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Mittwoch, 24. Oktober 2012

Der Ast, auf dem wir sitzen...

Seit vielen Jahren ist in der evangelikalen Christenheit ein Trend am wachsen. Es gibt eine zunehmende Abneigung gegenüber dem Studium und der Verinnerlichung biblischer Lehre zugunsten von einem vermeintlich mehr praktischen Christenleben.
Immer wieder höre ich Christen, sogar Pastoren, sagen: "Was wir brauchen ist nicht so viel Lehre, sondern mehr praktisch gelebtes Christsein."

Die Haltung kommt zum Beispiel zum Ausdruck, wo Predigten verlangt oder gehalten werden, die weniger Erklärung des Biblischen Textes, seiner Bedeutung und seines Zusammenhangs enthalten und stattdessen eine Aneinanderreihung von Erlebnissen und Geschichten sind.
Hausbibelkreise sind ebenfalls meist nur Austauschrunden, in denen man seine persönlichen Erfahrungen zum Besten gibt.
Wir finden denselben Trend auch, wenn wir in Christliche Buchkataloge oder Buchhandlungen schauen: es gibt da kaum mehr Bücher über Themen wie z.B. Rechtfertigung, Heilssicherheit, Dreieinigkeit, Sünde, usw. oder Auslegungen biblischer Bücher. Stattdessen wimmelt es von Ratgebern für alle möglichen Bereiche des alltäglichen Lebens wie z.B. Umgang mit Geld, Eltern mit schwierigen Kindern, Management, Gesprächsführung, Mitarbeiterführung, usw. all dies mit dem Anspruch, aus Christlicher Perspektive zu sein.

Das Stichwort ist  "praxisorientiert". Lehre wird als anstrengend und für das tägliche Leben als Christ irrelevant angesehen, praktische Ratgeber dagegen als lebensnah und hilfreich.

Wenn wir diesen Trend kritisieren, darf es natürlich nicht darum gehen, gegen ein gut und richtig praktiziertes Christenleben zu reden.
Wir könnten genauso gut den Fehler machen, dass wir zu verstehen geben, man müsste nur die richtige Lehre im Kopf haben, es sei dabei egal, wie man praktisch lebt.
Die Bibel gibt uns klar zu verstehen, dass ohne Heiligung niemand den Herrn sehen wird. Das Streben nach einem guten, vom Heiligen Geist geprägten und geführten Christenleben ist unverzichtbar.

Worum es mir geht, ist zu zeigen, dass wir das eine nicht ohne das andere haben können.
Mit anderen Worten: es gibt kein praktisches (gutes, richtiges) Christenleben ohne eine gründliche Lehrgrundlage.
Wer sogenannt "praktisches Christsein" gegen eine Betonung und Pflege der Lehre ausspielt, sägt an dem Ast, auf dem er sitzt. Und er ist etwas kurzsichtig in seinen Aussagen, er widerspricht seiner eigenen Lebenshaltung.

Niemand, der einen Arzt aufsucht, möchte, dass der Arzt in der Weise praxisorientiert ist, dass er nicht viel von der Lehre der Medizin hält. Im Gegenteil, je besser dieser sein Fach studiert hat, desto besser kann er helfen. Ich bin froh, wenn ich mit Schmerzen in der Nierengegend zum Arzt gehe, wenn dieser nicht einfach mal ein Skalpell nimmt, mich aufschneidet und nachsieht, was er da finden kann. Ich wäre froh, wenn er ein möglichst breites Wissen über die Funktionen und Krankheiten des menschlichen Körpers hat, das er ständig erweitert, indem er sich in seinem Fach weiterbildet – also seiner praktischen Arbeit viel Lehre zugrunde legt.
Niemand, der Auto zum Mechaniker bringt, will, dass dieser einfach daran rumschraubt, ohne ein gutes Fachwissen zu haben, das er ebenfalls ständig pflegt. Ich wähle mit Vorzug einen Mechaniker, der so gut gelehrt ist, dass er mir auch noch erklären kann, wie gewisse Teile meines Autos funktionieren und wie ich damit fahren kann, dass mein Auto optimal läuft und lange hält.

Jeder Beruf und jeder Lebensbereich 'funktioniert' nach bestimmten Gesetzen oder theoretischen Grundlagen. Man kann überhaupt nur gut sein im Leben oder im Beruf, wenn man diese Grundlagen, bzw. Gesetze, gut kennt und sie in der Praxis berücksichtigt.

Das ist im Christenleben besonders wichtig. Wo es beim Auto nur um materielle Teile geht, die kaputt gehen können, und wo es in der Medizin 'nur' um den Körper geht, der Schaden nehmen kann, geht es in der Theologie, in der Christlichen Lehre, um das ewige Leben.
Wenn sich hier Fehler einschleichen, hat das ewige Konsequenzen.
Deshalb sind der Herr Jesus und die Apostel so bemüht, uns die richtige Lehre zu bringen, sie von der falschen zu unterscheiden.

Jesus selbst hat sehr viel gelehrt. Er hatte nicht nur mit den Schriftgelehrten lange Diskurse, sondern hat auch seine Jünger darin geschult, ihre Bibel zu verstehen, sie richtig auszulegen und falsche Lehre zu verurteilen.
Die Apostel haben dieses Beispiel übernommen. Ihre Briefe bestehen zum grössten Teil aus Lehrgrundlagen. Sicher, sie enthalten viele praktische Anweisungen. Aber die meisten ihrer Briefe beginnen mit grundsätzlichen Belehrungen über Gott, den Menschen, die Sünde, Christus, und erst dann kommen die daraus folgenden Anleitungen zur Umsetzung des Gelernten.

In der gleichen Weise muss unser Christenleben gelebt werden.
Wir werden Christen, indem wir gelehrt werden: Wer Gott ist, wer wir als Mensch sind, warum wir Christus nötig haben, was er für und getan hat und tut, wie wir in seine Gemeinschaft kommen und darin bleiben können, usw. dann versuchen wir, als Christen Gottes Willen gemäss zu leben. Wir machen Fehler, verstehen Dinge falsch, fallen in Sünde oder verzweifeln an unseren Unzulänglichkeiten. Was tun wir dann?
Wir gehen zurück zur Lehre und versuchen, sie noch besser zu verstehen. Nur das wird uns schliesslich helfen, besser praktisch zu leben.

Lehre ist nicht nur die Theorie über christliche Dinge im Kopf, sondern sie ist auch Nahrung für den Geist. Sie stärkt uns und macht uns fit für das Leben.
Die gute Lehre ist der Nährboden, aus dem unser geistliches Leben genährt wird. Falsche Lehre ist wie Gift, das dem Leben schadet.
Ein guter Baum bringt gute Frucht. Aber ein guter Baum, der in einem schlechten oder verseuchten Boden steht, wird nicht nur keine gute Frucht bringen (sprich gutes, praktisches Christenleben), sondern wird eingehen und sterben.

Wenn wir diese Dinge bedenken, müssen wir da nicht einsehen, dass wir uns eigentlich gar nicht zu viel mit der Lehre beschäftigen können?
Schliesslich müssten die Leute, die "praktisches Christenleben" gegen fleissiges Studium der Lehre biblischer Themen ausspielen wollen, zugeben, dass sie damit auch etwas lehren.
Sie lehren falsch. Sie behaupten eigentlich, man müsse nicht den ganzen Ratschluss Gottes kennen, um nach Gottes Willen zu leben.
Damit bereiten sie den Boden für Lehren von Menschen, die nicht Christus entsprechen. Sprich: Irrlehre.
Wenn uns das bewusst wird, dann werden wir erkennen, dass kein Weg daran vorbei führt, dass wir uns als (normale) Christen fleissig und regelmässig mit Lehre beschäftigen müssen. Wir werden dann immer mehr erkennen und wissen, was wir glauben und warum wir es glauben. Das wird zu einem guten und richtigen praktischen Christenleben führen.


Samstag, 8. August 2009

Wer hat's gesagt?

Das folgende Zitat würden wohl alle, die Calvin's Kommentare etwas kennen oder sie benutzen, kräftig bejahen. Erstaunlich ist es erst, wenn man bedenkt, wer es gesagt hat:

"Nach der Heiligen Schrift empfehle ich den Studenten, die Kommentare von Johannes Calvin zu lesen … Ich sage ihnen, dass er unvergleichlich ist in der Interpretation der Schrift und dass seine Kommentare in grösserer Wertschätzung gehalten werden sollen, als alles, was uns in den Schriften der alten christlichen Vätern überliefert ist…."

Wer sagte das?
Antworten bitte im Kommentarteil
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Montag, 12. Mai 2008

Theologiefeindlichkeit

Immer wieder wird mir in Gesprächen gesagt, dass es besser wäre, man würde mehr auf die praktischen Dinge im Leben achten, als dass man sich mit Theologie beschäftigt und die theologischen Fragen so genau nimmt. Die Leute würde in ihrem alltäglichen Leben andere Dinge beschäftigen als theologische Fragen und es sei eher störend für dieses alltägliche Glaubensleben, wenn man systematisch theologisch denkt und arbeitet.

Ich denke, dass Leute, die so argumentieren, in eine Falle des Teufels getreten sind.
Sie sind der List des Teufels auf den Leim gegangen, der das alltägliche Leben der Christen von ihren (nährenden, erhaltenden und schützenden) geistlichen Grundlagen abtrennen will. Wenn er es schafft, den Baum von seinen Wurzeln zu trennen, dann hat er bald sein Ziel erreicht, dass nämlich der Baum vertrocknet und dadurch auch keine oder vorerst nur noch faule Frucht entsteht.

Leute, die so argumentieren, sind geblendet. Sie würden sich im physischen Leben nie nach solchen Gedanken ausrichten wollen. Sie würden ihr Brot nie von einem Bäcker kaufen, der sagt: "Es kommt nich so drauf an, ob ich etwas Sand in den Teig mische, oder ob der Teig Cyanid-Spuren enthält. Hauptsache, die Leute haben Brot auf dem Tisch, das ihnen einigermassen schmeckt."
Sie würden nie bei einem Metzger Fleisch kaufen, der seine Würste oder Hackfleisch produziert, indem er das Fleisch mitsamt Knochen zerkleinert. Oder der in seiner Vitrine auch Rattenfleisch anbietet, es aber nicht deklariert, sondern sagt: "Das ist einfach Fleisch, was soll das Getue mit der Genauigkeit!"
Sie würden nie zu einem Arzt oder Chirurgen gehen, der sagt: "Wozu brauche ich eine Ausbildung? Wozu soll ich mich weiterbilden? Wozu soll ich das so genau nehmen? Jeder weiss doch ungefähr, wo die Därme, das Herz und die Leber sind. Und es gibt ja gute Schmerzmittel, die man nehmen kann, wenn irgendwo wehtut. Hauptsache, ich habe es gut mit meinen Patienten und wir lieben einander..."

Die Theologie ist bemüht, die viel wichtigeren Fragen des ewigen Lebens genau zu beantworten.
In diesen Fragen können wir es uns noch viel weniger leisten, ungenau zu sein. Schliesslich geht es darum, wie man als Sünder vor dem heiligen Gott bestehen kann, wie man vor seinem gerechten Zorn gerettet werden kann, wie man gerettet bleiben kann, wie man sein Leben zur Ehre Gottes lebt.
Es gibt natürlich auch kleinere Nebenfragen, über die man sich streiten kann. Aber auch die kleineren Nebenfragen haben eine Beziehung zu den Hauptfragen.

Wie kann jemand sagen: "Es ist doch besser, wenn man das nicht zu wichtig nimmt," wenn er gleichzeitig die Fragen des irdischen Lebens sehr wohl wichtig nimmt und das auch von anderen fordert (zum Beispiel wenn sein Arbeitgeber oder sein Kunde gewisse vertraglich festgelegte finanzielle Verpflichtungen nicht so tierisch ernst nimmt...)?

Freitag, 29. Juni 2007

Wozu ein theologisches System?

Beim Anhören einer Debatte zwischen einem calvinistischen Pastor und einem Zeugen Jehovas über die Gottheit Jesu und die Dreieinigkeit ist mir wieder bewusst geworden, wie wichtig es ist, biblische Wahrheit systematisch zu erfassen und (z.B. in einem Bekenntnis) zu dokumentieren.

Uns Calvinisten wird immer wieder vorgeworfen, wir würden der Bibel ein theologisches System überstülpen, resp. die biblischen Aussagen in ein theologisches Gerüst einzwängen.
Sie – unsere Kritiker – würden dagegen die Bibel einfach so nehmen, wie sie ist, resp. das was dasteht, so verstehen, wie es dasteht.
Dahinter steht die Prämisse, es brauche überhaupt keine systematische Theologie, die Bibel würde genügen, so wie sie ist.

So fromm das klingen mag, diese Grundhaltung ist sehr problematisch. Leute mit dieser Einstellung verfallen der eigenen Willkür und praktizieren meist eine völlig haltlose und am Ende eine unbiblische Art, die Bibel zu lesen und auszulegen.
Wenn sie mit ihrer Haltung konsistent sind, werden sie zu einem Thema mal diese Ansicht aus der Bibel ableiten, ein anderes Mal eine völlig andere.

Das Ziel reformierter Schriftausleger war es immer, die Schrift mit der Schrift auszulegen. Das ist der Grund, warum es biblische (systematische) Theologie gibt.
Es geht nicht darum, die Bibel in ein Gerüst zu zwängen, sondern die Aussagen der Bibel in Lehren zusammenzufassen, die der Bibel entsprechen.
Systematische Theologie sammelt z.B. alle Aussagen der Bibel über den Charakter Gottes, über das Wesen des Menschen vor und nach dem Sündenfall, über Christus, über den Weg des Heils, usw. und ordnet sie so, dass man spezifische Fragen an die Bibel klar beantworten kann.

Weil das getan wurde, muss heute nicht jeder einzelne Christ alle Fragen wieder neu beantworten. Schon dass er überhaupt Christ geworden ist, verdankt er klaren Aussagen über Gott, seine Beziehung zu Ihm, seine Erlösungsbedürftigkeit, usw.
Er wird besser im Glauben wachsen, weil es ein System gibt, durch das er in die Wahrheit der Bibel eingeführt werden kann.

Es versteht sich von selbst, dass ein 'theologisches System' kein unbewegliches, starres Korsett sein darf. Obwohl es Punkte gibt, hinter die wir nicht zurückgehen dürfen, an denen wir nicht rütteln lassen dürfen.
Z.B. dass wir allein aus Gnade, allein durch den Glauben, ohne Werde des Gesetzes gerechtfertigt werden, ist eine unumstössliche Tatsache, die wir starrsinnig festhalten dürfen.

Es gibt aber andere Punkte, die wir nicht in der gleichen Weise festhalten. Wir lesen die Bibel fortwährend und nehmen jede Aussage der Bibel ernst, die unserem 'System' zu widersprechen scheint. Wir lesen sie im Kontext ihres Abschnittes, des betreffenden Buches, der Heilsgeschichte und der ganzen Bibel und sehen dann, ob wir einen Punkt unserer bisherigen Theologie anders formulieren, resp. widerrufen müssen.

Solange aber keine biblische Aussage unsere Theologie in Frage stellt, halten wir fröhlich daran fest als an einer Zusammenfassung der biblischen Lehre, die uns in unserer Beziehung zu Gott hält und leitet.

Ich kann es nicht unterlassen, zum Abschluss noch darauf hinzuweisen, dass die reformierte/calvinistische Zusammenfassung der biblischen Lehre das theologische System ist, das sich über die Jahrhunderte darin bewährt hat, die Erkenntnis Gottes und seines Heils zu bewahren und sie am Wirksamsten gegen alle Irrlehren und Sekten zu verteidigen.

Freitag, 8. Juni 2007

"Zurück"(?) nach Rom # 2

Die Entscheidung Frank Beckwith's, in die römisch-katholische Kirche zurückzukehren, hat einige Entrüstung bei evangelikalen Christen ausgelöst. Warum?
Wohl vor allem deshalb, weil er einer der führenden "evangelikalen Theologen" war, bis im März sogar der amtierende Präsident der ETS (Evangelical Theological Society).
Man fragt sich: "Wie kann so etwas passieren? Wie kann ein Mann in dieser Position einen solchen Schritt machen?"

Die Antwort auf diese Frage scheint mir nicht so schwierig zu sein.
Beckwith verkörpert etwas, das im breiten Evangelikalismus gang und gäbe ist.
Er ist ziemlich sicher nie weit entfernt gewesen von der Theologie der Kirche, in die er zurück kehrte (er ist in der römischen Kirche aufgewachsen und später "evangelisch" geworden).

Was in der Evangelikalen Szene als "evangelisch" gilt, ist in Wirklichkeit gar nicht so evangelisch im Sinne des Erfinders, d.h. auf der Grundlage der geistlichen Erneuerung der Reformation.
Was im evangelikalen Lager z.B. unter Gnade verstanden wird, ist näher an der römischen Lehre als am reformatorischen Sola Gratia.
Das Schriftverständnis der meisten Evangelikalen ist in Wirklichkeit nicht mehr das Sola Scriptura der Reformation, sondern näher am römischen "Schrift plus Tradition" (wobei die Tradition nicht unbedingt dieselbe wie die der römischen Kirche ist - aber auf jeden Fall hat Pelagius ein grosses Wort mitzureden).
Auch das Christus-Verständnis ist nicht mehr das Solus Christus der Reformation, sondern es ist näher am römischen "Christus und..."

Beckwith hat in seinen Studien (die er als "Evangelikaler" betrieben hat), offenbar festgestellt, dass die Artikel des Tridentinischen Konzils grundsätzlich mit der evangelikalen Auffassung überseinstimmen und dass sie von einem Grossteil der Protestanten missrepresentiert worden seien. Dies sagt er jedenfalls in einem Interview, das hier nachzulesen ist.

Dass die Tridentinischen Artikel vom Protestantismus missrepresentiert wurden, ist einfach lächerlich. Man nehme sich nur einmal die Artikel 830ff (Neuner-Roos, Der Glaube der Kirche, S. 515f) vor. Hier wird die evangelische Lehre der Rechtfertigung frontal angegriffen und verflucht.
Dass aber die evangelikale Welt in Wirklichkeit näher am Tridentinum ist, als sie weiss, und dass die genannten Artikel der evangelikalen Auffassung nicht sehr stark widersprechen, damit hat Beckwith wohl nicht Unrecht.

Deshalb konnte er es so lange aushalten als katholizistischer Evangelikaler, bevor er in den Schoss seiner Alma Mater zurückkehrte.
Deshalb konnte er am Ende seiner Stellungnahme auf dem Blog "Right Reason" (hier) auch sagen: "ETS’s tenacious defense and practice of Christian orthodoxy is what has sustained and nourished so many of us who have found our way back to the Church of our youth."
[Übersetzung: Die beharrliche Verteidigung und Praxis Christlicher Orthodoxie (Rechtgläubigkeit) ist es, was so viele von uns erhielt und nährte, die wir unseren Weg zurück in die Kirche unserer Jugend gefunden haben.]

So wurde also seine eigentlich katholische Theologie im evangelikalen Lager gepflegt und genährt. Das soll uns herausfordern, genau nachzuprüfen, worauf wir unser "evanglisch" aufbauen. Und hatnäckig immer wieder die reformatorischen Grundlagen der Schriftauslegung zu betonen.

Freitag, 27. April 2007

Wussten Sie schon...?

... dass die Frage um die Freiheit des Menschlichen Willens oder die Frage, ob die Wiedergeburt tatsächlich erst nach der Entscheidung des Menschen für Christus erfolgt, schon lange vor der Reformation und vor der Entstehung der Dordrechter Synode (wo die "5 Punkte des Calvinismus" formuliert wurden) geklärt wurde?

Die Kirche im 6. Jahrhundert setzte sich bereits mit diesen zentralen Wahrheiten auseinander - im Kampf gegen die zersetzende Wirkung des Pelagianischen Heilsverständnisses, das den Menschen quasi an die Stelle Gottes setzte, indem es ihn zum bestimmenden Faktor seines Heils werden liess.

Das Bekenntnis von Orange (529) führte die Kirche zurück zur Lehre der Apostel in Bezug auf die biblische Offenbarung über die Gnade Gottes, also zurück zum monergistischen Verständnis des Heils (Gott allein wirkt alles Entscheidende).

Hier die ersten 8 Artikel des Bekenntnisses von Orange:

1.
Wer sagt, der Mensch sei durch die Beleidigung der Übertretung Adams nicht ganz, d. h. dem Leib und der Seele nach, ”zum Schlechteren gewandelt worden”, sondern glaubt, die Freiheit der Seele habe unversehrt fortbestanden und lediglich der Leib sei der Verderbnis verfallen, der stellt sich - vom Irrtum des Pelagius getäuscht - gegen die Schrift, die sagt: ”Die Seele, die gesündigt hat, wird selbst sterben” (Ez 18,20); und: ”Wisst ihr nicht, dass ihr Sklaven dessen seid, dem ihr gehorcht, wenn ihr euch jemandem als Sklaven zum Gehorsam verpflichtet?” (Röm 6,16); und: ”Von wem einer überwältigt wird, dem wird er auch als Sklave zugesprochen” (vgl. 2 Petr 2,19).

2.

Wer behauptet, die Übertretung Adams habe nur ihm, nicht auch seiner Nachkommenschaft geschadet, oder versichert, jedenfalls sei nur der Tod des Leibes, der die Strafe für die Sünde ist, nicht aber auch die Sünde, die der Tod der Seele ist, durch einen Menschen auf das ganze menschliche Geschlecht übergegangen, der wird Gott ein Unrecht zuschreiben, da er dem Apostel widerspricht, der sagt: ”Durch einen Menschen ist die Sünde in die Welt gekommen, und durch die Sünde der Tod, und so ging er (der Tod) auf alle Menschen über; in ihm haben alle gesündigt” (vgl. Röm 5,12).

3.

Wer sagt, die Gnade Gottes könne aufgrund menschlichen Flehens verliehen werden, nicht aber, die Gnade selbst bewirke, dass sie von uns angerufen wird, der widerspricht dem Propheten Jesaja bzw. dem Apostel, der dasselbe sagt: ”Ich wurde von denen gefunden, die mich nicht suchten; ich wurde denen offenbar, die nicht nach mir fragten” (Röm 10,20; vgl. Jes 65,1).

4.

Wer behauptet, Gott warte auf unseren Willen, damit wir von der Sünde gereinigt werden, aber nicht bekennt, es geschehe durch die Eingießung und das Wirken des Heiligen Geistes in uns, dass wir auch gereinigt werden wollen, der widerstreitet dem Heiligen Geist selbst, der durch Salomo sagt: ”Der Wille wird vom Herrn bereitet” (Spr 8,35 LXX) , und dem Apostel, der zu unserem Heil verkündet: ”Gott ist es, der in uns sowohl das Wollen als auch das Vollbringen nach seinem Wohlgefallen bewirkt” (vgl. Phil 2,13).

5.

Wer sagt, wie das Wachstum, so sei auch der Anfang des Glaubens und selbst die Neigung zur Gläubigkeit - durch die wir an den glauben, der den Sünder rechtfertigt, und zur (Wieder)Geburt der heiligen Taufe gelangen - nicht durch das Geschenk der Gnade - d. h. durch die Einhauchung des Heiligen Geistes, die unseren Willen von der Ungläubigkeit zum Glauben, von der Gottlosigkeit zur Frömmigkeit lenkt -, sondern von Natur aus in uns, der erweist sich als Gegner der Lehren der Apostel, da der selige Paulus sagt: ”Wir vertrauen darauf, dass der, der das gute Werk in euch begonnen hat, es vollenden wird bis zum Tage Jesu Christi” (vgl. Phil 1,6); und jenes Wort: ”Euch ist, was Christus betrifft, nicht nur verliehen, dass ihr an ihn glaubt, sondern auch, dass ihr für ihn leidet” (vgl. Phil 1,29); und: ”Aus Gnade seid ihr gerettet worden durch den Glauben, und dies nicht aus euch: Es ist nämlich das Geschenk Gottes” (vgl. Eph 2,8). Wer nämlich sagt, der Glaube, mit dem wir an Gott glauben, sei natürlich, der behauptet, dass alle die, die nicht zur Kirche Christi gehören, gewissermaßen Gläubige seien.

6.

Wer sagt, wenn wir - ohne die Gnade Gottes - glauben, wollen, uns sehnen, uns anstrengen, uns abmühen, bitten, wachen, streben, verlangen, suchen und anklopfen, dann würde uns von Gott Barmherzigkeit verliehen, nicht aber bekennt, es geschehe durch die Eingießung und Einhauchung des Heiligen Geistes in uns, dass wir glauben, wollen, bzw. alles das zu tun vermögen, wie es sich gehört; und wer den Beistand der Gnade von der Demut und dem Gehorsam des Menschen abhängig macht, aber nicht zustimmt, dass es ein Geschenk der Gnade selbst ist, dass wir gehorsam und demütig sind, der widersetzt sich dem Apostel, der sagt: ”Was hast du, das du nicht empfangen hast?” (1 Kor 4,7); und: ”Durch die Gnade Gottes bin ich das, was ich bin” (1 Kor 15,10).

7.

Wer behauptet, man könne durch die Kraft der Natur und ohne die Erleuchtung und Einhauchung des Heiligen Geistes - der allen die Freude verleiht, der Wahrheit zuzustimmen und zu glauben – irgend etwas Gutes, das für das Heil des ewigen Lebens Bedeutung hat, in geeigneter Weise denken oder erwählen, oder der heilsamen Verkündigung - d. h. der des Evangeliums - zustimmen, der wird durch häretischen Geist getäuscht und versteht nicht die Stimme Gottes, der im Evangelium sagt: ”Ohne mich könnt ihr nichts tun” (Joh 15,5); und jenes Wort des Apostels: ”Nicht dass wir fähig wären, irgend etwas von uns aus zu denken, als ob es aus uns wäre; vielmehr stammt unsere Fähigkeit aus Gott” (2 Kor 3,5) .

8.
Wer behauptet, die einen könnten aufgrund der Barmherzigkeit, andere aber durch den freien Willen - der bekanntlich in allen verdorben ist, die seit der Übertretung des ersten Menschen geboren wurden - zur Gnade der Taufe gelangen, der erweist sich als dem rechten Glauben fremd. Er behauptet nämlich, dass der freie Wille nicht bei allen durch die Sünde des ersten Menschen geschwächt worden sei, oder meint wenigstens, er sei nur so verletzt worden, dass dennoch einige fähig seien, das Geheimnis des ewigen Heiles ohne die Offenbarung Gottes durch sich selbst erwerben zu können. Wie sehr dies widersprüchlich ist, bezeugt der Herr selbst, der versichert, nicht irgendwelche, sondern niemand könne zu ihm kommen, außer ”wen der Vater gezogen hat” (vgl. Joh 6,44), so wie er auch dem Petrus sagt: ”Selig bist du, Simon Bar-Jona; denn nicht Fleisch und Blut haben dir das geoffenbart, sondern mein Vater, der in den Himmeln ist” (Mt 16,17); und der Apostel: ”Niemand kann sagen: ‘Herr Jesus’, außer im Heiligen Geist” (vgl. 1 Kor 12,3).
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Freitag, 20. April 2007

Soli Deo Gloria

Gott allein die Ehre. Einerseits fasst diese Aussage alle andern 'Solas' der Reformation zusammen. Andererseits ist sie der Leitsatz der Reformierten Theologie überhaupt. Das kommt daher, dass sie richtig erkennt, dass alles, was Gott zu tun geplant und auch durchgeführt hat, zu seiner eigenen Ehre geschieht.
z.B. lehrt der Westminster Katechismus, dass der Mensch zu diesem Zweck geschaffen ist (1. Frage: Was ist die höchste Bestimmung des Menschen? Antwort: Gott zu ehren und sich für immer an Ihm zu erfreuen).

Die Heiligen Schriften des Alten und Neuen Testaments sind zu diesem Zweck geschrieben.
Sie sollen Gott und seinen Plan mit der Schöpfung und mit seinem erwählten Volk offenbaren, d.h. zu erkennen geben.
Gott kommt die meiste Ehre zu, wenn Er am meisten der Wirklichkeit entsprechend repräsentiert wird. Die Schrift tut das. Und wer Gott - sein Wesen, sein Wirken - am ehesten der Schrift entsprechend darstellt, macht Ihm die grösste Ehre.

Die Lehre der Rechtfertigung allein aus Gnade, allein durch Christus, allein durch den Glauben stellt Gottes Heilsplan, sein souveränes Wirken am meisten der Wirklichkeit entsprechend dar. Deshalb ist die systematische Darstellung der biblischen Lehre über Gott, den Menschen, die Sünde, die Erlösung, die Gemeinde, wie sie die reformierte Theologie pflegt, diejenige, die Gott am meisten ehrt.

Das mag arrogant klingen. Es enstpricht aber schlicht der Wahrheit.
Die monergistische Sicht von Gottes Wirken repräsentiert den Gott, der "alles nach dem Rat seines Willens wirkt" (Eph 1,11).
Sie macht Gott so gross, wie Er wirklich ist. Man kann Gott - der allmächtig ist - nicht zuviel Macht zuschreiben, nur zu wenig. Auch die anderen systematisch-theologischen Systeme schreiben Gott in der Regel Allmacht zu. Nur die Reformierte ist darin aber so konsequent, dass sie auch ausspricht, in welchen Bereichen diese Allmacht 'greift'.

Die Dordrechter Synode formulierte konkret, wie Gott in seinem ganzen Heilswirken diese Allmacht ausübt. Er erwählt die von der Sünde vollkommen verdorbenen Menschen, die Er will, zum ewigen Heil in Christus. Er rechtfertigt sie durch das stellvertretende Leben und Sterben Christi und beruft sie mit wirksamem Ruf, dem sie nicht widerstehen werden.
Und er bewahrt sie vollkommen in dem Heil, für das Er sie bestimmt hat, obwohl sie von Natur aus alles tun, das sie dieses Heil wieder verlieren liesse, wenn Er es zuliesse.

Geben wir doch Gott soviel wie möglich von der Ehre, die Er verdient, indem wir diese Wahrheiten, die uns die Schrift eindeutig über Ihn offenbart, glauben und lehren.
Und wie gesagt: Wir können Gott gar nicht zuviel Macht zuschreiben. Denk darüber nach, wenn du hörst, wieviel angeblich der Mensch mitzureden haben soll, wie Er sich angeblich gegen Gottes Handeln und Planen stellen können soll...
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Montag, 2. April 2007

Sola Gratia

Das 'Sola Gratia' der Reformation richtet sich zunächst gegen das Gnaden-Verständnis der römischen Kirche. Diese kannte den Begriff der Gnade sehr wohl auch. Auch die Papisten sprachen von der Rechtfertigung aus Gnade. Das tut die römisch-katholische Kirche bis heute.
Der Unterschied liegt in der Betonung auf dem 'Sola', dem allein aus Gnade.

Die Lehre der Reformatoren von der Rechtfertigung allein aus Gnade führte zurück zum biblischen 'Monergismus' gegenüber dem 'Synergismus' der katholischen Sicht.
Monergismus (zusammengesetzt aus 'monos' - allein, einzig - und 'ergon' - Werk) heisst, dass Gott allein das Heil des Menschen bewirkt, und das vom Anfang bis zum Ende. Während Synergismus (syn = mit) meint, dass der Mensch mit Gott zusammenwirkt.

Die römische Theologie spricht dem Menschen die Möglichkeit zu, durch sein frommes Bemühen das Nötige zu der vorlaufenden Gnade Gottes hinzutun zu können. Sie folgen dabei den Lehren des Pelagius, der quasi lehrte, dass der menschliche Wille durch den Sündenfall unversehrt blieb und somit aktiv zur Erlangung des Heils beitragen kann.
Die Reformatorische Rechtfertigungslehre dagegen zeigte, dass der Mensch aufgrund seiner totalen Verdorbenheit eben keinen Rest an 'Gutem' in sich hat, das ihn befähigen könnte, an seiner Rettung oder auch an der Vollendung seines Heils mitzuwirken.

Die Bibel lehrt eindeutig, dass der natürliche Mensch ohne Gottes souverändes Eingreifen weder Einsicht in seinen verlorenen Zustand hat, noch den Wunsch nach Rettung aus demselben, noch die Kraft oder den Willen hat, irgend etwas geistlich Gutes zu vollbringen.
Er ist unter die Sünde versklavt (Joh 8,34), er ist verfinstert am Verstand (Eph 4,18), er ist geistlich tot (Eph 2,1). Er kann nichts wollen und nichts tun, das ihn in Gottes Nähe bringen würde.

Sola Gratia heisst: Es ist Gottes gnädige Initiative von Anfang an, dass ein Mensch zum Glauben an Christus kommen und in diesem Heil bis zum Ende bleiben kann. Gott erwählte die Seinen vor Erschaffung der Welt und beruft sie wirksam in einem bestimmten Moment in ihrem Leben (Eph 1,4; 1,11; Rö 8,28-30). Diejenigen, die Er so gerettet hat, die hat Er vollkommen gerettet. Das heisst, nicht nur so, dass sie wieder aus diesem Status herausfallen könnten.
Wenn das Bleiben im Heil nur zu einem kleinsten Teil am Menschen liegen würde, könnte niemand definitiv gerettet sein und bleiben. Das menschliche Vermögen, die menschliche Kraft reicht niemals dazu. Es ist allein Gottes Gnade, die jeden einzelnen an jedem Tag seines Christenlebens bewahrt (Joh 10,27-29).

Die römisch-katholische Theologie von heute und der evangelikale Arminianismus von heute sind sich darin einig, der Reformatorischen Theologie vor allem in diesem Punkt - Sola Gratia - zu widersprechen.
Leider sind die Evangelikalen hier schon längst wieder vom katholischen Synergismus eingeholt worden, ohne es so richtig zu merken. Deshalb scheint zum Einen heute auch vielerorts eine Zusammenarbeit vielen völlig unbedenklich zu sein. Im Dialog mit Römisch-Katholischen erkennen sie den Unterschied nicht zwischen der römischen und der reformierten Sicht von Gnade. Weil sie nicht verstehen, wie wichtig das Wörtlein 'Sola' ist.
Zum Anderen hat diese mangelnde Unterscheidung bei vielen konservativen Evangelikalen, die nie mit Katholiken zusammenarbeiten würden, dennoch eine der römisch-katholischen Sichtweise ähnliche Gesetzlichkeit bewirkt.

'Sola Gratia' wirklich zu verstehen, würde nicht nur eine klare Unterscheidung von dem häretischen römischen System und seiner falschen Lehre über Rechtfertigung und Heiligung bringen, sondern auch vielen Evangelikalen helfen, ihren Glauben in wahrer Christlicher Freiheit zur Ehre Gottes zu leben.
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Freitag, 2. Februar 2007

Sola Scriptura

Die Bibel ist nicht mehr wirklich einzige Quelle und alleiniger Massstab für den Glauben, das Denken und Leben der Christen.
Die Reformation im 16. Jh. hat bewirkt, dass der 'Fluss' der christlichen Theologie von den allermeisten Verunreinigungen und von unnützem Treibgut gereinigt wurde.
In den Jahrhunderten danach bis heute - am stärksten wohl im 19. und 20. Jh. ist laufend und zunehmend wieder eine Menge an Gift und schädlichem Material hinzugeflossen. Das Christliche Gedankengut ist vermischt mit allerlei menschlichen Philosophien, liberaler Theologie, Humanismus, Psychologie, Feminismus, usw.

Die Bedeutung der Bibel für das ganze Christenleben, für die Theologie und die Gemeinde ist fast unmerklich herabgestuft worden. Das Wort Gottes wird meistesn nur noch gebraucht für die Erbauung der frommen Gefühle einer desorientierten Christenheit.

Probleme im persönlichen Leben und in Beziehungen in der Gemeinde werden versucht, mithilfe humanistisch-psychologischer Lehren zu lösen.
Probleme in Leitungsfragen der Gemeinde werden nach vermeintlichen 'Erkenntnissen' aus Politik, Management und Business angegangen.
In Mission und Evangelisation wird nach Marketing-Strategien gearbeitet.
Zusammengefasst könnte man sagen, dass man nach Mitteln und Lösungen sucht, die schnell funktionieren sollen.

Entgegen dem Genannten ist das Wort Gottes in all diesen Bereichen eher sehr langsam wirksam. Das bringt in unserer immer schnelllebigeren Welt gewisse Nachteile. Wir können es heute fast nicht mehr aushalten, wenn wir nicht innert kurzer Frist die Resultate unserer Bemühungen sehen können.
Was wir aber dabei so oft vergessen ist, dass das Wort Gottes genau die Resultate in genau der Zeit bringt, wie es Gott haben will.

Als Gemeinde Gottes, als sein Volk, sollten wir nicht nach Lösungen suchen, die uns und unsere Komfortgelüste, unser Gefühlsleben und unsere Vorstellungen von Effizienz befriedigen.
Daran ist Gott wahrscheinlich gar nicht interessiert.
Gott sucht seine Ehre, die offenbart wird, indem Er durch sein - selbstwirksames - Wort wirkt. Und diese Ehre sollten wir auch suchen. Überall, in unserem eigenen Leben, in unseren Gedanken, Empfindungen, Beziehungen, im Gemeindeleben, in der Welt.

Dieses Wort Gottes muss wieder normativ und formativ (das heisst: Mass-gebend - es ist die Norm für alles, was wir tun, und formend - es prägt das Wesen von allem, was wir tun) werden.
Ich glaube, der Grund dafür, dass die Schrift im Christenleben so an Bedeutung verloren hat, ist der mangelnde Glaube an ihre Kraft.

Wir glauben einfach mehr an unser eigenes Können und unsere eigene Klugheit als an Gottes lebenschaffendes und lebensveränderndes Wort.
Sich an den Grundsatz 'Sola Scriptura' zu halten, würde heissen, von allen menschlichen Bemühungen in sämtlichen Bereichen des Christenlebens abzulassen und allein auf diese Kraft des Wortes Gottes zu vertrauen.

Das fängt an mit dem Bekenntnis zur absoluten Autorität und Unfehlbarkeit der Schrift für jeden Lebensbereich. Aber beim Bekenntnis dürfen wir nicht stehenbleiben. Dem Bekenntnis muss das Wagnis folgen, sich uneingeschränkt und ohne Rückhalt auf die Anweisungen und Versprechen der Heiligen Schrift einzulassen. Ganz egal, ob die menschliche Vernunft, die politische Korrektheit oder irgend eine andere alte oder populäre Philosophie dem zustimmt.

Wenn wir wirklich an die uneingeschränkte Autorität und Kraft des Wortes Gottes glauben, dann können wir ganz getrost und unbeeindruckt vom ängstlich-pragmatischen Betrieb um uns herum eine Missions- und Evangelisationsarbeit ohne Hilfe von Marketigstrategien pflegen und glauben, dass das Reich Gottes wächst, indem wir einfach bezeugen, was Gottes Wort in unserem Leben bewirkt.

Diese Wirkung des Wortes allein können wir erleben, wenn wir Seelsorge und Lebensberatung machen, ohne die Ideen aus der humanistisch-psychologischen Beratung miteinzubauen, weil wir überzeugt sind, dass seelische Gesundheit heisst, dass bei einem Menschen die Frucht des Heiligen Geistes wächst. Diese wirkt der Geist ja durch das Wort.

Die Ausrichtung an der Heiligen Schrift allein würde in unseren Gemeinden auch bewirken, dass wir männliche Gemeindeleitungen haben. Auch wenn das allem entgegensteht, was in der Welt an Führungsstilen praktiziert wird.
Gott hat beschlossen, seine Gemeinde durch Männer zu führen, die Er dazu beruft. Wir brauchen uns nicht zu fragen, welche femininen Anteile dann vielleicht fehlen oder zu kurz kommen. Wenn Gottes Wort uns seinen Willen so offenbart, dann ist es so am besten für die Gemeinde.

Ich könnte unendlich weiterfahren. Es läuft immer auf dasselbe hinaus: Glauben wir wirklich, dass das Wort Gottes, die Heilige Schrift des Alten und Neuen Testaments, alles wirkt und alles verändert, was Gott wirken und verändern will?
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Freitag, 19. Januar 2007

Brauchen wir eine Theologie von Gestern?

Manchmal, wenn ich mit Leuten spreche und betone, dass ich denke, wir sollten in der Theologie zurückschauen auf die Reformatoren und uns ihre theologischen, hermeneutischen und exegetischen Grundsätze wieder zu eigen machen, werde ich entweder miss- oder nicht verstanden.

"Wir müssen doch nach vorne sehen. Wir können doch nicht in der Vergangenheit leben. Wir können doch nicht die Zustände zurück haben wollen, die am Ende des Mittelalters herrschten. Wir können doch nicht wollen, dass Andersgläubige gehenkt, ersäuft oder auf dem Scheiterhaufen verbrannt werden."

Natürlich, das denke ich auch. Sicher will ich nicht die rauen Zustände aus dieser Zeit zurückhaben. Einmal abgesehen davon, dass diese rauen Sitten auch eine Ernsthaftigkeit in religiösen Fragen und eine grundsätzliche Ehrfurcht vor dem Göttlichen und dem Ringen um die Wahrheit widerspiegeln - was uns heute weitgehend fehlt.

Wovon ich aber denke, dass wir es unbedingt zurück haben wollen müssten, ist eben das Verständnis der Reformatoren von theologischer Arbeit.
Die Reformatoren haben die ganze christliche Theologie und Spiritualität erneuert, indem sie in allen Bereichen der Lehre und des Lebens neu fragten (fragen mussten!): "Was sagt die Heilige Schrift dazu?"

Indem sie so fragten, halfen sie nicht nur, das christliche Denken vom Unrat der römischen Häresie zu befreien, sondern es wieder neu (vielleicht sogar wie noch nie) auf Biblischen Boden zu stellen.
In den vergangenen Jahrzehnten bis Jahrhunderten wurde jedoch wieder soviel Unbiblisches in diesen klaren Fluss hineingeschwemmt, dass wir heute wieder soweit sind wie vor der Reformation. Ich meine theologisch. In den äusseren Dingen des Lebens sind wir - zumindest in der westlichen Hemisphäre - sehr zivilisiert. Was uns in traurigem Masse über unseren geistlichen Zustand täuscht.

Also: Wir brauchen tatsächlich eine Theologie von Gestern. Aber wo fangen wir an?
Ich denke, dass es ein guter Start sein kann, wenn wir uns auf die fünf 'sola' besinnen, die die Reformation hervorgebracht hat. Diese fünf Grundsätze machen - so könnte man sagen - den Kern reformatorischer Theologie aus.

In den folgenden Artikeln werde ich mich deshalb mit den 5 'sola' befassen. Ich will versuchen zu zeigen, was sie in der heutigen Landschaft verändern könnten, wenn sie wieder geglaubt und ernstgenommen würden.

Zuerst eine kurze Beschreibung dieser Grundsätze. Die fünf 'sola' sind:

Sola Scriptura, d.h. allein die Schrift. es geht darum, dass allein die Heilige Schrift, Altes und Neues Testament, Grundlage für die Erkenntnis Gottes, seines Heilsplans und seines Willens ist.

Solus Christus bedeutet allein Christus. Gemeint ist, dass Christus allein von der Sünde und der gerechten Strafe Gottes rettet, dass kein menschliches Zutun weder etwas hilft, noch von Gott gefordert, resp. erlaubt ist.

Sola Fide heisst allein der Glaube. Es gibt keinen anderen Weg, am Heil in Christus Anteil zu haben als durch das Vertrauen auf das Erlösungswerk Christi und damit auf das, was Gott tut. Auf hier ist menschliches Mitwirken weder gefordert noch erlaubt.

Sola Gratia, allein die Gnade meint, dass der Mensch einzig durch das Hoffen auf und Annehmen der Göttlichen Gnade das Heil erfahren kann. Hier wieder: kein Synergismus, kein Zusammenwirken von Gott und Mensch in der Rechtfertigung des Sünders.

Last but not least: Soli Deo Gloria; allein Gott die Ehre.
Gott allein ist der Urheber und Vollender und seine Ehre das Ziel seines Heilsplanes. Weil der Mensch nichts dazu tun kann, hat er auch keinen Anspruch auf Ehre (nach der der Sünder jedoch fortwährend strebt und damit Gott bestiehlt).

Fortsetzung folgt...
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