen völlig unbedenklich zu sein. Im Dialog mit Römisch-Katholischen erkennen sie den Unterschied nicht zwischen der römischen und der reformierten Sicht von Gnade. Weil sie nicht verstehen, wie wichtig das Wörtlein 'Sola' ist.
Zum Anderen hat diese mangelnde Unterscheidung bei vielen konservativen Evangelikalen, die nie mit Katholiken zusammenarbeiten würden, dennoch eine der römisch-katholischen Sichtweise ähnliche Gesetzlichkeit bewirkt.

'Sola Gratia' wirklich zu verstehen, würde nicht nur eine klare Unterscheidung von dem häretischen römischen System und seiner falschen Lehre über Rechtfertigung und Heiligung bringen, sondern auch vielen Evangelikalen helfen, ihren Glauben in wahrer Christlicher Freiheit zur Ehre Gottes zu leben.
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Samstag, 17. März 2007

Sola Fide

Allein der Glaube. Dieser Punkt ist eigentlich derjenige, der die Reformation 'ins Rollen' gebracht hat. Luther gelang es, anhand der Bibel eine grosse Anzahl seiner Studenten und Leser zu überzeugen, dass die römische Ablass-Lehre und damit das ganze Rechtfertigungsverständnis, das besagt, der Mensch trage mit seinen frommen Werken etwas zu seiner Rettung bei, falsch ist,

Sola Fide besagt, dass der Mensch allein durch das Vertrauen auf Christus und sein Erlösungswerk gerechtfertigt wird. Der Biblische Begriff 'Glauben' bedeutet, dass man sich auf etwas verlässt, abstützt.
Glauben, um gerechtfertigt zu werden, heisst, sich auf das zu verlassen, was Gott getan hat und wovon Er in seinem Wort verspricht, dass er es zu unserer vollkommenen Rettung verwendet.

Da 'Allein der Glaube' bedeutet, dass man sich zu seiner Rechtfertigung auf Christus verlässt, ist es unumgehbar, auch den Begriff 'Rechtfertigung' zu klären. Also, was bedeutet nach der Heiligen Schrift Rechtfertigung?

Gott ist gerecht und fordert Gerechtigkeit
Die Grundwahrheit, von der wir ausgehen müssen, ist Gottes absolute Gerechtigkeit und seine Forderung nach Gerechtigkeit bei jedem Menschen.
Wir sind von Gott geschaffen, damit wir als Geschöpfe sein Wesen, seine Heiligkeit widerspiegeln. Dazu ist es notwendig, dass wir ebenso wie Er heilig sind.
Was Gott im Gesetz zu den Israeliten sagt, gilt ursprünglich für alle Menschen:
Seid heilig, denn ich bin heilig (Lev 20,26)

Es ist von daher unmöglich, dass irgendjemand mit Gott Gemeinschaft haben kann, der nicht vollkommen heilig (gerecht) ist. Nur wer gerecht ist, kann in der Nähe Gottes bestehen.

Wir sind ungerecht
Das Problem des Menschen ist, dass keiner diese Gerechtigkeit hat. Durch die Sünde des ersten Menschen, Adam, ist die Ungerechtigkeit zu allen Menschen durchgedrungen (Rö 5,12) und niemand erfüllt mehr die Forderung Gottes nach Gerechtigkeit (als Illustration dazu siehe v.a. die ersten drei Kapitel des Römerbriefes, insbesondere Rö 3,12). Der Mensch ist der Ungerechtigkeit ausgeliefert und er kennt keinen Weg, wie er wieder gerecht werden könnte.

Diese Wahrheit ist, oberflächlich betrachtet, soweit bekannt. Aber dennoch wird die totale Verdorbenheit des Menschen oft nicht deutlich genug betont.
Es soll nicht darum gehen, dass wir das Schlechte und das Böse möglichst hervorheben, um die Menschen schlechter zu machen, als sie sind.
Es ist tatsächlich so, dass die meisten Menschen, auch Christen, besser vom Menschen denken, als er ist. Man will das 'Gute im Menschen' doch auch sehen.
Man spricht vom suchenden Menschen, der das Gute will. Jeder habe doch eine grundsätzlich gute Anlage in sich, die Gott in ihn hinein gelegt hat.

Man möchte wohl Gottes Liebe zu allen Menschen betonen und sie auch nachleben. Dabei kommt man zu der falschen Annahme, dass man, um zu lieben, etwas Liebenswertes im Andern braucht. Nach dem Motto: der Mensch verdient es, geliebt zu werden.

Diese Denkweise ist durch humanistisches Gedankengut, vielfach auf dem Weg über Erzieher und Lebensberater, z.B. sogenannte christliche Psychologen, die eine weltlich-humanistische Ausbildung genossen haben, in die Gemeinde hineingekommen.

Die Bibel kennt diese Gedanken nicht. Nach ihrem Zeugnis ist der Mensch vollkommen verdorben und all 'seine Gerechtigkeit' ist nichts als lauter schmutzige Lumpen.
Wie aber können wir denn nun trotzdem vom Biblischen Zeugnis der Liebe Gottes zu den Menschen sprechen? Wie kann es geschehen, dass der gerechte Gott nicht trotzdem alle Menschen verwirft?

Christus wird Stellvertreter
Das biblische Konzept der Stellvertretung hilft uns, diese Frage zu beantworten.
Der Sohn Gottes, so sagt uns der Apostel Paulus, wurde von Gott für uns zur Sünde gemacht, damit wir Gottes Gerechtigkeit würden in ihm (2Kor 5,21).
Die Stellvertretung Jesu Christi umfasst zwei Aspekte: Christus lebte ein vollkommen gerechtes Menschenleben und Er wurde für unsere Ungerechtigkeit bestraft.

Sein Leben auf dieser Erde ist das einzige Menschenleben, das jemals in Gottes Augen gut – gerecht – war. Der Herr Jesus erfüllte die von Gott geforderte Gerechtigkeit vollkommen. Er hat weder in Gedanken, noch in Worten oder Taten jemals gesündigt.

Nur deshalb konnte Er auch den zweiten Aspekt erfüllten; Er wurde ein vollkommenes Opfer für unsere Sünde. Erst Er konnte erfüllen, was durch Tieropfer niemals vollbracht werden konnte, nämlich Sünde austilgen (Heb 10,4f).

Christus macht gerecht
Auf diese Weise hat nun Christus uns – seinem Volk – die geforderte vollkommene Gerechtigkeit erworben. Gott hat sich ein Volk erwählt und Christus hat es durch sein Leben und seinen Kreuzestod erworben (Tit 2,14; 1Pet 2,9; Eph 5,25-27).
Damit ist gesagt, dass nichts auf der Seite des Menschen getan werden konnte, um ihn in die rechte Stellung vor Gott zu bringen, sondern Gott allein ist der Initiant unseres Heils, in jeder Hinsicht.
Es ist der rechtfertigende Gott, der uns durch Christus gerecht macht. Dabei müssen wir festhalten, dass wir eigentlich nicht von einem 'gerecht machen', sondern von einem 'gerecht sprechen' reden müssen.
Gerechtfertigt zu werden, heisst nicht, dass man danach gerecht 'ist', sondern, dass man als gerecht 'erklärt wird.

Der Begriff 'Rechtfertigung' in der Bibel stammt aus der Sprache der Justiz. Er bedeutet soviel wie ein Freispruch. Der Richter erklärt, dass der Angeklagte von seiner Schuld freigesprochen ist. Normalerweise sollte das natürlich nur geschehen, wenn der Angeklagte tatsächlich unschuldig ist. In unserem Fall ist es aber nicht so; wir sind eindeutig schuldig, werden aber freigesprochen. Warum kann das sein? Verzichtet Gott auf seine Gerechtigkeit?

Nein! Sondern Er rechnet uns die Gerechtigkeit seines Sohnes an. Weil Er alle Gerechtigkeit erfüllt hat und gleichzeitig unsere Schuld gesühnt hat, kann das geschehen.
Wir werden niemals eine eigene Gerechtigkeit haben, auf Grund der uns Gott annehmen kann, sondern es ist eine fremde Gerechtigkeit, die uns zugesprochen, angerechnet wird.
Und zwar wird uns die Gerechtigkeit Christi in dem Moment angerechnet, wo wir – weil wir unsere eigene Ungerechtigkeit erkennen – auf das Werk Christi für uns vertrauen (Rö 4,5).

Die Lehre der Rechtfertigung kann nicht isoliert betrachtet werden
Wenn wir die Rechtfertigungslehre der Bibel verstehen, dann werden wir immer deutlicher erkennen, dass diese nicht eine Sache für sich ist. Sie kann nicht isoliert betrachtet werden. Obwohl wir ganz deutlich zwischen den beiden trennen müssen, ist es dennoch wichtig zu sehen, dass die Rechtfertigung ganz eng mit der Heiligung zusammenhängt.
Wir sind gerechtfertigt, damit wir von da an nach Gottes Willen leben können.

Die Rechtfertigungslehre hängt auch mit der Lehre von der Erwählung zusammen.
Gott hat sich ein Volk erwählt, für das Christus der Stellvertreter geworden ist, indem Er für es gelebt hat und gestorben ist und auch jetzt für es lebt.
Dann hängt die Lehre der Rechtfertigung auch mit derjenigen von der Sicherheit unseres Heils zusammen. Derjenige, der gerecht gesprochen ist, für den Christus am Kreuz gestorben ist, wird nicht mehr für seine Sünde zur Rechenschaft gezogen werden.
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Freitag, 2. März 2007

Solus Christus

Christus allein rettet von der Sünde und der gerechten Strafe Gottes. Es hilft kein menschliches Zutun, noch ist solches von Gott gefordert, resp. erlaubt.

Die Person Jesus Christus kann als die Notwendigkeit hinter den Formulierungen sola gratia und sola fide bezeichnet werden. 'Allein der Glaube' bedeutet allein der Glaube an Christus, 'allein die Gnade' meint die Gnade Gottes, die uns allein in Christus gewährt wird.
Weiter könnten wir noch sagen, dass auch der Begriff 'allein die Schrift' aussagt, dass die Heilige Schrift uns im Endeffekt nichts anderes als Christus als den einzigen Heilsweg offenbart, und dass auch nur das, was in Christus geglaubt, gedacht und getan wird, Gott Ehre macht (soli Deo gloria).

Der Terminus 'Solus Christus' ist in der Abgrenzung der Lehre der römischen Kirche formuliert worden. Die römische Kirche lehrte und tut das bis heute, dass das Opfer Christi nicht genügt, um das Heil vollkommen zu bewirken, sondern durch seinen Tod am Kreuz wird das Heil lediglich zugänglich gemacht.
Der Mensch, der das Heil begehrt, vollendet es im Prinzip selber, indem er die dazu notwendigen religiösen Riten der Kirche einhält und dazu gute Werke tut, die ihm angerechnet werden. Was dann noch zuwenig ist, kann ihm aus dem grossen Pool der überschüssigen guten Werke der Heiliggesprochenen zugesprochen werden, wenn er entsprechend sich um Ablass bemüht.

Nicht nur die römische Kirche bestritt die Lehre, dass Christus allein der Anfänger und Vollender unseres Heils ist. Sie hatte viele Nachfolger darin, die bis in die heutige Zeit selbst im evangelikalen Sektor einen grossen Einfluss haben.
Sie sogenannte synergistische Sicht vom Heil ist sogar die am weitesten Verbreitete. Es ist die Sicht, dass Christus zwar das Heil möglich gemacht hat, dass aber der Mensch 'seinen' Glauben hinzufügt und sich durch gute Werke die Bewahrung seines Glaubens selbst bewirkt.

Die meisten Evangelikalen lehnen das reformierte Verständnis ab, dass Christus wirklich das ganze Heil durch sein Leben und Sterben bewirkt hat - es eben nicht nur ermöglicht hat, sondern tatsächlich vollbracht hat, so dass derjenige, für den Er stellvertretend gestorben ist, wirklich zum Glauben kommt, weil sein Widerstand durch den Heiligen Geist überwunden wird und ihm der nötige Glaube geschenkt wird, und dass Er auch im Glauben bleibt, weil das Werk Christi auch die Vollendung der Heiligung garantiert.

'Solus Christus' beinhaltet aber, dass eben diese Tatsachen anerkannt werden und dass nichts von menschlicher Seite hinzugefügt wird, das unsere Rettung begünstigen oder sichern könnte.
Es bedeutet auch, dass wir auf jede Form von Frömmigkeit oder Kirchenordnung verzichten, wenn sie uns als etwas präsentiert werden, das notwendig zu unserer Rettung und Bewahrung beachtet werden muss.
Solches müsste als 'Gerechtigkeit nach dem Gesetz' denunziert werden und gehört letztlich in die Kategorie der Dinge, die uns von Christus trennen.

Gal 5,4
Ihr seid von Christus abgetrennt, die ihr im Gesetz gerechtfertigt werden wollt; ihr seid aus der Gnade gefallen.
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Freitag, 2. Februar 2007

Sola Scriptura

Die Bibel ist nicht mehr wirklich einzige Quelle und alleiniger Massstab für den Glauben, das Denken und Leben der Christen.
Die Reformation im 16. Jh. hat bewirkt, dass der 'Fluss' der christlichen Theologie von den allermeisten Verunreinigungen und von unnützem Treibgut gereinigt wurde.
In den Jahrhunderten danach bis heute - am stärksten wohl im 19. und 20. Jh. ist laufend und zunehmend wieder eine Menge an Gift und schädlichem Material hinzugeflossen. Das Christliche Gedankengut ist vermischt mit allerlei menschlichen Philosophien, liberaler Theologie, Humanismus, Psychologie, Feminismus, usw.

Die Bedeutung der Bibel für das ganze Christenleben, für die Theologie und die Gemeinde ist fast unmerklich herabgestuft worden. Das Wort Gottes wird meistesn nur noch gebraucht für die Erbauung der frommen Gefühle einer desorientierten Christenheit.

Probleme im persönlichen Leben und in Beziehungen in der Gemeinde werden versucht, mithilfe humanistisch-psychologischer Lehren zu lösen.
Probleme in Leitungsfragen der Gemeinde werden nach vermeintlichen 'Erkenntnissen' aus Politik, Management und Business angegangen.
In Mission und Evangelisation wird nach Marketing-Strategien gearbeitet.
Zusammengefasst könnte man sagen, dass man nach Mitteln und Lösungen sucht, die schnell funktionieren sollen.

Entgegen dem Genannten ist das Wort Gottes in all diesen Bereichen eher sehr langsam wirksam. Das bringt in unserer immer schnelllebigeren Welt gewisse Nachteile. Wir können es heute fast nicht mehr aushalten, wenn wir nicht innert kurzer Frist die Resultate unserer Bemühungen sehen können.
Was wir aber dabei so oft vergessen ist, dass das Wort Gottes genau die Resultate in genau der Zeit bringt, wie es Gott haben will.

Als Gemeinde Gottes, als sein Volk, sollten wir nicht nach Lösungen suchen, die uns und unsere Komfortgelüste, unser Gefühlsleben und unsere Vorstellungen von Effizienz befriedigen.
Daran ist Gott wahrscheinlich gar nicht interessiert.
Gott sucht seine Ehre, die offenbart wird, indem Er durch sein - selbstwirksames - Wort wirkt. Und diese Ehre sollten wir auch suchen. Überall, in unserem eigenen Leben, in unseren Gedanken, Empfindungen, Beziehungen, im Gemeindeleben, in der Welt.

Dieses Wort Gottes muss wieder normativ und formativ (das heisst: Mass-gebend - es ist die Norm für alles, was wir tun, und formend - es prägt das Wesen von allem, was wir tun) werden.
Ich glaube, der Grund dafür, dass die Schrift im Christenleben so an Bedeutung verloren hat, ist der mangelnde Glaube an ihre Kraft.

Wir glauben einfach mehr an unser eigenes Können und unsere eigene Klugheit als an Gottes lebenschaffendes und lebensveränderndes Wort.
Sich an den Grundsatz 'Sola Scriptura' zu halten, würde heissen, von allen menschlichen Bemühungen in sämtlichen Bereichen des Christenlebens abzulassen und allein auf diese Kraft des Wortes Gottes zu vertrauen.

Das fängt an mit dem Bekenntnis zur absoluten Autorität und Unfehlbarkeit der Schrift für jeden Lebensbereich. Aber beim Bekenntnis dürfen wir nicht stehenbleiben. Dem Bekenntnis muss das Wagnis folgen, sich uneingeschränkt und ohne Rückhalt auf die Anweisungen und Versprechen der Heiligen Schrift einzulassen. Ganz egal, ob die menschliche Vernunft, die politische Korrektheit oder irgend eine andere alte oder populäre Philosophie dem zustimmt.

Wenn wir wirklich an die uneingeschränkte Autorität und Kraft des Wortes Gottes glauben, dann können wir ganz getrost und unbeeindruckt vom ängstlich-pragmatischen Betrieb um uns herum eine Missions- und Evangelisationsarbeit ohne Hilfe von Marketigstrategien pflegen und glauben, dass das Reich Gottes wächst, indem wir einfach bezeugen, was Gottes Wort in unserem Leben bewirkt.

Diese Wirkung des Wortes allein können wir erleben, wenn wir Seelsorge und Lebensberatung machen, ohne die Ideen aus der humanistisch-psychologischen Beratung miteinzubauen, weil wir überzeugt sind, dass seelische Gesundheit heisst, dass bei einem Menschen die Frucht des Heiligen Geistes wächst. Diese wirkt der Geist ja durch das Wort.

Die Ausrichtung an der Heiligen Schrift allein würde in unseren Gemeinden auch bewirken, dass wir männliche Gemeindeleitungen haben. Auch wenn das allem entgegensteht, was in der Welt an Führungsstilen praktiziert wird.
Gott hat beschlossen, seine Gemeinde durch Männer zu führen, die Er dazu beruft. Wir brauchen uns nicht zu fragen, welche femininen Anteile dann vielleicht fehlen oder zu kurz kommen. Wenn Gottes Wort uns seinen Willen so offenbart, dann ist es so am besten für die Gemeinde.

Ich könnte unendlich weiterfahren. Es läuft immer auf dasselbe hinaus: Glauben wir wirklich, dass das Wort Gottes, die Heilige Schrift des Alten und Neuen Testaments, alles wirkt und alles verändert, was Gott wirken und verändern will?
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Freitag, 19. Januar 2007

Brauchen wir eine Theologie von Gestern?

Manchmal, wenn ich mit Leuten spreche und betone, dass ich denke, wir sollten in der Theologie zurückschauen auf die Reformatoren und uns ihre theologischen, hermeneutischen und exegetischen Grundsätze wieder zu eigen machen, werde ich entweder miss- oder nicht verstanden.

"Wir müssen doch nach vorne sehen. Wir können doch nicht in der Vergangenheit leben. Wir können doch nicht die Zustände zurück haben wollen, die am Ende des Mittelalters herrschten. Wir können doch nicht wollen, dass Andersgläubige gehenkt, ersäuft oder auf dem Scheiterhaufen verbrannt werden."

Natürlich, das denke ich auch. Sicher will ich nicht die rauen Zustände aus dieser Zeit zurückhaben. Einmal abgesehen davon, dass diese rauen Sitten auch eine Ernsthaftigkeit in religiösen Fragen und eine grundsätzliche Ehrfurcht vor dem Göttlichen und dem Ringen um die Wahrheit widerspiegeln - was uns heute weitgehend fehlt.

Wovon ich aber denke, dass wir es unbedingt zurück haben wollen müssten, ist eben das Verständnis der Reformatoren von theologischer Arbeit.
Die Reformatoren haben die ganze christliche Theologie und Spiritualität erneuert, indem sie in allen Bereichen der Lehre und des Lebens neu fragten (fragen mussten!): "Was sagt die Heilige Schrift dazu?"

Indem sie so fragten, halfen sie nicht nur, das christliche Denken vom Unrat der römischen Häresie zu befreien, sondern es wieder neu (vielleicht sogar wie noch nie) auf Biblischen Boden zu stellen.
In den vergangenen Jahrzehnten bis Jahrhunderten wurde jedoch wieder soviel Unbiblisches in diesen klaren Fluss hineingeschwemmt, dass wir heute wieder soweit sind wie vor der Reformation. Ich meine theologisch. In den äusseren Dingen des Lebens sind wir - zumindest in der westlichen Hemisphäre - sehr zivilisiert. Was uns in traurigem Masse über unseren geistlichen Zustand täuscht.

Also: Wir brauchen tatsächlich eine Theologie von Gestern. Aber wo fangen wir an?
Ich denke, dass es ein guter Start sein kann, wenn wir uns auf die fünf 'sola' besinnen, die die Reformation hervorgebracht hat. Diese fünf Grundsätze machen - so könnte man sagen - den Kern reformatorischer Theologie aus.

In den folgenden Artikeln werde ich mich deshalb mit den 5 'sola' befassen. Ich will versuchen zu zeigen, was sie in der heutigen Landschaft verändern könnten, wenn sie wieder geglaubt und ernstgenommen würden.

Zuerst eine kurze Beschreibung dieser Grundsätze. Die fünf 'sola' sind:

Sola Scriptura, d.h. allein die Schrift. es geht darum, dass allein die Heilige Schrift, Altes und Neues Testament, Grundlage für die Erkenntnis Gottes, seines Heilsplans und seines Willens ist.

Solus Christus bedeutet allein Christus. Gemeint ist, dass Christus allein von der Sünde und der gerechten Strafe Gottes rettet, dass kein menschliches Zutun weder etwas hilft, noch von Gott gefordert, resp. erlaubt ist.

Sola Fide heisst allein der Glaube. Es gibt keinen anderen Weg, am Heil in Christus Anteil zu haben als durch das Vertrauen auf das Erlösungswerk Christi und damit auf das, was Gott tut. Auf hier ist menschliches Mitwirken weder gefordert noch erlaubt.

Sola Gratia, allein die Gnade meint, dass der Mensch einzig durch das Hoffen auf und Annehmen der Göttlichen Gnade das Heil erfahren kann. Hier wieder: kein Synergismus, kein Zusammenwirken von Gott und Mensch in der Rechtfertigung des Sünders.

Last but not least: Soli Deo Gloria; allein Gott die Ehre.
Gott allein ist der Urheber und Vollender und seine Ehre das Ziel seines Heilsplanes. Weil der Mensch nichts dazu tun kann, hat er auch keinen Anspruch auf Ehre (nach der der Sünder jedoch fortwährend strebt und damit Gott bestiehlt).

Fortsetzung folgt...
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