Montag, 31. Dezember 2007

Warum ich keine Jahreslose ziehen lasse

Ich lasse in meiner Gemeinde keine Jahreslose ziehen, weil...

...wir seit Beginn dieses Zeitalters (neutestamentliche Zeit) keine Lose mehr ziehen, um den Willen Gottes zu erfahren
...der christliche Glaube keine Orakel kennt
...seit der Vollendung des NT-Kanons die Zeit besonderer (persönlicher) Prophezeiungen vorüber ist

Wenn es aber dennoch angebracht wäre, per Los persönliche Verse aus der Bibel zugesprochen zu bekommen, müsste dann nicht die ganze Bibel in Form von Losen zur Verfügung stehen? So dass nicht nur die schönen, angenehmen, bestätigenden Verse gezogen werden können, sondern eben die ganze Breite des biblischen Wortes.

So würden dann auch Verse wie Mt 18,6b gezogen werden. Und eine ganze Reihe anderer dazu. Hier eine kleine Auswahl der Möglichkeiten:

Mt 16:23
Geh hinter mich, Satan! Du bist mir ein Ärgernis, denn du sinnst nicht auf das, was Gottes, sondern auf das, was der Menschen ist.


Mt 18:6
Für den wäre es besser, daß ein Mühlstein an seinen Hals gehängt und er in die Tiefe des Meeres versenkt würde.


Gen 4:12
Unstet und flüchtig sollst du sein auf der Erde!


Mt 3:7
Otternbrut! Wer hat euch gewiesen, dem kommenden Zorn zu entfliehen?


Mt 4:7
Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen.


Hos 1:2
Geh, nimm dir eine hurerische Frau und zeuge hurerische Kinder!


Hes 13:8
Darum, so spricht der Herr, HERR: Weil ihr Nichtiges redet und Lüge schaut, darum, siehe, will ich an euch, ist der Ausspruch des Herrn.

Donnerstag, 27. Dezember 2007

Ist die Form doch wichtig?

Wir Christen betonen oft, dass an unserem Glauben nicht das Äussere wichtig ist, sondern die innere Haltung. Dem möchte ich zumindest zum Teil widersprechen.
Mit dem, was wir äusserlich in Erscheinung bringen, zeigen wir doch, wie unsere innere Haltung ist. Zum Beispiel widerspiegelt die Kleidung entweder den Charakter des Menschen, der sie trägt, oder sie zeigt zumindest, wie dieser Mensch gesehen werden will.

Ich will aber auf etwas anderes hinaus. Es geht mir um den Gottesdienst. Nicht um den alltäglichen, sondern um die Veranstaltung, die wir Gottesdienst nennen.
Mir ist kürzlich am praktischen Beispiel neu klar geworden, dass die Form des Gottesdienstes eben nicht egal ist.

Ich besuchte einen Weihnachtsgottesdienst in einer anderen Gemeinde, weil wir (nicht unter Berufung auf das regulative Prinzip!) am 25. Dezember keinen Gottesdienst hielten.
Ich wurde gehörig enttäuscht.
(Es geht mir jetzt nicht darum, diese betreffende Gemeinde zu verurteilen. Es geht mir um die Sache in dieser einen Veranstaltung.)

Ich hatte irgendwie den Eindruck, dass man nicht wie jedes Jahr einfach das Thema Weihnachten wiederholen wollte, sondern etwas interessantes, spannendes bringen und dabei gleichzeitig die Bedeutung von Weihnachten erklären wollte.
Diesen Eindruck habe ich oft in evangelikalen Veranstaltungen, dass man von menschlicher Seite her etwas interessanter und attraktiver machen will, weil man noch nicht verstanden hat, wie attraktiv das Evangelium ist, das nicht in menschlichen Firlefanz eingekleidet ist.

Also, damit sich die Anwesenden nicht einfach nur eine Predigt anhören müssen, hat man sich die Idee ausgedacht, dass der Prediger den Apostel Paulus spielt, der in einer Art Fernsehshow interviewt wird.
Das Ganze lief ohne grosse Aufmachung ab. Der Interviewer und "Paulus" sassen sich gegenüber und sprachen miteinander über die Bedeutung von Weihnachten.
Dabei hat der Prediger eigentlich Gal 4,4 ausgelegt. Er tat das einfach nicht als der Prediger dieser Gemeinde, sondern als "Apostel Paulus", der in einem Interview Fragen beantwortet.

Die Auslegung des Verses war korrekt. Sie enthielt wertvolle Gedanken. Man merkte, dass der Prediger weiss, wie man exegetisch arbeitet.
Aber ich fragte mich: warum muss er denn dieses Gehabe drum herum machen? Wo die Leute noch klatschen, wenn der Apostel Paulus hereinkommt, um vom Interviewer begrüsst zu werden.
Ich habe mir wirklich Mühe gegeben, die Form möglichst zu ignorieren und den Inhalt zu würdigen (wer mich kennt, weiss, wie schwer mir das in einer solchen Situation fällt), aber es ist dennoch so, dass mir das Drumherum so im Weg gestanden ist, dass ich nichts als ein dummes Gefühl mit nach Hause nahm.

Als wir als Familie auf dem Heimweg diskutierten, merkte ich, dass es nicht nur mir so gegangen ist. Auch meine Kinder sagten: "Das war ja gar keine Predigt!" und "Da wurde ja der Mensch gross gemacht und nicht Gott!" ...und das, obwohl der Prediger sehr wohl Gott gross machte in seinen Worten.
Aber auch meiner Familie ging es so, dass für sie die Form den Inhalt erdrückt hat. Und deshalb ist der Inhalt nicht richtig rübergekommen.

Einmal mehr wurde mir am praktischen Beispiel klar, wie wichtig eben auch die Form im Gottesdienst ist. Gottes Wort und unsere Anbetung brauchen das richtige Gefäss, um 'transportiert' zu werden.
Deshalb halte ich es je länger je mehr für wichtig, dass wir darauf Acht geben, wie wir die Liturgie des Gottesdienstes gestalten. Ich glaube nicht, dass es hilfreich ist und die Leute 'abholt', wenn wir eine möglichst lockere Haltung an den Tag legen, wenn wir einen Gottesdienst leiten.

Im Gegenteil: Wenn wir uns bewusst sind, mit wem wir es zu tun haben (Wir kommen gemeinsam vor Gott - wegen Gott und nicht wegen den Gästen, die gar nicht wirklich in einem Gottesdienst dabei sein wollen, sondern nur dem Einladenden einen Gefallen getan haben), dann werden wir alles dransetzen, dieser Tatsache auch in der äusseren Form Rechnung zu tragen.

Die Form soll den Anwesenden nicht dazu führen, sich entspannt nach hinten zu lehnen und zu geniessen, sondern sich bewusst zu werden, dass er in die Gegenwart Gottes tritt.
Wenn er sich dieser Tatsache bewusst ist, dann wird ihn auch eine mittelmässige Predigt nicht langweilen.
Noch einmal: Die Form ist nicht das Eigentliche am Gottesdienst. Sie ist aber das "Gefährt", das die Anbetung und das Wort Gottes 'transportiert', deshalb ist wichtig, dass sie zu ihrem Inhalt passt!

Dienstag, 18. Dezember 2007

Verschwörungstheorien

Wer kennt nicht die Verschwörungstheorien, die Welt sei von irgend einer Machtgruppe gesteuert, das Weltgeschehen, die Kriege, usw. werden von Gruppen wie den Freimaureren, der Römischen Kirche, usw. so beeinflusst, dass sie am Ende die Kontrolle übernehmen könnten.

Welches ist die wahre, die eigentliche Verschwörung?
Die folgenden beiden Videos von Dr. Robert Morey bringen es gut auf den Punkt:


Sonntag, 16. Dezember 2007

Evangeliquallismus

Die Apostel haben diese Tierchen wohl nicht gekannt. Sonst hätten sie sicher auch von den Evangeli-Quallen gesprochen, die in der Endzeit auftauchen werden.

Diese Tiere sind sehr beweglich, flexibel, weil sie kein Rückgrat haben.
Sie sind transparent, dadurch sind sie kaum sichtbar, sie verschmelzen sozusagen mit ihrer Umgebung.
Sie halten sich vorzugsweise in seichten Gewässern auf. Deshalb können sie leicht gefangen werden oder an den Strand gespült werden, wo sie dann vertrocknen.

Sie sind aber nicht so harmlos, wie sie aussehen. Die Berührung mit ihnen kann äusserst unangenehm werden. Sie können ziemlich giftig sein.
Also, nehmt euch in Acht, dass ihr nicht zu einer Evangeliqualle werdet!

Dienstag, 4. Dezember 2007

Sinneswandel bei Willow Creek?

Schön wärs!!
Als ich zuerst hörte, dass es bei Bill Hybels und Willow Creek einen Sinneswandel gegeben haben soll, dachte ich: "Super!"
Ich hatte ein paar kurze Meldungen gelesen, wonach den Willow Creekern bewusst geworden sein soll, dass sie mit ihrem consumer-oriented service doch nicht das erreicht hätten, was sie sich eigentlich gedacht hätten.
Hybels selbst sagte, dass sie diverse Prioritäten falsch gesetzt hätten. Zum Teil nicht da, wo sie Gott setzt (hab ich im Originalton selber gehört).

So ein 'Bekenntnis' weckt Hoffnungen bei denen, die dem Programm von Willow Creek kritisch gegenüber standen. Doch die Hoffnung, dass es eine wirklich Einsicht und darauf folgend eine Umkehr gibt, müssen wir uns wohl abschminken.

In seinen Erklärungen äusserte sich Bill Hybels folgendermassen:
"Viele unserer langjährigen Mitglieder sagten uns, dass immer zu kurz gekommen seien, dass sie sich mehr geistliche Nahrung und mehr Tiefgang gewünscht hätten. Da habe ich mir gedacht, ob ich ihnen einen alten Seminar-Dozenten besorgen soll, der sie durchfüttert, bis sie kotzen."
(Er hat wirklich das umgangssprachliche Wort 'barf' gebraucht!)
Seiner wohl humorvoll gedachten Äusserung folgte ein Riesen Gelächter.

Ich bin tatsächlich erschrocken. Der "Erkenntnis", dass es den Schafen an guter Nahrung mangelt, folgt eine solch arrogante Bemerkung und die Feststellung, dass sie sich eben ihre Nahrung irgendwie besorgen müssen.
Nur: die Hirten ihrer eigenen Gemeinde sind nicht bereit, ihre Schafe zu füttern.
Sie möchten lieber die Böcke gut unterhalten!

Mich erinnert diese Haltung an die vielen falschen Propheten, die - als ihre Prophezeiungen nicht eingetroffen sind - einfach mit einem Schulterzucken eine neue Vorhersage rauslassen und zur Tagesordnung übergehen.
Ich finde das zum...[siehe oben im Hybels-Zitat]

Donnerstag, 29. November 2007

Gottes Allmacht und Gebet

Die Lehre von Gottes Allmacht berührt auch das Gebet.
Wie kann Gott auf Gebete antworten und entsprechend handeln, wenn Er nicht wirklich allmächtig ist?
Die Frage betrifft insbesondere die Gebete um Bekehrungen.
Wer glaubt, dass Gott dem Ungläubigen einen freien Willen gibt, den Er nicht antasten kann oder will, der sollte es aufgeben, für Bekehrungen zu beten.
John Piper schrieb zu dieser Frage einen hilfreichen Artikel, den ich hier wiedergeben will:

Die Souveränität Gottes und Gebet

Ich werde oft gefragt: "Wenn Sie glauben, dass Gott alles nach dem Rat seines Willens wirkt (Epheser 1,11) und dass er alle vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Dinge unfehlbar kennt, warum sollte man dann noch dafür beten, dass etwas bestimmtes geschieht?" Gewöhnlich wird diese Frage bezüglich der menschlichen Entscheidungsfreiheit gestellt: "Wenn Gott einige dazu vorherbestimmt hat, seine Kinder zu sein, und sie vor Grundlegung der Welt dazu erwählt hat (Epheser 1,4.5), warum sollte man dann überhaupt noch für die Bekehrung von jemandem beten?"

Dieses Argument besagt implizit, dass Gebet für alle Menschen nur dann möglich ist, wenn alle Menschen die Möglichkeit der freien Willensentscheidung haben. D.h. die Entscheidung des Menschen müsse letztendlich seine Sache sein und nicht Gottes. Andernfalls wären seine Entscheidungen von Gott vorherbestimmt und in Wirklichkeit in Gottes ewigem Ratschluss fest gemacht. Wir wollen nun anhand des oben zitierten Beispiels prüfen, ob dieses Argument schlüssig ist.

1. "Warum sollte man für die Bekehrung von jemandem beten, wenn Gott vor Grundlegung der Welt erwählt hat, wer seine Kinder sein werden?" Jemand, der sich bekehren muss, ist "tot in Übertretungen und Sünden" (Epheser 2,1); er ist "unter die Sünde versklavt" (Römer 6,17; Johannes 8,34); "der Gott dieser Welt hat seinen Sinn verblendet, damit er das Licht des Evangeliums der Herrlichkeit Christi nicht sieht" (2. Korinther 4,4); sein Herz ist gegen Gott verhärtet (Epheser 4,18), sodass er Gott gegenüber feindlich und in Rebellion gegen Gottes Willen lebt (Römer 8,7).

Nun möchte ich die Frage in umgedrehter Form an den Fragesteller richten: Wenn Sie darauf bestehen, dass dieser Mensch sich letztendlich Kraft seines Willens frei entscheiden kann, warum beten Sie dann überhaupt für ihn? Was möchten Sie, solle Gott für diesen Menschen tun? Sie können Gott nicht bitten, die Rebellion dieses Menschen zu überwinden, denn zu dieser Rebellion hat er sich ja gerade selbst entschlossen, und das würde bedeuten, dass Gott sich über die Entscheidung dieses Menschen hinwegsetzt und ihm seine Entscheidungsfreiheit wegnimmt. Aber wie kann Gott ihn retten, wenn er nicht das Herz dieses Menschen ändert und das verhärtete, feindselige Herz austauscht gegen ein Herz des ergebenen Glaubens?

Wollen Sie dafür beten, dass Gott den Verstand dieses Menschen erleuchte, damit er Christus wirklich erkennt und an ihn glaubt? Wenn Sie dafür beten, bitten Sie Gott im Endeffekt nicht mehr, die Entscheidung dieses Menschen seinem eigenen Willen zu überlassen, sondern dann bitten Sie Gott, etwas am Verstand bzw. Herzen dieses Menschen zu bewirken, was zur Folge hat, dass er wirklich sieht und glaubt. D.h. Sie gestehen damit ein, dass die letztendliche Entscheidung darüber, ob dieser Mensch auf Jesus Christus vertrauen wird, nicht bei ihm selbst liegt, sondern bei Gott.

Was ich damit sage: Nicht die Lehre von der Souveränität Gottes widerspricht Gebeten für die Bekehrung von Sündern. Ganz im Gegenteil: Die unbiblische Auffassung, die Bekehrung beruhe auf einer freien Willensentscheidung des Menschen, macht jegliche Gebete für Verlorene sinnlos. Gebet ist die Bitte, dass Gott etwas tun möge. Doch das einzige, was Gott tun kann, um einen verlorenen Sünder zu retten, ist, sein Widerstand gegen Gott zu brechen. Wenn Sie darauf bestehen, dass der Sünder seinen freien Willen behalten muss, dann bestehen Sie damit darauf, dass er ohne Christus bleibt. Denn "niemand kann zu Christus kommen, es sei ihm denn vom Vater gegeben" (Johannes 6,65.44).

Nur wer die Auffassung vom "freien Willen" ablehnt, kann sinnvollerweise Gott bitten, einen Verlorenen zu retten. Ich bete für Ungläubige, dass Gott an ihnen das tut, was er auch bei Lydia getan hat: Er öffnete ihr Herz, sodass sie Acht gab auf das, was Paulus sagte (Apostelgeschichte 16,14). Ich bete, dass Gott, der einst sprach, "Es werde Licht!", durch dieselbe Schöpfermacht "aufleuchtet in ihrem Herzen zum Lichtglanz der Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes im Angesicht Jesu Christi" (2. Korinther 4,6). Ich bete, dass Gott "das steinerne Herz aus ihrem Fleisch wegnimmt und ihnen ein fleischernes Herz gibt" (Hesekiel 36,26). Ich bete, dass sie wiedergeboren werden "nicht aus dem Willen des Fleisches noch aus dem Willen des Menschen, sondern aus Gott" (Johannes 1,13). Und bei all meinem Gebet versuche ich "milde zu sein, lehrfähig, duldsam ... ob ihnen Gott nicht etwa Buße gebe zur Erkenntnis der Wahrheit" (2. Timotheus 2,24-26).

Kurz gesagt, bitte ich Gott nicht, nur geduldig abzuwarten, ob mein Bekannter sich nicht doch noch für ein anderes Leben entscheidet. Ich empfehle Gott nicht, ihn in Ruhe zu lassen, damit nicht etwa seine Erkenntnis unwiderstehlich wird und er den freien Willen meines Bekannten verletzt. Nein! Ich bete, dass er meinen ungläubigen Bekannten mit seiner Erkenntnis überwältigt, dass er den versklavten Willen befreit, dass er den Toten lebendig macht und dass er sich durch keinen Widerstand davon abhalten lässt, damit mein Bekannter nicht verloren geht.

2. Wenn nun jemand sagt: "O.k., angenommen, die Bekehrung eines Menschen hängt letztendlich wirklich von Gott ab, verstehe ich immer noch nicht, welchen Sinn Gebet macht. Wenn Gott vor Grundlegung der Welt erwählt hat, wer gläubig wird, welche Aufgabe erfüllt dann unser Gebet?" Darauf antworte ich, dass es eine ganz ähnliche Aufgabe erfüllt wie die Evangeliumsverkündigung: Wie sollen die Verlorenen an den glauben, von dem sie nicht gehört haben, und wie sollen sie hören ohne einen Prediger, und wie sollen sie predigen, wenn sie nicht gesandt sind (Römer 10,14f.)? Der Glaube an Christus ist eine Gabe Gottes (Johannes 6,65; 2. Timotheus 2,25; Epheser 2,8), aber Gott hat verordnet, dass Menschen durch das Mittel der Evangeliumsverkündigung zum Glauben an Jesus Christus kommen. Es ist einfach naiv, wenn man sagt, dass die Erwählten sich sowieso bekehren würden, auch wenn niemand das Evangelium verkündet. Das ist deshalb naiv, weil es die Tatsache ignoriert, das die Verkündigung des Evangeliums genauso zuvorbestimmt ist wie der Glaube an das Evangelium: Paulus wurde zum Verkündigungsdienst ausgesondert, bevor er geboren wurde (Galater 1,15), gleiches gilt für Jeremia (Jeremia 1,5). Die Frage: "Würden die Erwählten gerettet, wenn wir nicht evangelisierten?", kommt deshalb der Frage gleich: "Würden die Erwählten gerettet, wenn es keine Erwählung gäbe?" Gott kennt die Seinen und er wird Boten erwecken, um sie zu gewinnen. Wenn sich jemand weigert, Bestandteil dieses Planes zu sein, weil ihm der Gedanke missfällt, da hineingenommen zu werden, bevor man geboren ist, dann werden weder Gott noch die Erwählen die Verlierer sein, sondern er. "Man wird gewiss in jedem Fall der Absicht Gottes dienen, wie immer man auch handelt, aber es ist ein Unterschied, ob man der Absicht Gottes dient wie Judas oder wie Johannes." (Problem of Pain Kapitel 7, Anthology, S. 910, vgl. S. 80)

Gebet gleicht der Evangeliumsverkündigung darin, dass es eine menschliche Handlung ist. Sie ist eine menschliche Handlung, die Gott verordnet und an der er Gefallen hat, weil sie die Abhängigkeit seiner Geschöpfe von ihm ausdrückt. Er hat verheißen, Gebet zu erhören, und seine Erhörung hängt in dem Maße von unserem Gebet ab, wie unser Gebet in Übereinstimmung mit seinem Willen steht. "Und dies ist die Zuversicht, die wir zu ihm haben, dass er uns hört, wenn wir etwas nach seinem Willen bitten" (1. Johannes 5,14). Wenn wir nicht wissen, wie wir gemäß dem Willen Gottes beten sollen, diesen aber ernstlich wünschen, "verwendet sich der Geist Gottes für uns Gottes Willen gemäß" (Römer 8,27).

Anders gesagt: So wie Gott darauf achtet, dass sein Wort verkündet wird als Mittel zur Errettung der Erwählten, so achtet er auch darauf, dass all jene Gebete gebetet werden, deren Erhörung er verheißen hat. Ich denke, dass die Worte des Paulus in Römer 15,18 gleichermaßen für seine Verkündigung gelten wie auch für seinen Gebetsdienst: "Ich würde nicht wagen, etwas davon zu sagen, wenn nicht Christus es durch mich gewirkt hätte, um die Heiden zum Gehorsam zu bringen durch Wort und Werk." Sogar unsere Gebete sind eine Gabe von dem Einen, der "in uns schafft, was vor ihm wohlgefällig ist" (Hebräer 13,21). O wie dankbar sollen wir sein, dass er uns erwählt hat, an diesem hohen Dienst beteiligt zu sein! Wie eifrig sollten wir sein, viel Zeit im Gebet zu verbringen!


By John Piper. © Desiring God
© der dt. Übersetzung: Betanien Verlag, 2002

Mittwoch, 28. November 2007

Doch nicht ganz allmächtig?

Kürzlich empfahl mir ein befreundeter Pastor, den Film 'Bruce Allmighty' zu sehen. Dieser Film zeige gut, dass Gott alles könne - ausser: jemanden dazu bringen, Ihn zu lieben.
Diese Aussage war natürlich (mehr oder weniger bewusst) gegen die reformierte Lehre der 'unwiderstehbaren Gnade' gerichtet. Die Meinung - von der semipelagianischen Sicht geprägt - Gott könne zwar um den Menschen werben, aber dessen Liebe zu Ihm könne Er nicht wecken, das liege allein in der Entscheidung des Menschen.

Abgesehen davon, dass diese Sicht gleich mehreren biblischen Lehren gleichzeitig widerspricht (Allmacht Gottes: Gott wirkt alles, was Er will Jes 46,10, Eph 1,11; Erweckung allein durch Gottes Initiative: Hes 11,19; 36,26f, Jer 31; Erwählung ohne Vorbedingung: Deut 9,5; Tit 3,5; Eph 2, 2Tim 1,9, usw.) wirft sie konkret die Frage auf: Wenn nicht Gott die Liebe zu Ihm in einem Menschen hervorbringen kann, wer kann es dann?

Es gibt nicht viele Alternativen.
Es sollte wohl geglaubt werden, dass es der Mensch selber ist.
Damit er das aber tun kann, muss der Mensch gewissermassen in einer neutralen Position stehen.
Er muss - von Gott darum gebeten, Ihn doch zu lieben - in der Lage sein, auf diese Bitte in freier Wahl zu antworten. Er muss diese Liebe also bereits in sich haben, die er dann auf Gott ausrichten kann.

Das bedeutet, dass trotz Sündenfall und vererbter Sündhaftigkeit ein bestimmter Teil des Menschen unversehrt geblieben sein müsste.
Der Apostel Paulus hätte nicht Recht, wenn er sagt, dass in ihm nichts Gutes wohnt. Es gäbe mindestens doch etwas Gutes, nämlich die Liebe. Die ist irgendwie intakt geblieben. Wow!
Paulus hätte an dieser und an vielen anderen Stellen nur seine Demut mit einer Hyperbel zum Ausdruck gebracht. Er hätte es nicht wirklich so gemeint, wie er es gesagt hat.

Ich könnte lange so weiterfahren. An der Ablehnung der Lehren der Gnade hängt ein fast endloser Rattenschwanz an Verleugnungen und Abschwächungen biblischer Aussagen, so dass wir uns am Ende fragen müssen, ob wir überhaupt ernsthafte Bibelleser sein und gleichzeitig das reformatorische Verständnis des Heils ablehnen können.
Ich denke, wie können es nicht.
Für C. Van Til war es klar, dass 'Verteidigung des Christlichen Glaubens' die Verteidigung des reformierten Glaubens bedeutet. Dazu kann ich nur 'Amen' sagen.

R.C. Sproul brachte es noch etwas stärker auf den Punkt, als er kürzlich eine Gruppe von ca. 100 Zuhörern (Studenten und Gäste) befragte, ob sie glauben, dass Gott alles, was in der Welt passiert, vorher angeordnet hat (Zitat aus dem Westminster Bekenntnis). 70 antworteten mit Ja, 30 mit Nein.
Anschliessend fragte R.C., wie viele unter ihnen Atheisten seien. Keiner meldete sich. Daraufhin meinte er, das sei aber sehr erstaunlich, dass unter denen, die nicht an Gottes Vorsehung glaubten, keiner sich als Atheist bezeichnet.

Ich kann mir die langen Gesichter vorstellen. Aber ich gebe ihm Recht. Niemand, der behauptet, dass er der Bibel glaubt bezüglich ihrer Offenbarung Gottes, kann die Lehren der Allmacht Gottes und die Lehren, die mit Seinem erwählenden Handeln zusammenhängen, einfach verleugnen.