Samstag, 5. Mai 2007

Wie gesetzlich ist das Gesetz?

Michael Horton behandelt in 'God of Promise' - einer Einführung in die Bundestheologie - folgerichtig auch die Frage nach der Haltung des (neutestamentlichen) Christen zum Gesetz.
Dabei erwähnt er, dass er in einem christlichen Umfeld aufwuchs, wo man sich fragte, ob bestimmte Leute, die zum Essen ein Glas Wein trinken wohl Christen sind. Gleichzeitig hielt man die Gemeinde für gesetzlich, in der man es als notwendig sah, sich im christlichen Alltag nach Gottes Geboten zu richten.
Das war im Amerika der 70er Jahre. Wie es in seiner Umgebung heute ist, schrieb er nicht extra. Ich denke, dass es bei uns AD 2007 nicht sehr viel anders ist. Das mit dem Wein ist vielleicht das geringere Problem. In unserem Fall hätten vielleicht manche Leute mehr Mühe, wenn sich der Pastor am Sonntagnachmittag im Garten ein Pfeifchen anzündet...

Aber die Beziehung zum Gesetz Gottes ist wohl nach wie vor weit herum eine stiefmütterliche.
Und ich denke, das haben wir dem Dispensationalismus zu verdanken, der durch seine krasse Aufteilung des Heilsplans den Antinomismus wiederbelebt hat.
"Wir leben im Zeitalter der Gemeinde, nicht mehr des Gesetzes; im Neuen, nicht mehr im Alten Testament", heisst die Prämisse.

Um diesem Missverhältnis zum Gesetz etwas entgegenzuwirken, möchte ich im Folgenden einige grundsätzliche Dinge über das Gesetz zum Besten geben:

Welches Gesetz?

Wir müssen verstehen, dass die Biblischen Autoren nicht immer vom genau Gleichen reden, wenn sie Gesetz sagen. Wir müssen unterscheiden zwischen verschiedenen Bestandteilen oder Formen des Gesetzes.

Wenn Jesus und die Apostel und ihre Zeitgenossen von 'Gesetz und Propheten' sprachen, dann meinten sie das schriftliche Wort Gottes, wie es zu ihrer Zeit festgehalten war, das Alte Testament.

Es ist die Offenbarung Gottes, durch die Er sich uns zu erkennen gibt. Es enthält nicht nur Gebote, sondern es zeigt auch Gottes Charakter.
Es regelt das Leben des Volkes Gottes, zeigt, wie es sich verhalten muss – aber nicht nur das, sondern auch wie es denken muss, wie es motiviert sein muss.
Aber noch mehr: Das Gesetz (und die Propheten) ist dazu da, die Menschen auf das Kommen des Messias vorzubereiten. Das tut es, indem es ihnen ihre Sünde aufzeigt. Und es zeigt ihnen den Erlöser in Vorabbildungen und Schatten.

3 Formen des Gesetzes

Dieses Gesetz ist zwar eine Einheit, aber es muss auch unterschieden werden zwischen den verschiedenen Formen.
Wir unterscheiden zwischen dem Moralgesetz, dem Zeremonialgesetz und dem Judizial- oder Zivilgesetz. Diese Formen sind in der Bibel nicht schön separat aufgeführt, sondern es ist alles ineinander verwoben. Das macht es manchmal etwas schwierig, sie voneinander zu unterscheiden.

Gott gab seinem Volk ein Zivilgesetz, das mit unserem ZGB, OR und StGB zu vergleichen ist. Es regelt das äusserliche, soziale und politische Zusammenleben, die polizeilichen und richterlichen Bestimmungen, usw.

Dazu gehören solche Dinge wie die Regelung, was zu tun ist, wenn ein Rind eine schwangere Frau stösst, oder wenn ein Sachschaden entsteht, wenn jemandem etwas gestohlen wird, wenn jemand bei einer Schlägerei verletzt wird, oder wenn ein Mann seine Frau fortschickt, usw.

Natürlich stehen diese Regelungen auch auf der Grundlage des Moralgesetzes und können deshalb nicht unabhängig behandelt werden.

Dann unterscheiden wir das Zeremonialgesetz. Es enthält alle Gottesdienstlichen Vorschriften wie Anordnungen für die Opfer, Reinheitsgesetze, Gottesdienstabläufe, die Feste, Priesterordnungen, usw.

Dieses Gesetz ist das, wovon Paulus in Eph 2,15 schrieb, dass Christus es beseitigt hat:
Er hat das Gesetz der Gebote in Satzungen beseitigt.

Diese Bestimmungen sind keine ewige Ordnung, sondern sie sind Schatten und Vorbilder von etwas Grösserem, das kommen soll, nämlich Christus. Und als das Grössere, das Eigentliche kam, konnte das Vorläufige beiseite getan werden:

Heb 8,6
Jetzt aber hat er einen vortrefflicheren Dienst erlangt, wie er auch Mittler eines besseren Bundes ist, der aufgrund besserer Verheißungen gestiftet worden ist.
Denn wenn jener erste Bund tadellos wäre, so wäre kein Raum für einen zweiten gesucht worden.

Wir opfern nicht mehr, weil Christus das letzte, eigentliche Opfer war, für das die Tieropfer nur Vorbild waren. Wir beachten keine kultischen Speisegesetze mehr, auch sie waren vorläufig: Der Herr erklärte: Was durch den Mund in den Menschen hineingeht, macht ihn nicht unrein. Und in Apg 10 erklärt Er Petrus, dass er keine Speisen mehr für unrein achten solle. "Erkläre du nicht für unrein, was Gott für rein erklärt hat."

Auch die Feste, die die Israeliten feiern sollten, waren Schatten und Vorbilder und müssen nicht mehr gehalten werden. Paulus erklärt in Römer 14, dass wie die Speisen, so auch die Festtage nicht mehr als für alle verbindlich gelten:

Rö 14,5
Der eine hält einen Tag vor dem anderen, der andere aber hält jeden Tag gleich.

Das ganze Zeremonialgesetz war der Schatten, der dem Eigentlichen voranging. Als das Eigentliche kam, wurde klar, dass der Schatten nur der Vorbote war. Jetzt wo Christus da ist, hat sein Vorbote ausgedient.

Nun bleibt das Moralgesetz. Das Moralgesetz ist in den 10 Geboten zusammengefasst. Dieses Gesetz ist es, das nicht nur das Leben der Israeliten bestimmen soll, sondern auch das der Jünger Jesu im Neuen Bund.

Über dieses sagt Jesus in Mt 5,17, dass es nicht vergehen wird, dass es vollkommen gehalten werden muss. Er erklärt in den folgenden Abschnitten der Bergpredigt, auf welche Weise es tatsächlich gehalten werden muss; nicht nur in seiner äusseren Form, sondern in seinem Geist.

Die Zusammenfassung des Gesetzes: "Du sollst den Herrn, deinen Gott lieben mit ganzer Kraft, mit ganzem Herzen und ganzem Verstand" redet eben davon.
Nicht nur mit aller Kraft äusserliches Verhalten, sondern das Herz, die innere Motivation, und auch der Verstand, das Denken müssen sich Gottes Moralgesetz unterordnen.

Meint nicht, dass diese Forderungen des Moralgesetzes aufgelöst oder gelockert werden.
Ich bin nicht gekommen, das Gesetz aufzulösen, sondern es zu erfüllen

Die Erfüllung des Gesetzes

Was heisst das, dass Jesus das Gesetz erfüllt?
Es heisst zweierlei. Es geht um zwei Arten von Erfüllung. Wir könnten sie die prophetische und die moralische Erfüllung nennen.

Von der prophetischen Erfüllung haben wir schon gesprochen. Diese betrifft in grösserem Mass das zeremonielle Gesetz. Dieses Gesetz hat etwas vorher verkündigt, das Christus durch sein Kommen und durch sein Leben und Sterben erfüllt hat.

Die moralische Erfüllung des Gesetzes ist die, dass der Herr Jesus die Forderung des Gesetzes nach Gerechtigkeit erfüllt hat. Er ist der Einzige, der das jemals konnte und es auch getan hat. Er hat das ganze Gesetz erfüllt. Er hat alle Forderungen der Gebote Gottes – in ihrer umfassendsten Bedeutung, nicht nur äusserlich, sondern auch im Herzen, in der Motivation und im Denken – vollkommen gehalten. Das erste Mal, dass ein Mensch geboren wurde, der ein Leben lebte, das Gott vollkommen gefiel, zu dem Er seine volle Zustimmung gibt: "Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe."
Und bis zu dem Tag, an dem Er starb, hatte Er nicht eine einzige Sünde – weder im Denken, Wollen oder Handeln – getan. Deshalb wurde Er von Gott angenommen. Das wäre auch bei uns so, wenn Adam nicht gesündigt hätte: Jeder Mensch, der Gottes Gebote vollkommen einhalten würde, wäre deshalb von Gott angenommen. Aber diese Möglichkeit ist nicht mehr gegeben; es gibt keinen Menschen, der Gott vollkommen gehorsam ist. Deshalb brauchen wir Jesus!
Er hat nämlich sein vollkommen heiliges Leben nicht für sich selbst gelebt. Er hat das Gesetz nicht für sich selbst erfüllt. Er hat es als Stellvertreter für die Erwählten getan. Jesus Christus hat für sie nicht nur den Tod erlitten, sondern Er hat sein Leben für sie gelebt. Weil Er für die Seinen das Gesetz erfüllte, kann ihnen nun diese seine Gerechtigkeit angerechnet werden, wenn sie das im Glauben annehmen.

Wenn wir mit Christus eins sind, dann gilt seine Gerechtigkeit als die Unsere. Und wir sind so, als hätten wir selbst alles erfüllt. Es ist alles getan. Wir können und müssen nichts dazu tun.
Aber wir dürfen auch nicht sagen, wie das oft getan wird: "Das Gesetz kann niemand halten, es ist für einen sterblichen Menschen viel zu schwer. Schrauben wir also seine Forderungen etwas herunter…"

"Wer nun eins dieser geringsten Gebote auflöst und so die Menschen lehrt, wird der Geringste heißen im Reich der Himmel. Wer sie aber tut und lehrt, dieser wird groß heißen im Reich der Himmel."

Was ist also die richtige Haltung der Christen gegenüber dem Gesetz?
Ist es 'gesetzlich', wenn man sagt, dass die Gebote gehalten werden sollen?
Nein, das ist es nicht! Mit dem Begriff 'gesetzlich' wird oft eine Begriffsverwirrung verursacht von denen, die nicht interessiert sind, ihr Leben ganz am Wort Gottes auszurichten.
Was ist gesetzlich?

Gesetzlich ist nicht, wenn man die Gebote halten will, sondern wenn man Gebote aufstellt, die nicht in der Bibel stehen und sagt, dass diese gehalten werden müssen, damit man bei Gott angenommen ist.
Das betrifft auch alle Teile des Zeremonialgesetzes wie Beschneidung, Speisegebote, Reinheitsgebote, Einhaltung von Festtagen, usw.

Aber auch neuere Gebote, wo es dann jeweils heisst: Ein Christ tut dies nicht und tut das nicht… Sicher gibt uns die Bibel auch grundsätzliche Weisheit für eine gottgefällige Lebensführung. Wer hier aber feste Gesetze aufrichtet, der ist gesetzlich. Auch bestimmte Gemeindetraditionen verdienen die Bezeichnung 'gesetzlich'.

Aber ein Christ, der Gottes Gebote halten will, der ist nicht gesetzlich. Im Gegenteil, er gefällt Gott: "Wer sie aber tut und lehrt, dieser wird gross heissen im Reich der Himmel."

Ein neutestamentlicher Christ wird das Gesetz Gottes nicht auflösen wollen, nein, er nennt es mit Paulus heilig, gerecht und gut! Er liebt das Gesetz Gottes, weil es Gottes Charakter, seine Heiligkeit und Gerechtigkeit widerspiegelt.

Folgende Beispiele aus Ps 119 sind auch für den neutestamentlichen Christen ein absolut geeignetes Gebet:

10 Mit meinem ganzen Herzen habe ich dich gesucht. Laß mich nicht abirren von deinen Geboten!
11 In meinem Herzen habe ich dein Wort verwahrt, damit ich nicht gegen dich sündige.
12 Gepriesen seist du, HERR! Lehre mich deine Ordnungen!
15 Deine Vorschriften will ich bedenken und beachte deine Pfade.
16 An deinen Satzungen habe ich meine Lust. Dein Wort vergesse ich nicht.
18 Öffne meine Augen, damit ich schaue die Wunder aus deinem Gesetz.
20 Meine Seele zermürbt sich vor Verlangen nach deinen Bestimmungen zu aller Zeit.
29 Halte fern von mir den Weg der Lüge, und gewähre mir dein Gesetz!
33 Lehre mich, HERR, den Weg deiner Ordnungen, und ich will ihn bewahren bis ans Ende.
34 Gib mir Einsicht, und ich will dein Gesetz bewahren und es halten von ganzem Herzen.
35 Leite mich auf dem Pfad deiner Gebote! Denn ich habe Gefallen daran.
40 Siehe, ich sehne mich nach deinen Vorschriften! Belebe mich durch deine Gerechtigkeit!

Woher kommt diese Liebe zu Gottes Geboten, zu seinem Gesetz?
Sie kommt daher, dass einem Christen das Gesetz ins Herz geschrieben ist. Das ist die Verheissung des neuen Bundes. Für den neuen Bund ist eben nicht verheissen, dass das Gesetz überflüssig wird, sondern dass es erfüllt werden will und kann!

Jer 31,31
Ich werde mein Gesetz in ihr Inneres legen und werde es auf ihr Herz schreiben.

Hes 36,26f
Und ich werde euch ein neues Herz geben und einen neuen Geist in euer Inneres geben; und ich werde das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben.
Und ich werde meinen Geist in euer Inneres geben; und ich werde machen, dass ihr in meinen Ordnungen lebt und meine Rechtsbestimmungen bewahrt und tut.

Das Gesetz kommt bei einem Christen nicht mehr als Forderung von aussen an ihn heran, sondern er hat es in seinem Herzen. Das heisst, er ist so verändert, dass er den Wunsch in sich hat, Gott zu gefallen und zu gehorchen.
Und dazu wird er immer mehr auch befähigt, nach Gottes Willen zu leben.
Christ sein heisst nicht, Gottes Gesetz verwerfen zu können, weil es nicht mehr gültig wäre. Es heisst im Gegenteil, einen Weg gefunden zu haben, Gottes Willen tun zu können.
Nicht ohne Sünde. Wir werden immer wieder fallen, solange wir auf dieser alten Erde leben. Aber unsere grundsätzliche Haltung wurde durch die Wiedergeburt eine neue. Wir lieben Gottes Gebote und wollen sie gern tun. Wir sind dazu geschaffen:

Eph 2,8-10
Denn aus Gnade seid ihr errettet durch Glauben, und das nicht aus euch, Gottes Gabe ist es; nicht aus Werken, damit niemand sich rühme. Denn wir sind sein Gebilde, in Christus Jesus geschaffen zu guten Werken, die Gott vorher bereitet hat, damit wir in ihnen wandeln sollen.

Und die guten Werke werden durch das Gesetz, das die Zusammenfassung der Liebe zu Gott und zum Nächsten ist, definiert.

Freitag, 27. April 2007

Wussten Sie schon...?

... dass die Frage um die Freiheit des Menschlichen Willens oder die Frage, ob die Wiedergeburt tatsächlich erst nach der Entscheidung des Menschen für Christus erfolgt, schon lange vor der Reformation und vor der Entstehung der Dordrechter Synode (wo die "5 Punkte des Calvinismus" formuliert wurden) geklärt wurde?

Die Kirche im 6. Jahrhundert setzte sich bereits mit diesen zentralen Wahrheiten auseinander - im Kampf gegen die zersetzende Wirkung des Pelagianischen Heilsverständnisses, das den Menschen quasi an die Stelle Gottes setzte, indem es ihn zum bestimmenden Faktor seines Heils werden liess.

Das Bekenntnis von Orange (529) führte die Kirche zurück zur Lehre der Apostel in Bezug auf die biblische Offenbarung über die Gnade Gottes, also zurück zum monergistischen Verständnis des Heils (Gott allein wirkt alles Entscheidende).

Hier die ersten 8 Artikel des Bekenntnisses von Orange:

1.
Wer sagt, der Mensch sei durch die Beleidigung der Übertretung Adams nicht ganz, d. h. dem Leib und der Seele nach, ”zum Schlechteren gewandelt worden”, sondern glaubt, die Freiheit der Seele habe unversehrt fortbestanden und lediglich der Leib sei der Verderbnis verfallen, der stellt sich - vom Irrtum des Pelagius getäuscht - gegen die Schrift, die sagt: ”Die Seele, die gesündigt hat, wird selbst sterben” (Ez 18,20); und: ”Wisst ihr nicht, dass ihr Sklaven dessen seid, dem ihr gehorcht, wenn ihr euch jemandem als Sklaven zum Gehorsam verpflichtet?” (Röm 6,16); und: ”Von wem einer überwältigt wird, dem wird er auch als Sklave zugesprochen” (vgl. 2 Petr 2,19).

2.

Wer behauptet, die Übertretung Adams habe nur ihm, nicht auch seiner Nachkommenschaft geschadet, oder versichert, jedenfalls sei nur der Tod des Leibes, der die Strafe für die Sünde ist, nicht aber auch die Sünde, die der Tod der Seele ist, durch einen Menschen auf das ganze menschliche Geschlecht übergegangen, der wird Gott ein Unrecht zuschreiben, da er dem Apostel widerspricht, der sagt: ”Durch einen Menschen ist die Sünde in die Welt gekommen, und durch die Sünde der Tod, und so ging er (der Tod) auf alle Menschen über; in ihm haben alle gesündigt” (vgl. Röm 5,12).

3.

Wer sagt, die Gnade Gottes könne aufgrund menschlichen Flehens verliehen werden, nicht aber, die Gnade selbst bewirke, dass sie von uns angerufen wird, der widerspricht dem Propheten Jesaja bzw. dem Apostel, der dasselbe sagt: ”Ich wurde von denen gefunden, die mich nicht suchten; ich wurde denen offenbar, die nicht nach mir fragten” (Röm 10,20; vgl. Jes 65,1).

4.

Wer behauptet, Gott warte auf unseren Willen, damit wir von der Sünde gereinigt werden, aber nicht bekennt, es geschehe durch die Eingießung und das Wirken des Heiligen Geistes in uns, dass wir auch gereinigt werden wollen, der widerstreitet dem Heiligen Geist selbst, der durch Salomo sagt: ”Der Wille wird vom Herrn bereitet” (Spr 8,35 LXX) , und dem Apostel, der zu unserem Heil verkündet: ”Gott ist es, der in uns sowohl das Wollen als auch das Vollbringen nach seinem Wohlgefallen bewirkt” (vgl. Phil 2,13).

5.

Wer sagt, wie das Wachstum, so sei auch der Anfang des Glaubens und selbst die Neigung zur Gläubigkeit - durch die wir an den glauben, der den Sünder rechtfertigt, und zur (Wieder)Geburt der heiligen Taufe gelangen - nicht durch das Geschenk der Gnade - d. h. durch die Einhauchung des Heiligen Geistes, die unseren Willen von der Ungläubigkeit zum Glauben, von der Gottlosigkeit zur Frömmigkeit lenkt -, sondern von Natur aus in uns, der erweist sich als Gegner der Lehren der Apostel, da der selige Paulus sagt: ”Wir vertrauen darauf, dass der, der das gute Werk in euch begonnen hat, es vollenden wird bis zum Tage Jesu Christi” (vgl. Phil 1,6); und jenes Wort: ”Euch ist, was Christus betrifft, nicht nur verliehen, dass ihr an ihn glaubt, sondern auch, dass ihr für ihn leidet” (vgl. Phil 1,29); und: ”Aus Gnade seid ihr gerettet worden durch den Glauben, und dies nicht aus euch: Es ist nämlich das Geschenk Gottes” (vgl. Eph 2,8). Wer nämlich sagt, der Glaube, mit dem wir an Gott glauben, sei natürlich, der behauptet, dass alle die, die nicht zur Kirche Christi gehören, gewissermaßen Gläubige seien.

6.

Wer sagt, wenn wir - ohne die Gnade Gottes - glauben, wollen, uns sehnen, uns anstrengen, uns abmühen, bitten, wachen, streben, verlangen, suchen und anklopfen, dann würde uns von Gott Barmherzigkeit verliehen, nicht aber bekennt, es geschehe durch die Eingießung und Einhauchung des Heiligen Geistes in uns, dass wir glauben, wollen, bzw. alles das zu tun vermögen, wie es sich gehört; und wer den Beistand der Gnade von der Demut und dem Gehorsam des Menschen abhängig macht, aber nicht zustimmt, dass es ein Geschenk der Gnade selbst ist, dass wir gehorsam und demütig sind, der widersetzt sich dem Apostel, der sagt: ”Was hast du, das du nicht empfangen hast?” (1 Kor 4,7); und: ”Durch die Gnade Gottes bin ich das, was ich bin” (1 Kor 15,10).

7.

Wer behauptet, man könne durch die Kraft der Natur und ohne die Erleuchtung und Einhauchung des Heiligen Geistes - der allen die Freude verleiht, der Wahrheit zuzustimmen und zu glauben – irgend etwas Gutes, das für das Heil des ewigen Lebens Bedeutung hat, in geeigneter Weise denken oder erwählen, oder der heilsamen Verkündigung - d. h. der des Evangeliums - zustimmen, der wird durch häretischen Geist getäuscht und versteht nicht die Stimme Gottes, der im Evangelium sagt: ”Ohne mich könnt ihr nichts tun” (Joh 15,5); und jenes Wort des Apostels: ”Nicht dass wir fähig wären, irgend etwas von uns aus zu denken, als ob es aus uns wäre; vielmehr stammt unsere Fähigkeit aus Gott” (2 Kor 3,5) .

8.
Wer behauptet, die einen könnten aufgrund der Barmherzigkeit, andere aber durch den freien Willen - der bekanntlich in allen verdorben ist, die seit der Übertretung des ersten Menschen geboren wurden - zur Gnade der Taufe gelangen, der erweist sich als dem rechten Glauben fremd. Er behauptet nämlich, dass der freie Wille nicht bei allen durch die Sünde des ersten Menschen geschwächt worden sei, oder meint wenigstens, er sei nur so verletzt worden, dass dennoch einige fähig seien, das Geheimnis des ewigen Heiles ohne die Offenbarung Gottes durch sich selbst erwerben zu können. Wie sehr dies widersprüchlich ist, bezeugt der Herr selbst, der versichert, nicht irgendwelche, sondern niemand könne zu ihm kommen, außer ”wen der Vater gezogen hat” (vgl. Joh 6,44), so wie er auch dem Petrus sagt: ”Selig bist du, Simon Bar-Jona; denn nicht Fleisch und Blut haben dir das geoffenbart, sondern mein Vater, der in den Himmeln ist” (Mt 16,17); und der Apostel: ”Niemand kann sagen: ‘Herr Jesus’, außer im Heiligen Geist” (vgl. 1 Kor 12,3).
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Freitag, 20. April 2007

Soli Deo Gloria

Gott allein die Ehre. Einerseits fasst diese Aussage alle andern 'Solas' der Reformation zusammen. Andererseits ist sie der Leitsatz der Reformierten Theologie überhaupt. Das kommt daher, dass sie richtig erkennt, dass alles, was Gott zu tun geplant und auch durchgeführt hat, zu seiner eigenen Ehre geschieht.
z.B. lehrt der Westminster Katechismus, dass der Mensch zu diesem Zweck geschaffen ist (1. Frage: Was ist die höchste Bestimmung des Menschen? Antwort: Gott zu ehren und sich für immer an Ihm zu erfreuen).

Die Heiligen Schriften des Alten und Neuen Testaments sind zu diesem Zweck geschrieben.
Sie sollen Gott und seinen Plan mit der Schöpfung und mit seinem erwählten Volk offenbaren, d.h. zu erkennen geben.
Gott kommt die meiste Ehre zu, wenn Er am meisten der Wirklichkeit entsprechend repräsentiert wird. Die Schrift tut das. Und wer Gott - sein Wesen, sein Wirken - am ehesten der Schrift entsprechend darstellt, macht Ihm die grösste Ehre.

Die Lehre der Rechtfertigung allein aus Gnade, allein durch Christus, allein durch den Glauben stellt Gottes Heilsplan, sein souveränes Wirken am meisten der Wirklichkeit entsprechend dar. Deshalb ist die systematische Darstellung der biblischen Lehre über Gott, den Menschen, die Sünde, die Erlösung, die Gemeinde, wie sie die reformierte Theologie pflegt, diejenige, die Gott am meisten ehrt.

Das mag arrogant klingen. Es enstpricht aber schlicht der Wahrheit.
Die monergistische Sicht von Gottes Wirken repräsentiert den Gott, der "alles nach dem Rat seines Willens wirkt" (Eph 1,11).
Sie macht Gott so gross, wie Er wirklich ist. Man kann Gott - der allmächtig ist - nicht zuviel Macht zuschreiben, nur zu wenig. Auch die anderen systematisch-theologischen Systeme schreiben Gott in der Regel Allmacht zu. Nur die Reformierte ist darin aber so konsequent, dass sie auch ausspricht, in welchen Bereichen diese Allmacht 'greift'.

Die Dordrechter Synode formulierte konkret, wie Gott in seinem ganzen Heilswirken diese Allmacht ausübt. Er erwählt die von der Sünde vollkommen verdorbenen Menschen, die Er will, zum ewigen Heil in Christus. Er rechtfertigt sie durch das stellvertretende Leben und Sterben Christi und beruft sie mit wirksamem Ruf, dem sie nicht widerstehen werden.
Und er bewahrt sie vollkommen in dem Heil, für das Er sie bestimmt hat, obwohl sie von Natur aus alles tun, das sie dieses Heil wieder verlieren liesse, wenn Er es zuliesse.

Geben wir doch Gott soviel wie möglich von der Ehre, die Er verdient, indem wir diese Wahrheiten, die uns die Schrift eindeutig über Ihn offenbart, glauben und lehren.
Und wie gesagt: Wir können Gott gar nicht zuviel Macht zuschreiben. Denk darüber nach, wenn du hörst, wieviel angeblich der Mensch mitzureden haben soll, wie Er sich angeblich gegen Gottes Handeln und Planen stellen können soll...
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Montag, 2. April 2007

Sola Gratia

Das 'Sola Gratia' der Reformation richtet sich zunächst gegen das Gnaden-Verständnis der römischen Kirche. Diese kannte den Begriff der Gnade sehr wohl auch. Auch die Papisten sprachen von der Rechtfertigung aus Gnade. Das tut die römisch-katholische Kirche bis heute.
Der Unterschied liegt in der Betonung auf dem 'Sola', dem allein aus Gnade.

Die Lehre der Reformatoren von der Rechtfertigung allein aus Gnade führte zurück zum biblischen 'Monergismus' gegenüber dem 'Synergismus' der katholischen Sicht.
Monergismus (zusammengesetzt aus 'monos' - allein, einzig - und 'ergon' - Werk) heisst, dass Gott allein das Heil des Menschen bewirkt, und das vom Anfang bis zum Ende. Während Synergismus (syn = mit) meint, dass der Mensch mit Gott zusammenwirkt.

Die römische Theologie spricht dem Menschen die Möglichkeit zu, durch sein frommes Bemühen das Nötige zu der vorlaufenden Gnade Gottes hinzutun zu können. Sie folgen dabei den Lehren des Pelagius, der quasi lehrte, dass der menschliche Wille durch den Sündenfall unversehrt blieb und somit aktiv zur Erlangung des Heils beitragen kann.
Die Reformatorische Rechtfertigungslehre dagegen zeigte, dass der Mensch aufgrund seiner totalen Verdorbenheit eben keinen Rest an 'Gutem' in sich hat, das ihn befähigen könnte, an seiner Rettung oder auch an der Vollendung seines Heils mitzuwirken.

Die Bibel lehrt eindeutig, dass der natürliche Mensch ohne Gottes souverändes Eingreifen weder Einsicht in seinen verlorenen Zustand hat, noch den Wunsch nach Rettung aus demselben, noch die Kraft oder den Willen hat, irgend etwas geistlich Gutes zu vollbringen.
Er ist unter die Sünde versklavt (Joh 8,34), er ist verfinstert am Verstand (Eph 4,18), er ist geistlich tot (Eph 2,1). Er kann nichts wollen und nichts tun, das ihn in Gottes Nähe bringen würde.

Sola Gratia heisst: Es ist Gottes gnädige Initiative von Anfang an, dass ein Mensch zum Glauben an Christus kommen und in diesem Heil bis zum Ende bleiben kann. Gott erwählte die Seinen vor Erschaffung der Welt und beruft sie wirksam in einem bestimmten Moment in ihrem Leben (Eph 1,4; 1,11; Rö 8,28-30). Diejenigen, die Er so gerettet hat, die hat Er vollkommen gerettet. Das heisst, nicht nur so, dass sie wieder aus diesem Status herausfallen könnten.
Wenn das Bleiben im Heil nur zu einem kleinsten Teil am Menschen liegen würde, könnte niemand definitiv gerettet sein und bleiben. Das menschliche Vermögen, die menschliche Kraft reicht niemals dazu. Es ist allein Gottes Gnade, die jeden einzelnen an jedem Tag seines Christenlebens bewahrt (Joh 10,27-29).

Die römisch-katholische Theologie von heute und der evangelikale Arminianismus von heute sind sich darin einig, der Reformatorischen Theologie vor allem in diesem Punkt - Sola Gratia - zu widersprechen.
Leider sind die Evangelikalen hier schon längst wieder vom katholischen Synergismus eingeholt worden, ohne es so richtig zu merken. Deshalb scheint zum Einen heute auch vielerorts eine Zusammenarbeit vielen völlig unbedenklich zu sein. Im Dialog mit Römisch-Katholischen erkennen sie den Unterschied nicht zwischen der römischen und der reformierten Sicht von Gnade. Weil sie nicht verstehen, wie wichtig das Wörtlein 'Sola' ist.
Zum Anderen hat diese mangelnde Unterscheidung bei vielen konservativen Evangelikalen, die nie mit Katholiken zusammenarbeiten würden, dennoch eine der römisch-katholischen Sichtweise ähnliche Gesetzlichkeit bewirkt.

'Sola Gratia' wirklich zu verstehen, würde nicht nur eine klare Unterscheidung von dem häretischen römischen System und seiner falschen Lehre über Rechtfertigung und Heiligung bringen, sondern auch vielen Evangelikalen helfen, ihren Glauben in wahrer Christlicher Freiheit zur Ehre Gottes zu leben.
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Samstag, 17. März 2007

Sola Fide

Allein der Glaube. Dieser Punkt ist eigentlich derjenige, der die Reformation 'ins Rollen' gebracht hat. Luther gelang es, anhand der Bibel eine grosse Anzahl seiner Studenten und Leser zu überzeugen, dass die römische Ablass-Lehre und damit das ganze Rechtfertigungsverständnis, das besagt, der Mensch trage mit seinen frommen Werken etwas zu seiner Rettung bei, falsch ist,

Sola Fide besagt, dass der Mensch allein durch das Vertrauen auf Christus und sein Erlösungswerk gerechtfertigt wird. Der Biblische Begriff 'Glauben' bedeutet, dass man sich auf etwas verlässt, abstützt.
Glauben, um gerechtfertigt zu werden, heisst, sich auf das zu verlassen, was Gott getan hat und wovon Er in seinem Wort verspricht, dass er es zu unserer vollkommenen Rettung verwendet.

Da 'Allein der Glaube' bedeutet, dass man sich zu seiner Rechtfertigung auf Christus verlässt, ist es unumgehbar, auch den Begriff 'Rechtfertigung' zu klären. Also, was bedeutet nach der Heiligen Schrift Rechtfertigung?

Gott ist gerecht und fordert Gerechtigkeit
Die Grundwahrheit, von der wir ausgehen müssen, ist Gottes absolute Gerechtigkeit und seine Forderung nach Gerechtigkeit bei jedem Menschen.
Wir sind von Gott geschaffen, damit wir als Geschöpfe sein Wesen, seine Heiligkeit widerspiegeln. Dazu ist es notwendig, dass wir ebenso wie Er heilig sind.
Was Gott im Gesetz zu den Israeliten sagt, gilt ursprünglich für alle Menschen:
Seid heilig, denn ich bin heilig (Lev 20,26)

Es ist von daher unmöglich, dass irgendjemand mit Gott Gemeinschaft haben kann, der nicht vollkommen heilig (gerecht) ist. Nur wer gerecht ist, kann in der Nähe Gottes bestehen.

Wir sind ungerecht
Das Problem des Menschen ist, dass keiner diese Gerechtigkeit hat. Durch die Sünde des ersten Menschen, Adam, ist die Ungerechtigkeit zu allen Menschen durchgedrungen (Rö 5,12) und niemand erfüllt mehr die Forderung Gottes nach Gerechtigkeit (als Illustration dazu siehe v.a. die ersten drei Kapitel des Römerbriefes, insbesondere Rö 3,12). Der Mensch ist der Ungerechtigkeit ausgeliefert und er kennt keinen Weg, wie er wieder gerecht werden könnte.

Diese Wahrheit ist, oberflächlich betrachtet, soweit bekannt. Aber dennoch wird die totale Verdorbenheit des Menschen oft nicht deutlich genug betont.
Es soll nicht darum gehen, dass wir das Schlechte und das Böse möglichst hervorheben, um die Menschen schlechter zu machen, als sie sind.
Es ist tatsächlich so, dass die meisten Menschen, auch Christen, besser vom Menschen denken, als er ist. Man will das 'Gute im Menschen' doch auch sehen.
Man spricht vom suchenden Menschen, der das Gute will. Jeder habe doch eine grundsätzlich gute Anlage in sich, die Gott in ihn hinein gelegt hat.

Man möchte wohl Gottes Liebe zu allen Menschen betonen und sie auch nachleben. Dabei kommt man zu der falschen Annahme, dass man, um zu lieben, etwas Liebenswertes im Andern braucht. Nach dem Motto: der Mensch verdient es, geliebt zu werden.

Diese Denkweise ist durch humanistisches Gedankengut, vielfach auf dem Weg über Erzieher und Lebensberater, z.B. sogenannte christliche Psychologen, die eine weltlich-humanistische Ausbildung genossen haben, in die Gemeinde hineingekommen.

Die Bibel kennt diese Gedanken nicht. Nach ihrem Zeugnis ist der Mensch vollkommen verdorben und all 'seine Gerechtigkeit' ist nichts als lauter schmutzige Lumpen.
Wie aber können wir denn nun trotzdem vom Biblischen Zeugnis der Liebe Gottes zu den Menschen sprechen? Wie kann es geschehen, dass der gerechte Gott nicht trotzdem alle Menschen verwirft?

Christus wird Stellvertreter
Das biblische Konzept der Stellvertretung hilft uns, diese Frage zu beantworten.
Der Sohn Gottes, so sagt uns der Apostel Paulus, wurde von Gott für uns zur Sünde gemacht, damit wir Gottes Gerechtigkeit würden in ihm (2Kor 5,21).
Die Stellvertretung Jesu Christi umfasst zwei Aspekte: Christus lebte ein vollkommen gerechtes Menschenleben und Er wurde für unsere Ungerechtigkeit bestraft.

Sein Leben auf dieser Erde ist das einzige Menschenleben, das jemals in Gottes Augen gut – gerecht – war. Der Herr Jesus erfüllte die von Gott geforderte Gerechtigkeit vollkommen. Er hat weder in Gedanken, noch in Worten oder Taten jemals gesündigt.

Nur deshalb konnte Er auch den zweiten Aspekt erfüllten; Er wurde ein vollkommenes Opfer für unsere Sünde. Erst Er konnte erfüllen, was durch Tieropfer niemals vollbracht werden konnte, nämlich Sünde austilgen (Heb 10,4f).

Christus macht gerecht
Auf diese Weise hat nun Christus uns – seinem Volk – die geforderte vollkommene Gerechtigkeit erworben. Gott hat sich ein Volk erwählt und Christus hat es durch sein Leben und seinen Kreuzestod erworben (Tit 2,14; 1Pet 2,9; Eph 5,25-27).
Damit ist gesagt, dass nichts auf der Seite des Menschen getan werden konnte, um ihn in die rechte Stellung vor Gott zu bringen, sondern Gott allein ist der Initiant unseres Heils, in jeder Hinsicht.
Es ist der rechtfertigende Gott, der uns durch Christus gerecht macht. Dabei müssen wir festhalten, dass wir eigentlich nicht von einem 'gerecht machen', sondern von einem 'gerecht sprechen' reden müssen.
Gerechtfertigt zu werden, heisst nicht, dass man danach gerecht 'ist', sondern, dass man als gerecht 'erklärt wird.

Der Begriff 'Rechtfertigung' in der Bibel stammt aus der Sprache der Justiz. Er bedeutet soviel wie ein Freispruch. Der Richter erklärt, dass der Angeklagte von seiner Schuld freigesprochen ist. Normalerweise sollte das natürlich nur geschehen, wenn der Angeklagte tatsächlich unschuldig ist. In unserem Fall ist es aber nicht so; wir sind eindeutig schuldig, werden aber freigesprochen. Warum kann das sein? Verzichtet Gott auf seine Gerechtigkeit?

Nein! Sondern Er rechnet uns die Gerechtigkeit seines Sohnes an. Weil Er alle Gerechtigkeit erfüllt hat und gleichzeitig unsere Schuld gesühnt hat, kann das geschehen.
Wir werden niemals eine eigene Gerechtigkeit haben, auf Grund der uns Gott annehmen kann, sondern es ist eine fremde Gerechtigkeit, die uns zugesprochen, angerechnet wird.
Und zwar wird uns die Gerechtigkeit Christi in dem Moment angerechnet, wo wir – weil wir unsere eigene Ungerechtigkeit erkennen – auf das Werk Christi für uns vertrauen (Rö 4,5).

Die Lehre der Rechtfertigung kann nicht isoliert betrachtet werden
Wenn wir die Rechtfertigungslehre der Bibel verstehen, dann werden wir immer deutlicher erkennen, dass diese nicht eine Sache für sich ist. Sie kann nicht isoliert betrachtet werden. Obwohl wir ganz deutlich zwischen den beiden trennen müssen, ist es dennoch wichtig zu sehen, dass die Rechtfertigung ganz eng mit der Heiligung zusammenhängt.
Wir sind gerechtfertigt, damit wir von da an nach Gottes Willen leben können.

Die Rechtfertigungslehre hängt auch mit der Lehre von der Erwählung zusammen.
Gott hat sich ein Volk erwählt, für das Christus der Stellvertreter geworden ist, indem Er für es gelebt hat und gestorben ist und auch jetzt für es lebt.
Dann hängt die Lehre der Rechtfertigung auch mit derjenigen von der Sicherheit unseres Heils zusammen. Derjenige, der gerecht gesprochen ist, für den Christus am Kreuz gestorben ist, wird nicht mehr für seine Sünde zur Rechenschaft gezogen werden.
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Freitag, 2. März 2007

Solus Christus

Christus allein rettet von der Sünde und der gerechten Strafe Gottes. Es hilft kein menschliches Zutun, noch ist solches von Gott gefordert, resp. erlaubt.

Die Person Jesus Christus kann als die Notwendigkeit hinter den Formulierungen sola gratia und sola fide bezeichnet werden. 'Allein der Glaube' bedeutet allein der Glaube an Christus, 'allein die Gnade' meint die Gnade Gottes, die uns allein in Christus gewährt wird.
Weiter könnten wir noch sagen, dass auch der Begriff 'allein die Schrift' aussagt, dass die Heilige Schrift uns im Endeffekt nichts anderes als Christus als den einzigen Heilsweg offenbart, und dass auch nur das, was in Christus geglaubt, gedacht und getan wird, Gott Ehre macht (soli Deo gloria).

Der Terminus 'Solus Christus' ist in der Abgrenzung der Lehre der römischen Kirche formuliert worden. Die römische Kirche lehrte und tut das bis heute, dass das Opfer Christi nicht genügt, um das Heil vollkommen zu bewirken, sondern durch seinen Tod am Kreuz wird das Heil lediglich zugänglich gemacht.
Der Mensch, der das Heil begehrt, vollendet es im Prinzip selber, indem er die dazu notwendigen religiösen Riten der Kirche einhält und dazu gute Werke tut, die ihm angerechnet werden. Was dann noch zuwenig ist, kann ihm aus dem grossen Pool der überschüssigen guten Werke der Heiliggesprochenen zugesprochen werden, wenn er entsprechend sich um Ablass bemüht.

Nicht nur die römische Kirche bestritt die Lehre, dass Christus allein der Anfänger und Vollender unseres Heils ist. Sie hatte viele Nachfolger darin, die bis in die heutige Zeit selbst im evangelikalen Sektor einen grossen Einfluss haben.
Sie sogenannte synergistische Sicht vom Heil ist sogar die am weitesten Verbreitete. Es ist die Sicht, dass Christus zwar das Heil möglich gemacht hat, dass aber der Mensch 'seinen' Glauben hinzufügt und sich durch gute Werke die Bewahrung seines Glaubens selbst bewirkt.

Die meisten Evangelikalen lehnen das reformierte Verständnis ab, dass Christus wirklich das ganze Heil durch sein Leben und Sterben bewirkt hat - es eben nicht nur ermöglicht hat, sondern tatsächlich vollbracht hat, so dass derjenige, für den Er stellvertretend gestorben ist, wirklich zum Glauben kommt, weil sein Widerstand durch den Heiligen Geist überwunden wird und ihm der nötige Glaube geschenkt wird, und dass Er auch im Glauben bleibt, weil das Werk Christi auch die Vollendung der Heiligung garantiert.

'Solus Christus' beinhaltet aber, dass eben diese Tatsachen anerkannt werden und dass nichts von menschlicher Seite hinzugefügt wird, das unsere Rettung begünstigen oder sichern könnte.
Es bedeutet auch, dass wir auf jede Form von Frömmigkeit oder Kirchenordnung verzichten, wenn sie uns als etwas präsentiert werden, das notwendig zu unserer Rettung und Bewahrung beachtet werden muss.
Solches müsste als 'Gerechtigkeit nach dem Gesetz' denunziert werden und gehört letztlich in die Kategorie der Dinge, die uns von Christus trennen.

Gal 5,4
Ihr seid von Christus abgetrennt, die ihr im Gesetz gerechtfertigt werden wollt; ihr seid aus der Gnade gefallen.
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Freitag, 2. Februar 2007

Sola Scriptura

Die Bibel ist nicht mehr wirklich einzige Quelle und alleiniger Massstab für den Glauben, das Denken und Leben der Christen.
Die Reformation im 16. Jh. hat bewirkt, dass der 'Fluss' der christlichen Theologie von den allermeisten Verunreinigungen und von unnützem Treibgut gereinigt wurde.
In den Jahrhunderten danach bis heute - am stärksten wohl im 19. und 20. Jh. ist laufend und zunehmend wieder eine Menge an Gift und schädlichem Material hinzugeflossen. Das Christliche Gedankengut ist vermischt mit allerlei menschlichen Philosophien, liberaler Theologie, Humanismus, Psychologie, Feminismus, usw.

Die Bedeutung der Bibel für das ganze Christenleben, für die Theologie und die Gemeinde ist fast unmerklich herabgestuft worden. Das Wort Gottes wird meistesn nur noch gebraucht für die Erbauung der frommen Gefühle einer desorientierten Christenheit.

Probleme im persönlichen Leben und in Beziehungen in der Gemeinde werden versucht, mithilfe humanistisch-psychologischer Lehren zu lösen.
Probleme in Leitungsfragen der Gemeinde werden nach vermeintlichen 'Erkenntnissen' aus Politik, Management und Business angegangen.
In Mission und Evangelisation wird nach Marketing-Strategien gearbeitet.
Zusammengefasst könnte man sagen, dass man nach Mitteln und Lösungen sucht, die schnell funktionieren sollen.

Entgegen dem Genannten ist das Wort Gottes in all diesen Bereichen eher sehr langsam wirksam. Das bringt in unserer immer schnelllebigeren Welt gewisse Nachteile. Wir können es heute fast nicht mehr aushalten, wenn wir nicht innert kurzer Frist die Resultate unserer Bemühungen sehen können.
Was wir aber dabei so oft vergessen ist, dass das Wort Gottes genau die Resultate in genau der Zeit bringt, wie es Gott haben will.

Als Gemeinde Gottes, als sein Volk, sollten wir nicht nach Lösungen suchen, die uns und unsere Komfortgelüste, unser Gefühlsleben und unsere Vorstellungen von Effizienz befriedigen.
Daran ist Gott wahrscheinlich gar nicht interessiert.
Gott sucht seine Ehre, die offenbart wird, indem Er durch sein - selbstwirksames - Wort wirkt. Und diese Ehre sollten wir auch suchen. Überall, in unserem eigenen Leben, in unseren Gedanken, Empfindungen, Beziehungen, im Gemeindeleben, in der Welt.

Dieses Wort Gottes muss wieder normativ und formativ (das heisst: Mass-gebend - es ist die Norm für alles, was wir tun, und formend - es prägt das Wesen von allem, was wir tun) werden.
Ich glaube, der Grund dafür, dass die Schrift im Christenleben so an Bedeutung verloren hat, ist der mangelnde Glaube an ihre Kraft.

Wir glauben einfach mehr an unser eigenes Können und unsere eigene Klugheit als an Gottes lebenschaffendes und lebensveränderndes Wort.
Sich an den Grundsatz 'Sola Scriptura' zu halten, würde heissen, von allen menschlichen Bemühungen in sämtlichen Bereichen des Christenlebens abzulassen und allein auf diese Kraft des Wortes Gottes zu vertrauen.

Das fängt an mit dem Bekenntnis zur absoluten Autorität und Unfehlbarkeit der Schrift für jeden Lebensbereich. Aber beim Bekenntnis dürfen wir nicht stehenbleiben. Dem Bekenntnis muss das Wagnis folgen, sich uneingeschränkt und ohne Rückhalt auf die Anweisungen und Versprechen der Heiligen Schrift einzulassen. Ganz egal, ob die menschliche Vernunft, die politische Korrektheit oder irgend eine andere alte oder populäre Philosophie dem zustimmt.

Wenn wir wirklich an die uneingeschränkte Autorität und Kraft des Wortes Gottes glauben, dann können wir ganz getrost und unbeeindruckt vom ängstlich-pragmatischen Betrieb um uns herum eine Missions- und Evangelisationsarbeit ohne Hilfe von Marketigstrategien pflegen und glauben, dass das Reich Gottes wächst, indem wir einfach bezeugen, was Gottes Wort in unserem Leben bewirkt.

Diese Wirkung des Wortes allein können wir erleben, wenn wir Seelsorge und Lebensberatung machen, ohne die Ideen aus der humanistisch-psychologischen Beratung miteinzubauen, weil wir überzeugt sind, dass seelische Gesundheit heisst, dass bei einem Menschen die Frucht des Heiligen Geistes wächst. Diese wirkt der Geist ja durch das Wort.

Die Ausrichtung an der Heiligen Schrift allein würde in unseren Gemeinden auch bewirken, dass wir männliche Gemeindeleitungen haben. Auch wenn das allem entgegensteht, was in der Welt an Führungsstilen praktiziert wird.
Gott hat beschlossen, seine Gemeinde durch Männer zu führen, die Er dazu beruft. Wir brauchen uns nicht zu fragen, welche femininen Anteile dann vielleicht fehlen oder zu kurz kommen. Wenn Gottes Wort uns seinen Willen so offenbart, dann ist es so am besten für die Gemeinde.

Ich könnte unendlich weiterfahren. Es läuft immer auf dasselbe hinaus: Glauben wir wirklich, dass das Wort Gottes, die Heilige Schrift des Alten und Neuen Testaments, alles wirkt und alles verändert, was Gott wirken und verändern will?
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